﻿Narkotin

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Natriumazetat

wichtige organische Base, wird jetzt in großer
Menge fabrikmäßig dargestellt, da man sie
zur Bereitung verschiedener Naphthalinfarben
verwendet. Das N. wird in ähnlicher Weise
aus dem Naphthalin dargestellt, wie das Phe-
nylamin (Anilin) aus dem Benzol, indem man
zunächst Nitronaphthalin bildet und dieses
durch eine Wasserstoff entwickelnde Mischung
reduziert. Das N. bildet feine weiße Kristall-
nadeln von angenehmem Geruch, die bei
50° C schmelzen und bei 300° C unverändert
sieden. In Wasser ist das N. beinahe unlös-
lich, löslich dagegen in Alkohol und in Äther.
Mit Säuren bildet es die N aphthylamin-
salze, die leicht und gut kristallisierbar sind,
eine weiße Farbe haben, aber an der Luft
leicht rot werden. — Zollfrei.

Narkotin (Opian, Derosnesches Salz,
lat. Narcotinum, frz. und engl. Narcotine),
eines der zahlreichen, im Opium enthal-
tenen Alkaloide, wird medizinisch nur selten
verwendet. Es besteht aus farblosen, geruch-
und geschmacklosen, perlglänzenden Kristall-
nadeln, die in kaltem Wasser fast unlöslich,
Jn kochendem wenig, reichlicher in Alkohol
löslich sind. Das N. wirkt weniger giftig
als die übrigen Opiumbasen. — Zollfrei.

Narzei'n (lat. Narce'inum, frz. und engl. Nar-
celne), ein in dem Opium und den reifen
Kapseln des blausamigen Mohns enthaltenes
giftiges Alkaloid, wird vielfach medizinisch
verwendet, da es eine stärkere schlafbringende
und schmerzstillende Wirkung als das Mor-
phium hat, ohne die unangenehmen Neben-
wirkungen des letzteren zu besitzen. Man er-
hält es als leichte, voluminöse Masse, die aus
farblosen, seideglänzenden, nadelförmigen Kri-
stallen besteht. Es ist geruchlos und von
bitterem Geschmack, löst sich schwer in kal-
tem, leicht in siedendem Wasser und schmilzt
hei 160—165° C unter beginnender Zersetzung.
Außer dem reinen N. hat man im Chemi-
kalienhandel noch schwefelsaures N. (Nar-
ze'insulfat, lat. Narce'inum sulfuricum) und
salzsauresN.(Narzelnchlorhydrat, Nar-
zeinchlorwasserstoff, lat. Narce'inum hy-
drochloricum). — Zollfrei.

Natrium (Sodium) ist ein metallisches
Element, welches wie das nahe verwandte
Kalium nicht in freiem Zustande in der
Natur vorkommt, in Form seiner Verbin-
dungen aber außerordentlich verbreitet ist.
fn Gemeinschaft mit Kieselsäure und Ton-
erde bildet es einen Bestandteil vieler Mine-
ralien und kristallisierter Gesteine (Natron-
feldspat). An Chlor gebunden findet es sich
in ungeheuren Mengen als Kochsalz, an Sal-
petersäure gebunden als Chilisalpeter, an
Schwefelsäure gebunden als Glaubersalz. Die
Darstellung des metallischen N. erfolgt in
analoger Weise wie diejenige des Kaliums.
Soda (Natriumkarbonat) wird mit Kreide und
Steinkohle in eisernen Rohren zur Weißglut
erhitzt, wobei das Metall in Dampfform über-
seht und sich in der Vorlage unter Steinöl
Verdichtet. Bei weit niedrigerer Temperatur
verläuft der Prozeß, wenn man das N.-Karbo-

nat durch das Hydroxyd ersetzt. An Stelle
der Kohle hat man mit Erfolg verschiedene
andere Reduktionsmittel wie Eisenkarbid oder
Kalziumkarbid angewandt. Auch kann man
das N. direkt aus einem Gemisch von Fluor-
natrium mit Kalziumkarbid oder Aluminium
abdestillieren. Zurzeit dürfte das meiste N.
durch Elektrolyse von N.-Hydroxyd gewonnen
werden. Das N. ist silberweiß, weicher als
Wachs und daher bei gewöhnlicher Tempe-
ratur knet- und schneidbar. An feuchter,
nicht an trockner Luft bedeckt es sich unter
Aufnahme von Wasserstoff und Sauerstoff
mit einer weißlichen Kruste von N.-Hydroxyd.
Das Metall schwimmt auf Wasser, indem
es unter Entwicklung von Wasserstoff in
Hydroxyd übergeht. Die Reaktionswärme
ist nicht so hoch, wie beim Kalium und
reicht nicht zur Entzündung des Wasserstoffs
aus. Das N., wie seine Verbindungen ver-
leihen der nichtleuchtenden Flamme des
Bunsenbrenners eine gelbe Farbe und er-
zeugen im Spektrum bei der Linie D eine
gelbe Bande. N. wurde früher in großer
Menge zur Darstellung des metallischen
Magnesiums und Aluminiums benutzt, jedoch
hat der Verbrauch für diesen Zweck in letzter
Zeit sehr nachgelassen, seitdem das Alu-
minium meist auf dem Wege der Elektrolyse
gewonnen wird. Um so größere Bedeutung
hat es hingegen für die chemische Analyse
und wird daher von den Laboratorien viel
verbraucht. In Verbindung mit Quecksilber
als Natriumamalgam dient es zur Ex-
traktion des Goldes aus dem pulverisierten
Gestein, sowie zum Vergolden und Versilbern
von Metallen. — Zollfrei.

Natriumazetat (Essigsaures Natron,
essigsaures Natrium, lat. Natrium ace-
ticum, frz. Acötate de soude, engl. Sodium
acetate) wird wie das entsprechende Kalzium-
salz aus rohem Holzessig durch Neutrali-
sieren mit kohlensaurem Natron oder durch
Umsetzung des essigsauren Kalziums mit
Natriumsulfat, Eindampfen der Lösung zur
Trockne und schwaches Glühen des Rück-
standes dargestellt. Es bildet große Stücke
von blättrig-kristallinischem Bruch, welche
infolge eines geringen Kohlenstoffgehaltes
grau erscheinen und zu denselben Zwecken
wie das Kalziumazetat benutzt werden. Durch
Umkristallisieren dieses rohen Salzes erhält
man ein halbgereinigtes weißes, Rotsalz ge-
nannt, weil es in der Rotfärberei Anwen-
dung findet. Chemisch reines N. entsteht
bei Verwendung reiner Essigsäure in Form
kleiner nadelförmiger Kristalle, welche sich
leicht in Wasser lösen und als analytisches
Reagens, sowie als Medikament gegen Magen-
und Darmleiden und als Bestandteil der Ton-
bäder in der Photographie verwandt werden.
Eine besonders interessante Verwendung des
rohen kristallisierten N. beruht noch auf der
Eigenschaft des in seinem Kristallwasser ge-
schmolzenen Salzes, viermal soviel Wärme
aufzuspeichern und allmählich wieder abzu-
geben, wie ein gleiches Volum Wasser. Man
hat vorgeschlagen, diese Eigenschaft zur