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Opium

Opium

Qualität aus dem Mohn gewonnen werden,
allein die Erzeugungskosten sind infolge der
teuren Arbeitskräfte und der geringeren Aus-
beute zu hoch. Nach der Herkunft unter-
scheidet man gegenwärtig in der Hauptsache
folgende 4 Sorten: 1. Das Kleinasiatische
oder türkische O., welches die für den
europäischen Handel wichtigste und zum offi-
zinellen Gebrauch allein zulässige Sorte dar-
stellt. Es wird fast im ganzen Lande von
den Bauern gewonnen. Die größte Menge des
O. wird von den nordwestlichen Bezirken,
Karahissar, Sahib und Geiwa nach Konstan-
tinopel gebracht, während ein anderer Teil
aus den südlichen Gegenden, Uschak, Isbarta
und Buldur, nach Smyrna geht. DieEinsamm-
lung des Mohnsaftes ist im wesentlichen
überall dieselbe. Man macht einige Tage
nach dem Abfallen der Blütenblätter, wenn
die graublaue Farbe der Kapseln anfängt in
Gelb überzugehen, mit feinen Schröpfmessern
einen oder mehrere wagerechte Schnitte in
die Kapseln, wobei man Sorge trägt, daß die
Schale nur geritzt, nicht durchgeschnitten
wird. Der Milchsaft tritt in mehreren Tropfen
aus dem Schnitt, bräunt sich bald und erhärtet.
Er wird nach 12—14 Stunden abgekratzt und
mittels hölzerner Keulen zu kleinen Kuchen
vereinigt, die in Mohnblätter geschlagen wer-
den. In Konstantinopel und Smyrna werden
die Brote umgeformt, von neuem in Mohn-
blätter verpackt und mit den Früchten einer
Rumexart bestreut, um das Zusammenkleben
zu verhüten. Das so behandelte O. verpackt
man in Kisten zu ungefähr 70—80 kg und
bringt es in den Handel. Schlechte, minder-
wertige Brote werden als Chikinti direkt an
Morphiumfabriken verkauft. Das kleinasia-
tische O. stellt kleine, rundliche, 300-—700 g
schwere Kuchen von brauner Farbe, scharf
bitterem Geschmack und stark narkotischem
Geruch dar. Unter dem Mikroskope zeigen
sich stets Reste der Epidermis der Frucht-
wand, sowie Mohnblätterfragmente, hingegen
fehlt Stärke vollständig. Die anfangs im In-
nern oft noch weichen Brote werden mit
der Zeit hart und spröde und lassen sich zu
einem lichtbraunen Pulver stoßen. In Wasser
und Alkohol löst sich das O. zu 2/3 bis 3/i
seines Gewichtes auf. 2. Das persische O.
von Papaver somniferum L. var. album
wird wie das kleinasiatische O. gewonnen,
nur werden die Kapseln meist senkrecht an-
geschnitten. Der noch halbflüssige Saft wird
in kupferne Pfannen gegossen und bis zur
Muskonsistenz eingedampft, hierauf auf Bret-
ter gestrichen und an der Sonne getrocknet.
Das fertige O. wird in niedrige Kegel von
180—300 g oder in flache Brote von 600 g
geformt, mit Feigen- und Weinlaub umhüllt
und in Bruchstücke der Mohnstengel ver-
packt. Auch in Form von Kugeln, welche
in Mohnblätter gehüllt werden, und von Stäb-
chen, die man mit Papier umwickelt, kommt
das persische O. in den Handel. Es wird
hauptsächlich im Westen und Südwesten des
Landes gewonnen, zwischen Kum und Ka-
schan, Schuschter und Schiras, Kerman und

Jesd. 3. Das indische O. ist fast ausschließ-
lich zum Export nach China bestimmt, und
stammt ebenfalls von Papaver somniferum
L. var. album. Es wird unter der Kontrolle
der englischen Regierung in großer Menge
in den Präsidentschaften Benares und Behar
von den einheimischen Bauern gewonnen.
Auch Nepal und Assam liefern O., wenn
schon in geringerer Menge. Man schneidet die
Köpfe des Mohn mit dem Naschtar, einem
mehrklingigen Instrument, an. Die Englän-
der verarbeiten das rohe, halbflüssige O.
dann weiter und formen es zu großen, runden
Bällen, welche 2,2 kg wiegen und für den
Versand mit einer dicken Hülle von Blüten-
blättern des Mohnes versehen werden. Die
Opiumgewinnung in Indien wurde von den
das Land erobernden Mohammedanern ein-
geführt. 4. Das chinesische O. kommt in
Form von in Papier gehüllten Ziegelsteinen
oder in kleinen Broten in den Handel. Erst
neuerdings gewinnt man in China O. zu
Genußzwecken, um den englischen Opium-
import aus Indien zu verdrängen, und gegen-
wärtig ist die Produktion gewaltig gestiegen.
Besonders der Süden von China liefert viel
O. — Von untergeordeter Bedeutung für die
Opiumproduktion sind: Mazedonien, wel-
ches immerhin im Jahre 1894 noch 79000 kg
O. exportierte, Bulgarien, in dem seit 1896
die Opiumgewinnung in größerem Umfange
betrieben wird, und Ägypten, das früher
ziemlich viel O. produzierte, jetzt aber nur
noch bei Assiout und Achmin geringe Mengen
erntet. Das mazedonische bzw. bulgarische
O. kommt in kleinen Broten und in mit Stan-
niol umkleideten Tafeln in den Handel, das
ägyptische in flachen Kuchen. Auch in
Deutschland, Österreich, England und Frank-
reich hat man wiederholt Versuche zur Ge-
winnung von O. gemacht und recht befrie-
digende Resultate erzielt. Im Württembergi-
schen z. B. hat man O. mit über 130/0 Mor-
phiumgehalt gewonnen, im französischen O.
bis zu 23% Morphium gefunden. Wenn trotz-
dem sämtliche Versuche als gescheitert an-
zusehen sind, so liegt das, wie schon erwähnt,
an den teuren Bodenpreisen und den hohen
Arbeitslöhnen. — Die wirksamen Stoffe des
O. sind sog. Pflanzenbasen oder Alka-
loide, welche außer Narkotin, das sich zum
größten Teil frei im O. findet, an Säuren und
zwar Mekonsäure, Schwefelsäure und Milch-
säure gebunden sind. Ferner enthält das O.
noch zwei indifferente Stoffe, das Melconin
und das Mekonoisin, und endlich eine An-
zahl anderer Substanzen wie Harze, Wachs,
Kautschuk, Gummi, Pektinstoffe und Salze.
Das wichtigste Alkaloid, der Wertmesser jedes
O., ist das Morphium. Nächst diesem haben
besonders die Alkaloide Kodein, Narzeln
und Narkotin, welche bei der Darstellung
des Morphiums aus O. mitgewonnen werden,
größere Bedeutung. Von den anderen Alka-
loiden, welche meist nur chemisches Interesse
haben, sind zu nennen Papaverin, The-
bain, Kryptopin, Pseudomorphin, Lau-
danin, Protopin und Kodamin. Der