﻿Naphtha

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die chinesische Ware, doch wurde dieser
Stoff in Europa bald nachgeahmt und fast
überall da hergestellt, wo Baumwolle ver-
arbeitet wird, in Deutschland besonders in
Sachsen und in Böhmen. Die dazu benutzten
weißen, mit Eisenlösungen gefärbten Stoffe
nahmen aber doch meistens die echte Nuance
nicht so genau an, daß sie nicht leicht zu
unterscheiden gewesen wären, und die Farbe
ging bei jeder Wäsche mehr aus. Auch an
Haltbarkeit des Stoffes blieben die echten N.
unerreicht. Trotzdem fertigte man den Stoff
bald auch in anderen Farben, grau, grün,
blau, und zwar sowohl bunt gestreift, ge-
flammt, gewürfelt, als auch meliert, ferner
neben glatten auch verschiedene Köpernan-
kings, so daß die Benennung N. sich über
eine ganze Klasse starker baumwollener wohl-
feiler Sommerstoffe verbreitete. Gegenwärtig
hat der Bezug der chinesischen Ware so
gut wie aufgehört, und auch an Stelle der
europäischen Fabrikate sind schönere Stoffe
mit anderen Namen getreten. — Zoll: S.
Tarif Nr. 445/69.

Naphtha ist eine alte Bezeichnung für ver-
schiedene Ätherarten, also Schwefelnaphtha
(N. vitrioli) für Äther oder Schwefeläther;
Essignaphtha (N. aceti) für Essigäther.
Außerdem wird sie für die hellste Sorte
Petroleum und die zuerst übergehenden, leicht
entzündlichen Petroleumdestillate benutzt. —
Solvent-Naphta ist Schwerbenzol (s.
Benzol). — Zoll: S. die betreffenden Artikel.

Naphthalin (Naphthylhydrür, Stein-
kohlenkampfer, frz. und engl. Naphtha-
line) ist ein fester Kohlenwasserstoff,
der sich bei der trockenen Destillation ver-
schiedener organischer Körper bildet und
daher vor allem im Steinkohlenteer ent-
halten ist. Hauptsächlich findet es sich in
den bei 180—230° übergehenden Anteilen
des schweren Teeröls, aus denen es sich beim
Abkühlen als eine butterartige kristallinische
Masse ausscheidet. Zur Reindarstellung wer-
den die Kristalle abgepreßt, darauf mit Natron-
lauge, weiter mit Schwefelsäure unter Zusatz
von etwas Braunstein behandelt, mit Wasser
gewaschen und schließlich sublimiert. Das
reine N. bildet glänzend-weiße tafelförmige
Kristalle von starkem betäubendem Geruch.
Es schmilzt bei 79°, siedet bei 217—218°
und hat ein spez. Gew. von 1,152. Weingeist,
Äther, Schwefelkohlenstoff, ätherische und
fette Öle lösen N. auf, hingegen ist es in
Wasser unlöslich. N. kann mit Wasserdampf
leicht überdestilliert werden, verflüchtigt sich
aber auch schon bei gewöhnlicher Temperatur
und muß daher in gut verschlossenen Glas-
oder Blechgefäßen aufbewahrt werden. — N.
findet ausgedehnte technische und medizinische
Anwendung. Die Medizin benutzt es äußerlich
gegen Krätze und Hautkrankheiten, innerlich
bei Erkrankung der Atmungsorgane und
gegen Spulwürmer. Für die Technik bildet
es das unentbehrliche Ausgangsmaterial zur
Darstellung der Phtalsäure, welche wieder-
um zur Fabrikation der Benzoesäure und
der prächtigen Resorzinfarben (Fluoreszein,

Naphthylamin

Eosin) dient, ferner der Naphthalinfarben:
Bordeaux, Ponceau, Orange, Naphthalingelb
und zahlreicher organischer Präparate, Naph-
thol, Naphthylamin usw. Auf seiner Giftig-
keit für niedere Tiere beruht die Anwendung
als Mottenpulver, zum Konservieren von Her-
barien und Insektensammlungen. Wegen seines
hohen Kohlenstoffgehalts benutzt man es zum
Karburieren des Leuchtgases. — Zollfrei.

Naphthol. Diesen Namen führen zwei
organische Verbindungen von gleicher Zu-
sammensetzung, 'aber verschiedenen Eigen-
schaften, welche durch die Bezeichnung a —
oder Alphanaphthol und ß — oder Beta-
naphthol unterschieden werden. Ersteres
besteht aus farblosen Kristallnadeln von kreo-
sotähnlichem Gerüche, die bei 94° C schmelz-
zen, in kaltem Wasser beinahe unlöslich sind
und sich in heißem Wasser nur wenig, da-
gegen leicht in Alkohol und in Äther lösen.
Letzteres bildet kleine, farblose, glänzende,
beinahe geruchlose Kristallblättchen, die erst
bei 122° C schmelzen. Beide Naphthole stehen
zu dem Naphthalin in einem ähnlichen Ver-
hältnisse, wie das Phenol (Karbolsäure) zu
dem Benzol, und sind als alkoholartige Körper
der Naphthalinreihe anzusprechen. Sie wer-
den durch Behandlung der Naphthalinsulfo-
säure (erhalten durch Einwirkung von Schwe-
felsäure auf Naphthalin) mit schmelzendem
Ätzkali dargestellt und dienen zur Fabrikation
verschiedener Naphthalinfarben. Das Beta-
naphthol findet neuerdings auch medizinische
Verwendung als Antiseptikum, während die
Alpha-Verbindung ein wichtiges Reagens auf
Zucker ist. — Zollfrei.

Naphtholgelb. Diesen Namen führen zwei
verschiedene Teerfarbstoffe, einesteils das
Martiusgelb (s. d.), andernteils das Natron-
oder Kalisalz der aus letzterem dargestellten
Sulfosäure (Naphtholgelb S.) Dieser Farb-
stoff ist bekannter unter dem Namen Säure-
gelb. — Zollfrei.

Naphthoigrün, ein seit 1883 bekannter
Teerfarbstoff, besteht aus dem Eisenoxy-
dulnatronsalze der Nitrosobetanaphtholmono-
sulfosäure. Es bildet ein dunkelgrünes, in
Wasser lösliches Pulver, welches beim Er-
hitzen auf Platinblech einen Rückstand von
Schwefeleisen hinterläßt. Das N. wird zu-
weilen zum Färben von Wolle verwendet. —■
Zollfrei.

Naphtholschwarz, ein blauschwarzes, in
Wasser mit violetter Farbe lösliches Pulver,
welches Wolle in sauerem Bade blauschwarz
färbt, besteht aus dem Natronsalze der
Amidoazonaphthalindisulfosäureazobetanaph-
tholdisulfosäure, enthält aber stets etwas Naph-
thoigrün beigemengt. — Zollfrei..

Naphthorubin, ein zur Gruppe der Azo-
farben gehöriger Teerfarbstoff, bildet ein
braunes, in Wasser mit fuchsinroter Farbe
lösliches Pulver und wird zum Rotfärben von
Wolle verwendet. Es besteht aus dem Natron-
salze der Alphanaphthylaminazoalphanaphthol-
disulfosäure. — Zollfrei.

Naphthylamin (Naphthalidin), einestick-
stoffhaltige, zu den Monaminen gehörig®