﻿Obsidian

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Obst

Stecheisen aus den ganzen Blättern ausge-
stochen. Die letzteren sind seit Einführung
der gummierten Briefkuverts fast ganz außer
Gebrauch gekommen. — Eine größere Be-
deutung haben die Einnehme-Oblaten,
welche aus zwei am Rande verbundenen, in
der Mitte vertieften, scheibenförmigen O. be-
stehen, und zur Umhüllung übelschmeckender
Arzneimittel dienen. — Die in neuerer Zeit
aufgekommenen durchsichtigen farbigenO.
bestehen aus Blättern von gefärbter Gelatine,
welche auf blanke Metalltafeln flüssig aus-
gegossen und eingetrocknet ist. — Zoll:
Oblaten aus Mehl, Grieß, Kleber, s. Tarif
Nr. 199. 201. Siegeloblaten s. Nr. 201. Obla-
ten aus Gelatine s. Nr. 376.

Obsidian (Lavaglas, Isländischer
Achat) ist ein Produkt erloschener oder noch
tätiger Vulkane, eine glasartige Lava oder
vielmehr natürliches vulkanisches Glas,
welches durch Eisenoxydoxydulsilikat schwarz
gefärbt erscheint und in seinem gewöhnlichen
Vorkommen ganz das Aussehen von Bou-
teillenglas besitzt. O. ist braungelb, rauch-
braun, grau,' dunkelgrün oder ganz schwarz
gefärbt, glasglänzend, in verschiedenen Graden
durchsichtig oder durchscheinend, und zeigt
muscheligen Bruch. Die Härte beträgt 5 bis
51/2°. Das Mineral läßt sich wegen seiner
Sprödigkeit nur schwierig bearbeiten, nimmt
aber schöne Politur an und wird in seinen
ganz schwarzen Sorten zu Trauerschmuck,
Dosen, Knöpfen, Messerheften, Spiegeln für
Polarisationsinstrumente usw. verarbeitet. Eine
Abart, der schillernde O., wirft einen
grüngelben Lichtschein und wird zuweilen, in
Kappenform geschliffen, als Ringstein verwen-
det. — Zoll: S. Edelsteine (Halbedelsteine).

Obst (frz. Fruits, Fruitage, engl. Fruits).
Unter diesem Namen faßt man eine große
Zahl von Früchten und Scheinfrüchten zu-
sammen, welche wegen ihres saftigen Fleisches
und ihres Gehalts an Zucker, organischen
Säuren und Aromastoffen sowohl roh als
auch in verschiedenen Zubereitungsformen
genossen werden. Das O. wird, abgesehen
Von gewissen im Walde wild wachsenden
Beerenfrüchten, meist in Gartenkultur oder
in besonderen Plantagen gezüchtet, und diese
Kultur ist uralt. Schon die alten Syrer und
Phönizier verstanden sich auf die Veredelung
Und trieben Obstbau, der von den Griechen
Und Römern vervollkommnet und von Mön-
chen zur Zeit Karls des Großen bei uns
eingeführt wurde. Leider wird die Ernte
durch harte Winter, Spätfröste, Nässe zur
Zeit der Blüte, naßkalte Sommer, Hagel-
schlag, tierische und pflanzliche Schädlinge
nft in Frage gestellt, aber im Durchschnitt
tst der Ertrag bei Geschick und Fleiß, guter
Pflege und Auswahl passender Sorten doch
sehr groß, und besonders in Deutschland
bemühen sich daher zahlreiche Vereine und
Lehranstalten um die Ausdehnung des Obst-
baus. Gerade unser gemäßigtes Klima ist
zur Produktion feiner Tafelobstsorten außer-
°rdentlich geeignet, während die Früchte in
den Tropen an Geschmack verlieren. Selbst

das .in großen Mengen zu uns eingeführte
amerikanische O. steht unseren Sorten an
Güte weit nach. Die vorzüglichsten Lagen
befinden sich zwischen der Region des Weins
und Ölbaums, und zwar verlangen sie im
Norden mehr Sonne und Schutz gegen rauhe
Winde, im Süden mehr Beschattung. Alle
Obstbäume erfordern Tiefgründigkeit. Lolc-
keres, steiniges Geröll, besonders von Kalk-
stein, ist noch besser als schwerer toniger oder
torfig-humoser Boden. Gute Pflege, reich-
liche Düngung, sorgfältiger Schnitt, sowie
die Wahl der richtigen, dem Klima und
Boden angemessenen Sorten sind Haupt-
bedingungen für einen reichen Ertrag. Be-
sondere Sorgfalt muß der Ernte und Auf-
bewahrung des O. gewidmet werden. Nur
das bei Sonnenschein vorsichtig gepflückte
O. hält sich längere Zeit, wenn es vor jedem
Druck bewahrt wird. Man hebt es in luftigen
frostfreien Kellern oder besonderen Obst-
kammern, am besten auf strohbedeckten
Lattengerüsten auf. Die einzelnen Stücke
(Äpfel, Birnen) dürfen sich nicht berühren
und müssen häufig nachgesehen werden.
Fleckige Früchte sind sofort zu entfernen.
Kirschen lassen sich nicht lange frisch auf-
bewahren, Pflaumen nur für einige Monate,
wenn man sie mit den Stielen fest in Stein-
töpfe packt, Weintrauben, indem man sie
paarweise zusammengebunden frei aufhängt.
Das O. muß nach vollendeter Reife geerntet,
aber vor dem Erfrieren geschützt werden,
da gefrorenes O. seinen Geschmack verliert
und leicht fault. — In botanischer Hinsicht
bezeichnet man als O. sowohl ganze Früchte
oder Fruchtstände als auch Teile derselben,
ferner fleischige Fruchtschalen, Samen, Blüten-
böden, Blütenblätter, Deckblätter und ganze
Blütenstände und unterscheidet demnach je
nach der einen oder anderen Abstammung:
Kern-, Stein-, Beeren- und Schal-O.,
bisweilen auch noch die Unterabteilungen:
kapselartige, Kelch-, Kürbis - und Scho-
tenfrüchte. Zum Kernobst, welches von
einer mit dem Kelche gekrönten Schein-
frucht gebildet wird, gehören Äpfel, Birnen,
Quitten, Mispeln und Hagebutten, zum Stein-
obst (echte Steinfrüchte) Pfirsiche, Nekta-
rinen, Aprikosen, Kirschen und Pflaumen
aller Art, wie Mirabellen, Reineclauden, Zwet-
schen, sowie aus wärmeren Klimaten Tahiti-
äpfel, Mangopflaumen, Abakatas, Datteln und
Oliven. Zum Beerenobst rechnet man die
echten Beeren: Weintrauben, Johannis-,
Stachel- und Moosbeeren, bei denen das
fleischige Fruchtgewebe (Perikarpium) die
Beere bildet, ferner die nur beerenähnlichen,
zusammengesetzten Früchte der Himbeeren,
Maulbeeren, Brombeeren und die Schein-
früchte der Erdbeeren und Feigen. Das
Schalenobst, dessen Schalen ungenießbar
sind, und von dem nur die Samen genossen
werden, umfaßt die Nüsse, Kastanien und
Mandeln. Als kapselartige Früchte sind
Bananen, Affenbrotbaumfrucht und die bei
uns mehr zu den Gemüsen gerechneten Me-
lonen, Wassermelonen und Gurken zu nennen.