﻿N atriumbikar bonat

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Natriumjodid

Heizung von Straßenbahnwagen zu verwerten.
— Zollfrei.

Natriumbikarbonat (Doppeltkohlen-
saures Natron, lat. Natrium bicarbonicum,
frz. Bicarbonate de soude, engl. Sodii bicar-
bonas) findet sich gelöst in dem Wasser
zahlreicher alkalischer Säuerlinge und ent-
steht in ungeheuren Mengen als Zwischen-
produkt beim Solvayschen Ammoniaksoda-
prozeß. Dieses Natrium bicarbonicum
venale seu technicum kann aber wegen
seines Gehaltes an Ammonium- und Na-
triumkarbonat nur für technische Zwecke
benutzt werden. Die Darstellung des reinen

N.	erfolgt in der Weise, daß man Soda in
konzentrierter wäßriger Lösung mit Kohlen-
säure sättigt, worauf das schwerer lösliche
Bikarbonat auskristallisiert. Oder man be-
handelt Soda mit Kohlensäure und Wasser-
dampf bei 80°, wäscht das Salz nach der
Entfernung der Mutterlauge und trocknet
es bei gelinder Wärme im Kohlensäurestrom.
Das N. erscheint im Handel in Form kleiner
farbloser Kristalle oder weißer kristallini-
scher Krusten vom spez. Gew. 2,220. Es
besitzt einen sehr schwach alkalischen Ge-
schmack und löst sich in 12—13 Teilen kal-
tem Wasser, aber nicht in Alkohol. Das
Salz enthält 52,4 °/o Kohlensäure, die aber
schon bei gewöhnlicher Temperatur teilweise
entweicht. Beim Erhitzen auf 350—400°
hinterbleibt Natriummonokarbonat (Soda).
Zur Vermeidung von Zersetzungen muß es
daher vor feuchter Luft geschützt und kühl
aufbewahrt werden. Das reine N. dient in
der Pharmazie zur Herstellung von Magen-
pulvern gegen Säure, ferner von Mund- und
Gurgelwässern, zu Inhalationen bei Erkran-
kungen der Atmungsorgane, gegen Harn-
säure, Gicht und Rheumatismus, als Bestand-
teil des Brausepulvers usw. Das technische
Salz findet Anwendung zum Entschälen der
Seide und zum Waschen der Wolle. — Zoll:
1,50 M.

Natriumchlorat (Chlorsaures Natrium,
lat. Natrium chloricum, frz. Chlorate de
soude, engl. Sodii chloras) wird durch Be-
handlung von Kaliumchlorat mit saurem wein-
saurem Natron oder neuerdings durch Elek-
trolyse hergestellt als eine dem Kaliumchlorat
ganz analoge und wie dieses verwertbare
Verbindung. — Zollfrei.

Natriumchlorid (Chlornatrium, frz. Na-
trium chloratum, Natrium muriaticum, frz.
Chlorure de sodium purifie, engl. Chloride of
sodium), das chemisch reine Kochsalz (s. d.),
kristallisiert in Würfeln und findet in der
analytischen Chemie beschränkte Anwen-
dung. — Zollfrei.

Natriumchromat und Natriumdichromat

verhalten sich den entsprechenden Kalium-
verbindungen ganz analog und werden wie
diese hergestellt, jedoch unter Ersatz der Pott-
asche durch Soda. Sie finden in der Technik
als billigerer Ersatz des Kaliumchromates
(s. d.) Anwendung. — Zollfrei.

Natriumhydroxyd (Natronhydrat, Ätz-
natron, lat. Natrium hydricum, Natrium cau-

sticum, frz. Soude caustique, engl. Sodium
hydroxide) ist seinem Aussehen und chemi-
schen Verhalten nach dem Kaliumhydroxyd
ganz analog und wird nach denselben Me-
thoden wie dieses dargestellt, indem man statt
von der Pottasche, von der Soda und den
anderen entsprechenden Natrium Verbindungen
ausgeht. In reinster Form entsteht es bei
der Einwirkung von metallischem Natrium
auf Wasser oder beim Kochen von Soda-
lösung mit Ätzkalk. Für die Fabrikation im
Großbetriebe bedient man sich des Leblanc-
Sodaprozesses, nach welchem Natriumsulfat
und Kalkstein mit Kohle geglüht wird. Zum
Unterschiede von der Sodafabrikation ver-
wendet man hier aber einen größeren Über-
schuß an Kohle und laugt mit mehr und
wärmerem Wasser von 50° aus. Das ent-
standene N. wird von der Soda und den an-
deren Nebenprodukten durch fraktioniertes
Eindampfen befreit und durch Glühen mit
etwas Salpeter entfärbt. Oder man läßt Eisen-
oxyd bei hoher Temperatur auf Soda ein-
wirken, wobei die Kohlensäure ausgetrieben
wird. Hierbei entstehen keinerlei Nebenpro-
dukte, und das durch Auslaugen vom N. be-
freite Eisenoxyd kann sofort wieder benutzt
werden. Auch die entweichende Kohlensäure
kann verwertet werden. Von den neueren Me-
thoden scheint die Elektrolyse des Kochsalzes
die größte Bedeutung zu haben. Das N. ist
eine weiße, in der Hitze schmelzbare Sub-
stanz, welche aus der Luft begierig Wasser
und Kohlensäure anzieht und sich in Wasser
unter starker Erwärmung leicht löst, aber
auch in Alkohol löslich ist. Es kommt in
harten Stücken, in Stengeln oder in Pulver-
form in verschiedener Reinheit in den Handel
und muß in gut verschlossenen Gefäßen auf-
bewahrt werden. Auch die wäßrige Lösung,
die Natronlauge oder Ätznatronlauge
(lat. Liquor natri caustici, frz. Soude cau-
stique liquide, engl. Solution of sodium hydro-
xide) bildet einen Handelsartikel. Die farblose
ätzende Flüssigkeit besitzt stark alkalische
Reaktion, macht die Haut schlüpfrig und wird
nach dem spez. Gew. (Graden Baumö) verkauft.

—	N. wird hauptsächlich in der Seifensiederei,
ferner bei der Fabrikation von Farbstoffen,
Salizylsäure und anderen chemischen Präpa-
raten, zum Raffinieren von Petroleum und
zur Darstellung von Wasserglas in ungeheuren
Mengen verbraucht. Es hat vor dem Kali
den Vorzug des geringeren Preises und übt
wegen seines niedrigeren Äquivalentgewichts
eine energischere Wirkung aus. Für gewisse
Zwecke, z. B. zur Fabrikation von Schmier-
seife, kann es jedoch das Kali nicht ersetzen.

—	Zoll: S. Tarif Nr. 289.

Natriumhydrosulfit (Hydrosulfit) wird

durch Behandlung von saurem schwefligsau-
rem Natrium mit Zinkstaub und schwefliger
Säure in Form farbloser Prismen erhalten und
findet in der Färberei und Druckerei, beson-
ders zur Reduktion von Indigo, mannigfache
Anwendung. — Zollfrei.

Natriumjodid (Jodnatrium, lat. Natrium
jodatum, frz. Jodure de sodium, engl. Sodium