﻿Obstkratst

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Ochsengalle

Einen großen Teil der genannten Früchte,
besonders Apfelsinen, Zitronen und Feigen
pflegt man im Handel auch als Südfrüchte
zu bezeichnen. — Wirtschaftlich spricht man
von Früh-, Spät-, Sommer- und Winter-,
Garten- und wildem O., ferner von Tafel-,
Wirtschafts- und Mostobst. —- Die hervor-
ragende Bedeutung des O. für die menschliche
Ernährung beruht weniger auf seinem Gehalt
an Nährstoffen, als vielmehr auf der gün-
stigen diätetischen Wirkung auf die Ver-
dauung und das allgemeine Wohlbefinden.
Abgesehen von dem Schalenobst sind die
Früchte durchweg sehr wasserreich. Neben
70—90°/o Wasser enthalten sie außer geringen
Mengen Zellulose vor allem Zucker, Pektin-
stoffe, etwas Eiweiß, Gummi und Schleim.
Von ausschlaggebender Bedeutung für den
Genußwert ist aber der Gehalt an freien und
gebundenen organischen Säuren (Äpfelsäure,
Weinsäure, Zitronensäure), an Mineralsalzen
und Aromastoffen. Das O. wird sowohl frisch
wie gekocht genossen und für längere Auf-
bewahrung in verschiedener Weise durch
Trocknen (Dörrobst), Einkochen mit Zucker
zubereitet, sowie zu Fruchtsäften, Geldes und
Marmeladen verarbeitet. — Zoll: Obst s. Tarif
Nr. 45/9. Obstmus Nr. 49. Südfrüchte Nr.
50/8. Frucht- und Pflanzensäfte Nr. 59/60.
Fruchtsäfte mit Zucker versetzt; Schachtelmus
(Marmelade); Fruchtsäfte äther- oder wein-
geisthaltig s. Tarif Nr. 213/14. Früchte in
Branntwein eingelegt; für den feineren Tafel-
genuß zubereitet; als Konserven Nr. 215/16.
219. Früchte verzuckert, kandiert Nr. 202.

Obstkraut (Apfel-, Birnenkraut) nennt
man die durch Eindicken von Obstsäften (be-
sonders Kernobst) ohne Zuckerzusatz bis zur
Sirupskonsistenz dargestellten Erzeugnisse,
welche besonders im Rheinlande in großen
Mengen fabriziert werden. Leider sollen
neuerdings zahlreiche derartige Produkte
durch Auskochen von Abfällen der ameri-
kanischen Ringäpfelindustrie (Kerngehäuse,
Schalen) und nachfolgendes Eindicken unter
Zusatz von Zucker und Stärkesirup hergestellt
werden. Es liegt auf der Hand, daß sie nur
als Kunstprodukte und unter Deklaration des
Zuckerzusatzes in den Verkehr gebracht wer-
den dürfen. Die Bezeichnung des O. als
Gelde ist nicht zulässig. — Zoll: S. Tarif
Nr. 213.

Obstwein und Beerenwein nennt man
alkoholische, weinähnliche Getränke, welche
statt aus Trauben aus dem Safte von Obst-
und Beerenfrüchten gewonnen werden. Zu
ihrer Herstellung werden die zerquetschten
oder gemahlenen Früchte ausgepreßt und
dann für sich oder nach Zusatz von Zucker-
wasser der Gärung überlassen. Direkt ver-
wendbar ist der Apfelmost, während der
Birnenmost meist infolge seines geringen
Säuregehaltes ein fade schmeckendes Getränk
liefert und daher meist mit Apfelmost ver-
schnitten wird. Im Gegensatz zu ihm ent-
halten die Beerenfrüchte meist zuviel Säure
und zu wenig Zucker und müssen daher einen
Zusatz von Wasser und Zucker erhalten. Die

Gärung läßt man entweder freiwillig oder mit
Weinhefe, am besten bei 15—20°, verlaufen
und füllt nach beendeter Hauptgärung und
dem Absatz der Hefe auf geschwefelte Fässer
ab, damit hier noch eine Nachgärung erfolgt.
Zur völligen Klärung, die übrigens meist von
selbst eintritt, kann noch eine Schönung mit
Milch oder Hausenblase erfolgen. Die trink-
fertigen O. sind meist alkoholarm, besitzen
aber sonst die Zusammensetzung der Trauben-
weine, abgesehen von dem Vorwiegen der
Äpfel- und Zitronensäure an Stelle der Wein-
säure. Von den O. spielt der Apfelwein, der
besonders in der Frankfurter Gegend, aber
auch am Rhein, in Franken, Thüringen,
Sachsen und der Schweiz erzeugt wird, die
Hauptrolle. Unter den Beerenweinen sind
Heidelbeer-, Johannisbeer- u. Stachel-
beerwein die wichtigsten. Die O. finden als
angenehme, alkoholarme Getränke vielfach
Anwendung. Zu beachten ist, daß sie den
für weinähnliche Getränke erlassenen Bestim-
mungen des Weingesetzes unterliegen (s. Wein)
und daher u. a. weder Teerfarben oder Salizyl-
säure noch Stärkesirup enthalten dürfen. —
Zoll: S. Tarif Nr. 185.

Ocker (Ocher, frz. Ocre, engl. Ochre)
nennt man lockere, abfärbende tonige
Erden, die durch mehr oder weniger Eisen-
oxyd verschieden gefärbt sind, und deren
Farben von hellgelb, bräunlichgelb, zuweilen
hoch- oder goldgelb bis zu gedämpftem Rot
variieren. Derartige Mineralien, die aus ver-
witterten eisenhaltigen Gesteinen hervorge-
gangen sind, werden an vielen Örtlichkeiten
und oft in großer Anhäufung, namentlich
in der Nähe von Eisenlagern gefunden und
teils im natürlichen Zustande, teils geschlämmt
und präpariert in den Handel gebracht. Die
O. bilden wohlfeile Farbkörper zu Anstrichen
auf Mauern, welche sich zu Öl- und zu Leim-
farben verwenden lassen. Zur Ölfarbe soll man
kalkhaltige, gutdeckende Sorten nehmen, wäh-
rend die tonerdereichen sich mehr für die
Wassermalerei eignen. Man unterscheidet
gewöhnlich: Gelb (Gelberde), Gold-,
Orange- und Ölocker, und als teuersten
den hochgelben Satinocker (Satinober), zu
welchem auch die französischen Sorten ge-
hören. Die natürlichen hellen O. lassen sich
durch stärkeres oder gelinderes Glühen in
dunklere Nuancen von Rot und Braunrot
überführen und heißen dann gebrannter O.,
kommen auch wohl unter besonderen Namen,
wie Hausrot, Berlinerrot, Nürnberger-
rot, Preußischrot in den Handel. Hierzu
rechnet man in der Regel auch das Eisen-
rot oder den Colcothar (s. d.). Der feinste
gebrannte O. ist die Sienaerde, die auch'
zur Kunstmalerei dient. Zwischen Bolus und
O. besteht kein wesentlicher Unterschied, nur
sind die letzteren mehr erdig locker, da ihr
Ton nicht so fett, sondern durch Kalk
mergelig ist. — Zoll: S. Tarif Nr, 224. 329-

Ochsengalle (Rindsgalle, lat. Fel tauri,
frz. Fiel de boeuf, engl. Ox gall), der Inhalt
der Gallenblase von Rindern, findet im
gereinigten Zustande mehrfache technische