﻿Okubawachs

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Ölfarben

wie medizinische Verwendung. Die Reinigung
der rohen Gallenflüssigkeit erfolgt durch Er-
hitzen bis zum Aufkochen und Abfiltrieren
von den geronnenen Teilen. Der Stoff hat
dann noch seine grünliche Farbe, kann aber
mit Knochenkohle und anderen Klärmitteln
entfärbt werden. Die Galle ist eine sehr kom-
pliziert zusammengesetzte Substanz und ent-
hält, neben den Natronverbindungen der Gly-
kocholsäure und Taurocholsäure, Cholesterin,
Cholin (Neurin), Lezithin, Taurin und Farb-
stoffe. Die O. wird vielfach für sich wie als
Bestandteil von Seife (Fleckseife) zum Aus-
machen von Flecken aus Stoffen, die durch
weniger milde Mittel leiden würden, ge-
braucht. Bei der Miniaturmalerei auf Elfenbein
bewirkt sie das Anhaften der Farben und
bei der Herstellung von Marmorpapier
(türkischer Marmor), sowie geaderter Bücher-
schnitte die Entstehung aderförmiger Gebilde.
— Medizinisch wird gereinigte Galle
gegen Magen-, Leber- und Milzleiden ver-
ordnet. Sie wird in den Apotheken eingedickt
(lat. Fel tauri inspissatum, frz. Extrait de
fiel de boeuf, engl. Purified ox gall), als
eine zähe pechartige dunkle Masse, wie auch
als ein trockenes gelbliches Pulver, erhalten
durch Ausziehen der Galle mit Weingeist,
Entfärben mit Knochenkohle und Abdunsten
des Lösungsmittels vorrätig gehalten. Die
letzte Form bildet das gallensaure Natron
(lat. Natrium chole'inicum). — Zollfrei.

Okubawachs, eine Art Pflanzenwachs,
das im deutschen Handel nur selten anzu-
treffen ist, wird aus den Früchten mehrerer
am Amazonenstrome in Brasilien wachsender
Bäume der Gattung Myristica, namentlich
von Myristica Ocuba, sowie von M. se-
bifera und M. officinalis gewonnen. Die
Früchte liefern ungefähr 18°/o Wachs, welches
sich beim Auskochen der zerkleinerten
Früchte mit Wasser an der Oberfläche an-
sammelt. O. ist weicher als Bienenwachs,
ln kaltem Alkohol unlöslich, völlig löslich in
siedendem Alkohol und in Äther. Es schmilzt
bei 36,5°. Das spez. Gew. beträgt 0,918. In
Brasilien wird das O. zur Kerzenbereitung
verwendet. — Zoll: S. Tarif Nr. 73. 247.

Öle, fette (lat. Oleum, frz. Huile, engl. Oil).
Mit dem Namen Öl belegt man im allgemeinen
alle Flüssigkeiten, die sich schlüpfrig an-
fühlen und mit Wasser nicht mischen, aber
es ist selbstverständlich, daß diese Eigen-
schaften Körpern von sehr verschiedener
chemischer Zusammensetzung zukommen kön-
nen. Ein äußerliches Unterscheidungsmerk-
mal bietet das Verhalten beim Erwärmen,
und man faßt hiernach diejenigen, welche
nicht unzersetzt flüchtig sind und auf Papier
einen bleibenden Fleck erzeugen, unter dem
Namen fette öle zusammen, während die
flüchtigen, aromatisch riechenden Ö., welche
auf Papier einen verschwindenden Fleck her-
vorrufen, als ätherische ö. bezeichnet wer-
den. Zwischen beiden stehen die z. T. schwer-
flüchtigen Mineralöle. Da die beiden letz-
teren in besonderen Artikeln behandelt sind,
bleiben hier nur die fetten ö. im allgemeinen
Morck’s Warenlexikon. 5. Aufl.

zu besprechen. Die fetten ö. (lat. Olea
pinguia, frz. Pluiles, engl. Oils), welche
hauptsächlich dem Pflanzenreiche, seltener
dem Tierreiche (Trane) entstammen, sind
echte Fette (s. d.), d. h. Glyzeride von Fett-
säuren und nehmen nur insofern eine gewisse
Sonderstellung ein, als sie bei gewöhnlicher
Temperatur flüssig sind. Ebenso wie sie
selbst aber beim Abkühlen erstarren, gehen
die festen Fette beim Erwärmen in den flüs-
sigen Aggregatszustand über. In chemischer
Flinsicht teilt man sie meist in trocknende
und nichttrocknende ö. ein. Die ersteren,
welche, in dünner Schicht der Luft ausge-
setzt, trocken und hart werden, bestehen
hauptsächlich aus Glyzeriden der Linol- und
Linolensäure und werden zur Herstellung von
Firnissen benutzt. Zu ihnen gehören das
Lein-, Hanf-, Mohn- und Nußöl. Die nicht-
trocknenden Öle, welche durch den Einfluß
der Luft zwar verdickt werden, aber schmierig
bleiben, bestehen vorwiegend aus Olein und
geben zum Unterschiede von den vorigen
die Elaidinreaktion. Die meisten Pflanzen-
öle finden sich in dem Samen, seltener, wie
Oliven- und Palmöl, im Fruchtfleisch. Zu
ihrer Gewinnung werden die Samen bei ge-
wöhnlicher oder erhöhter Temperatur ge-
schlagen oder gepreßt, neuerdings auch viel-
fach mit Schwefelkohlenstoff, Benzin oder
Tetrachlorkohlenstoff extrahiert. Meist wird
erst kalt gepreßt, wobei ein reineres, helleres
und wohlschmeckenderes öl abläuft, und der
Rest von geringwertigerem Öl durch heißes
Pressen gewonnen. Gewisse Früchte und Sa-
men mit dickflüssigen Ö. (Pflanzenbutter),
ferner tierische Stoffe (Klauenfett, Knochen-
fett, Tran) werden mit Wasser ausgekocht.
Alle frisch gepreßten Ö. enthalten viele trü-
bende Schleimteile und werden erst nach
längerem Lagern klar, während die extra-
hierten Fette gleich klar sind. — Zoll: Für
fette Ö. s. Tarif Nr. 166/7.

Ölbaumholz (Olivenholz), das Holz des
Ölbaums, Olea europaea, ein sehr dichtes
und festes, fast strukturlos erscheinendes
Nutzholz, besitzt eine gelbliche Farbe, er-
scheint im Kern braun gewässert und ge-
flammt und ist dem Wurmstich und der Fäul-
nis nicht unterworfen. Es nimmt eine sehr
schöne Politur an und ist daher für die
Drechslerei und Kunsttischlerei sehr gesucht.
— Zoll: S. Tarif Nr. 74 ff. 615 ff.

Ölfarben. Zum Verarbeiten fertige Öl-
farben werden sowohl für Künstler als auch
zu gewöhnlichen Firnis- und Lackanstrichen
auf Holz und Metall in den Handel gebracht.
Die feinen Ö. werden zuweilen noch in Tier-
blase zu kleinen Beuteln eingebunden, welche
beim Gebrauch mit einer Nadel angestochen,
werden und durch das kleine Loch für den
jeweiligen Bedarf Ö. austreten lassen. Zweck-
mäßiger aber sind kleine zusammendrückbare
Hülsen von Zinnfolie, sog. Zinntuben, aus deren;
Halsöffnung die Farbe hinausgedrückt wird.
Beim Nichtgebrauch wird diese Öffnung durch
ein Schraubendeckelchen geschlossen. — Für
Anstreicher sind alle gebräuchlichen Erd- und

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