﻿Nilblau

auch in Alkohol und in Äther leicht löslich
und muß in gut verschlossenen, vollgefüllten
Fläschchen an dunklen Orten aufbewahrt
werden. Neuerdings wird vorgeschlagen, das
weinsaure N. (lat. Nicotinum bitartaricum),
anstatt des reinen N. medizinisch zu ver-
wenden, da dieses Salz leicht kristallisiert
und sehr haltbar ist. Vgl. ferner Tabak. —
Zollfrei.

Nilblau, ein seit 1888 bekannter Teer-
farbstoff, besteht aus dem Sulfat des Di-
methylphenylparaammoniumalphaamidonapht-
oxazins. Der Farbstoff bildet ein grünes,
bronzeglänzendes Kristallpulver, welches in
warmem Wasser leicht mit blauer Farbe lös-
lich ist. In konzentrierter Schwefelsäure löst
er sich mit gelber Farbe, die beim Verdünnen
mit Wasser durch Grün in Blau übergeht.
Das N. eignet sich zum Färben von Seide
und Wolle ohne Beize, Baumwolle wird nach
dem Beizen mit Tannin und Brechweinstein
blau gefärbt. -— Zollfrei.

Niobeöl (frz. Essence de Niobe, engl. Niobe
oil), eine wohlriechende ölige Flüssigkeit für
Parfümeriezwecke, besteht aus Benzoesäure-
methylester. — Zoll: 80 M.

Nitrate (Ableitung von nitrum, Salpeter) ist
der Name für die salpetersauren Salze.
Die nähere Bestimmung wird durch die Base
gegeben, z. B. Kaliumnitrat, salpetersaures
Kali, gewöhnlicher Salpeter. Nitrite sind
dagegen salpetrigsaure Salze. — Zollfrei.

Nitroglyzerin (Glonoin, Sprengöl, Tri-
nitroglyzerin, Nitroleum, Salpeter-
säuretriglyzerid, Salpetersäureglyze-
rinester, Glyzerintrinitrat, frz. Nitro-
glycörine, engl. Nitroglycerin). Nachdem
durch die Erfindung der Schießbaumwolle
die Aufmerksamkeit der Chemiker auf die
Sprengwirkung der Nitrokörper, richtiger der
Salpetersäureester, gelenkt worden war, ging
man dazu über, auch die analoge Verbindung
des Glyzerins darzustellen. Die Herstellung
gelang gleichzeitig in Europa und in Amerika,
wo man dem Präparate den Namen Glo-
noin beilegte. Im großen wurde das N. je-
doch erst seit 1864 von dem Schweden
Nobel fabriziert, der es unter dem Namen
Sprengöl in die Praxis einführte. Die Her-
stellung erfolgt im Prinzip in der Weise, daß
man in ein kaltes Gemisch von konz. Sal-
petersäure und Schwefelsäure in langsamem
Strahle möglichst reines Glyzerin unter Um-
rühren einfließen läßt und gleichzeitig durch
beständige Kühlung die Temperatur unter
30° hält. Das sich oben ansammelnde Re-
aktionsprodukt wird abgehoben, mit Wasser
und Sodalösung gewaschen und durch Filz
filtriert. Sorgfältige Entfernung aller Säure-
spuren ist unbedingt erforderlich, weil hier-
von die Haltbarkeit abhängt. Das reine N.
bildet eine farblose bis blaßgelbliche ölige
Flüssigkeit, die schwerer als Wasser ist und
sich in diesem nicht löst, hingegen in Alkohol,
Äther und Benzol leicht löslich ist. Das spez.
Gew. beträgt 1,600. Das N. ist sehr giftig,
und schon seine Dämpfe verursachen an-
haltende Kopfschmerzen. Es erstarrt bei etwa

332	Nitrotoluol

—f-80 zu langen Kristallnadeln (Gefrorenes
N.), welche bei —)—110 schmelzen. Beim Er-
hitzen auf 257°, sowie durch Schlag tritt
heftige Explosion ein. Auf letzterer beruht
seine Verwendung als Sprengmittel. Die
Sprengwirkung übertrifft diejenige des ge-
wöhnlichen schwarzen Sprengpulvers um das
10—13 fache, denn die im Augenblick der
Explosion entstehenden Gase nehmen den
10 400 fachen Raum des Öles ein. Die mit
dem Gebrauch und Transport verbundenen
Gefahren veranlaßten, daß das reine N. vom
Versand ausgeschlossen wurde, und zurzeit
fast nur noch ein Gemisch mit porösen festen
Stoffen, Kieselgur, Sägemehl als sog. Dy-
namit zur Anwendung gelangt. —- Zoll: S.
Tarif Nr. 364.

Nitronaphthalin, ein chemisches Präparat,
welches zur Bereitung gewisser Farben Ver-
wendung findet, wird durch Behandlung von
Naphthalin mit einer Mischung von Salpeter-
säure und Schwefelsäure gewonnen und bil-
det gelbe prismatische Kristalle, welche un-
löslich in Wasser, aber in Alkohol, Äther und
Schwefelkohlenstoff leicht löslich sind. Das
N. schmilzt bei 61°, der Siedepunkt liegt
bei 304° C. — Zollfrei.

Nitrophosphate, die aus Knochenmehl,
Guano oder Phosphorit mit Salpetersäure (an-
statt der Schwefelsäure) bereiteten Super-
phosphate, kommen nur selten im Handel
vor, weil sie, obgleich als Düngemittel sehr
wirksam, zu teuer sind und an der Luft
rasch feucht werden. — Zollfrei.

Nitroprussidnatrium (Nitroferridcyan-
natrium, lat. Natrium nitroprussicum, frz.
Nitroprussiate de soude, engl. Nitroprussiate
of soda), das empfindlichste Reagens auf in
Wasser lösliche Sulfide, wird dargestellt, in-
dem man gelbes Blutlaugensalz mit verdünn-
ter Salpetersäure unter Erwärmen mischt und
die saure Flüssigkeit mit kohlensaurem Na-
tron sättigt, filtriert und zur Kristallisation
verdampft. Beim Umkristallisieren aus Al-
kohol wird das Salz in rubinroten Kristallen
erhalten, die dem roten Blutlaugensalz ähn-
lich sind. Alkalisulfidlösungen färben sich
auf Zusatz des Reagens sofort purpurrot bis
blau, während mit Schwefelwasserstoff keine
Färbung entsteht. Aus dem N. wird durch
Fällung mit Kupfervitriol das Nitroprussid-
kupfer (lat. Cuprum nitroprussicum) erhalten.
Es bildet nach dem Trocknen ein graugrünes
Pulver und dient zur Prüfung ätherischer
Öle auf Fälschung mit Terpentinöl oder an-
deren sauerstoffreien Ölen. Beim Erhitzen
in sauerstoffhaltigen Ölen färbt sich das Pulver
schwarz oder schwarzgrau, und das Öl nimmt
andere, dunklere Färbung an, während mit
Terpentinöl oder anderen sauerstoffreien.
Ölen keine Veränderung eintritt. — Zollfrei.

Nitrotoluol, ein für die Teerfarbenfabri-
kation unentbehrliches chemisches Präparat,
bildet drei isomere Modifikationen, nämlich
Orthonitrotoluol, Metanitrotoluol und
Paranitrotoluol. — Ersteres ist eine gelbe
Flüssigkeit von bittermandelölähnlichem Ge-
ruch, einem spez. Gew. von 1,163 und dem