﻿Neublau

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Nickel

ortie morte, engl. Nettle flowers) nennt man
die Blumenkronen von Lamium alburn.
Die zu den Labiaten gehörige Taubnessel
ist über Mitteleuropa und Asien weitverbreitet.
Die Blüten werden ohne den Kelch gesammelt
und finden Verwendung als blutreinigendes
Mittel. — Zollfrei.

Neublau (Waschblau). Das eigentliche
N. zum Bläuen der Wäsche besteht aus
Stärke, die mit Indigkarmin gefärbt und in
kleine Täfelchen geformt ist. An seiner Stelle
wird fast nur noch künstlicher Ultramarin
angewandt, der in kleinen Portionen mit
heißem Wasser angerührt und dem Blau-
wasser zugesetzt wird. Er ist hierzu auch
ganz geeignet, während Berlinerblau, das
ebenfalls zuweilen mit Stärke oder Kreide
gemischt als N. verkauft wird, ein starkes
Vergilben der Zeuge bewirkt. Berlinerblau
*st leicht daran erkennbar, daß es beim
Kochen mit Sodalösung seine Farbe verliert
nnd braun wird. Den Namen Neublau führt
auch ein Teerfarbstoff, der mit Echtblau
(s. d.) identisch ist. — Zoll: N. als Indigo-
karmin ist zollfrei; N. als Ultramarinblau
s- Tarif Nr. 323; N. als Berlinerblau s. Nr. 322;
N. als Teerfarbstoff ist zollfrei.

Neucoccin. Diesen Namen führen zwei Azo-
farbstoffe. Der eine, auch Koschenille-
rot A und Brillantponceau (nicht zu ver-
wechseln mit einem anderen ebenso genann-
ten Farbstoff, s. Brillantponceau) genannt,
besteht aus dem Natronsalze der Naphthion-
säureazobetanaphtholdisulfosäure und er-
scheint im Handel als scharlachrotes, in
Wasser leicht lösliches Pulver. Der andere,
auch Neucoccin R, Kristallponceau
ü R genannt, besteht aus dem Natronsalze
der Alphanaphthylaminazobetanaphtholdisulfo-
säure und bildet schöne braunrote Kristalle
tuit Goldglanz, die sich in Wasser mit pon-
ceauroter Farbe lösen. Beide Farbstoffe färben
Wolle im sauren Bade rot. — Zollfrei.

Neugelb nennt man verschiedene gelbe
Teerfarbstoffe, nämlich das Säuregelb D
und das gewöhnliche Säuregelb (Neugelb
L), ferner auch das Zitronin und Kurku-
nrein (s. d.) und das Flavaurin (s. d.). —
Zollfrei.

Neunaugen (Bricken, Pricken, Felsen-
sauger, frz. Lamproies, engl. Lambreys), die
bekannten Knorpelfische von aalartiger
Gestalt, haben ihren sonderbaren Namen da-
her, daß man die sieben Kiemenlöcher, die auf
jeder Seite liegen, für Augen ansah und sich
Uoch dazu um zwei verzählte. Es gibt zweier-
lei Arten, die Flußbricke (Petromyzon
fluviatilis) und die große Seebricke oder
Lamprete (Petromyzon marinus). Die
urstere, die gewöhnlich kaum fingerdick und
höchstens 3 dm lang ist, kann bei gehöriger
Schonung an 9 dm lang werden und ist dann
yiel schmackhafter. Die Fische besitzen eine
■olivengrüne, mit weißen Wölkchen durch-
zogene Oberseite und sind am Bauche silber-
weiß. sie haben ein sehr zähes Leben und
lassen sich daher auch mit Schnee verpackt
lebendig weit versenden. Die N. leben be-

I sonders in Norddeutschland, den russischen
I Ostseeprovinzen und England in großer Menge
in Flüssen und Bächen. Im Sommer halten
sie sich in der Tiefe auf, steigen aber im
Winter in die Höhe und werden dann in
der Weise gefangen, daß man Löcher in
das Eis haut und Birkenreisig hineinsteckt,
an das sie sich oft in Menge ansaugen. Die
Tiere werden ausgenommen, schwach geröstet
oder gebraten mit Essig, Gewürzen und Lor-
beerblättern eingelegt und in den bekannten
Fäßchen von den preußischen Ostseestädten,
von Bremen und Lüneburg in den Handel
gebracht. — Die Lamprete (P. marinus)
lebt in fast allen europäischen Meeren, wird
über 9 dm lang und armdick, ist grünlich,
gelb und braun marmoriert und mit zwei
Rückenflossen versehen. Sie hat ein beson-
ders weißes, fettes und festes Fleisch und
gilt als Delikatesse. Im Frühjahr geht der
Fisch des Laichens halber in den Flüssen
und Nebenflüssen aufwärts und wird dabei
gefangen, am häufigsten in den Flüssen Eng-
lands und der Bretagne. In geringerer Zahl
kommt er nach Deutschland in die Strom-
gebiete der Elbe, Weser und des Rheins
und gelangt dann in der Regel frisch zum
Konsum. Sonst ist seine Zubereitung wie die
der Flußbricken. — Zoll: S. Tarif Nr. 115. 117.

Neutralblau, ein seit 1882 im Handel vor-
kommender Teerfarbstoff, wird durch Ein-
wirkung von salzsaurem Nitrosodimethylanilin
auf Phenylnaphthylamin erhalten und ist Phe-
nyl dimethylparaamidonaphthazoniumchlorid.
Man erhält das N. als braunes, glanzloses,
in Wasser und Alkohol mit violetter Farbe
lösliches Pulver. — Zollfrei.

Neutralrot, ein Teerfarbstoff, besteht
aus der Chlorwasserstoffverbindung des Di-
methyldiamidotoluphenazins. Das dunkel-
schwarzgrüne Pulver löst sich in Wasser
mit roter, in konzentrierter Schwefelsäure mit
grüner Farbe, welche beim Verdünnen mit
Wasser durch Blau in Rot übergeht. N.
färbt gebeizte Baumwolle rotviolett. — Zoll-
frei.

Neutralviolett, ein dem Neutralrot ganz
ähnlicher, wie dieses 1879 entdeckter Farb-
stoff, besteht aus der Chlorwasserstoffverbin-
dung des Dimethyldiamidophenazins. Das
zum Niesen reizende grünlichschwarze Pulver
löst sich in Wasser mit violettroter Farbe
und färbt gebeizte Baumwolle rotviolett. —
Zollfrei.

Nickel, ein dem Kobalt nahe verwandtes
und meist in seiner Gesellschaft vorkommen-
des Metall der Eisengruppe findet sich in
der Natur nicht in gediegenem Zustande,
sondern nur in Form von Verbindungen. Am
verbreitetsten sind Verbindungen mit Schwefel
und Arsen. Das für Deutschland wichtigste
Erz ist der Kupfernickel oder Nickolit,
welcher von den Bergleuten seines Aussehens
wegen für ein reiches Kupfererz gehalten
und aus Ärger über die getäuschte Erwartung
mit dem Schimpfnamen belegt wurde. Er ist
ein mit etwas Arsenkobalt, Eisen, Antimon
und Schwefel verunreinigtes Arsen-Nickel.