﻿Opopanaxöl

Opium	341

durchschnittliche Gehalt des O. an wichtigeren
Bestandteilen beträgt: Morphin 10%, Nar-
kotin 6%, Papaverin 1%, Kodein 0,3%, Nar-
zein 0,2%, Thebain 0,15%, Mekonsäure 4%,
Milchsäure 1,25% und Mekonin 0,01%. Der
Gehalt an Morphium und Narkotin beträgt
beim kleinasiatischen O.: 1,68—16,61% Mor-
phin und 1,56—12,56% Narkotin, beim per-
sischen O.: 0,15—0,27% Morphin und 0,01
bis 6,8% Narkotin, beim indischen O.: 2,77
bis 3,8% Morphin und 3,33—4,23% Narkotin,
beim chinesischen O.: 4,32—11,27 % Morphin
und 1,97—6,61% Narkotin. — Das klein-
asiatische O. weist folgende Handelssorten
auf: Balorkesar in großen Broten mit reichem
Morphingehalt, Guövö in kleineren Broten,
als Apothekerware beliebt, Karahissar, von
Holland bevorzugt, Malatia in größeren Bro-
ten, aber mit geringerem Morphingehalt. Von
dem kleinasiatischen O. geht die Hälfte nach
China und Java, um Genußzwecken zu die-
nen, ein anderer Teil wird in den türkischen
Ländern ebenso benutzt, und der Rest findet
für medizinische Zwecke Verwendung. Die
Produktion an O. in Kleinasien betrug im
Jahre 1870 ungefähr 337500 kg, 1900 zirka
615 000 kg und 1904 zirka 900 000 kg. Bei
dem persischen O. unterscheidet man 3 Sor-
ten: Schirö, den dicken Milchsaft, wie er
aus den in die Samenkapseln gemachten Ein-
schnitten resultiert, Nim-schirö, den halb-
reinen Saft, der erhalten wird, wenn man
beim Abkratzen des Milchsaftes einen Teil
der Oberhaut der Kapsel mitentfernt, und
Purö, der fast die ganze Oberhaut der Kapsel
enthält. Die Produktion an O. in Persien
betrug 1876 ungefähr 136000 kg, 1895 zirka
360000 kg. Die Hälfte davon geht nach
China, ein großer Teil wird in Persien selbst
gebraucht, und der Rest gelangt nach Europa,
um auf Morphium verarbeitet zu werden.
Das indische O. wird nur zum kleinsten
Teil in Indien selbst verbraucht (Akbari-Opi-
um), der weitaus größte Teil, aus der engli-
schen Residentschaft Bengalen (Paknao) und
den halb unabhängigen Gebieten Penjab,
Rajputona und Malwa (Malwa-Opium), geht
nach China. Die jährliche Produktion in Ben-
galen betrug 1875: 55848, 1879: 55 591 und
1881: 54291 Pikuls ä 60,13 kg. Der Import
von Malwa-Opium betrug 1878: 71492 Pi-
kuls. Kalkutta ist der Hauptstapelplatz für
indisches O. Das chinesische O. wird im
Lande selbst verbraucht oder in Länder ex-
portiert, wo sich Chinesen aufhalten, wie
Kalifornien und Australien. 1870 betrug die
Produktion an O. in China 2 Millionen kg,
1895 bereits 13 Millionen kg. — Das O. wird
nicht selten verfälscht. Zur Vermehrung des
Gewichtes werden Bleikugeln, Schrotkörner
oder kleine Steine in die Brote hineinge-
knetet. Auch Sand, Ton, Gips und Bolus
dienen als Verfälschungsmittel, man findet
sie durch die Aschenbestimmung. Ferner
kommt mit Harz, Wachs, Lakritzen- und
Traubensaft verfälschtes O. im Handel vor.
Schließlich wird dem kleinasiatischen O.
öfters Stärkemehl zugesetzt. Dieses läßt sich

nur schwer durch das Mikroskop nach-
weisen. Zu hohen Wassergehalt ermittelt man
durch das Trocknen dünner Scheiben, welche
durch Schnitte mitten durch die Brote er-
halten werden. Ein gutes O. darf kaum mehr
als 16—18% Wasser enthalten. Das D.A.B.
verlangt ein vollständig stärkemehlfreies O.
Dieses soll, bei 50—60° vorgetrocknet und
gepulvert, nicht mehr als 8% Wasser ent-
halten und muß einen Morphiumgehalt von
10—12% besitzen. — Das O. ist ein stark
narkotisches, in größeren Mengen tödlich wir-
kendes Gift. In kleineren Gaben findet es als
beruhigendes, krampfstillendes und stopfendes
Mittel ausgedehnte Verwendung. In den Apo-
theken werden aus dem O. verschiedene Ex-
trakte, Tinkturen und zusammengesetzte
Mittel bereitet, welche man mit dem Ge-
samtnamen Opiate bezeichnet. Die aus dem
O. hergestellten Alkaloide, wie Morphium,
Kodein, Narkotin, wirken bedeutend stärker
als das O. und werden deshalb in viel klei-
neren Dosen verordnet. Gegenwärtig hat der
Verbrauch des O. als Arzneimittel etwas nach-
gelassen zugunsten der aus ihm dargestellten
Alkaloide. Die weitaus größte V erwendung
findet das O. als narkotisches Genußmittel.
Sehr verbreitet ist das Rauchen von O. aus
besonders konstruierten Pfeifen in China, so-
wie auch in Persien. In China beträgt der
Opiumverbrauch pro Kopf und Jahr 47 g,
in Frankreich dagegen nur 0,15 g, in Deutsch-
land 0,22 g. — O. ist vorsichtig aufzube-
wahren, am besten in Holzkästen. — Zollfrei.

Opodeldok (lat. Linimentum saponato-cam-
phoratum), ein pharmazeutisches Präparat,
das zu Einreibungen verwendet wird und
eine durchscheinende Gallertmasse bildet,
besteht aus einer alkoholischen Lösung neu-
traler Seife, die mit Kampfer, Ammoniak und
ätherischen Ölen versetzt ist. — Zoll: 40 M.

Opopanax (Panaxgummi, lat. Gummi
opopanax, frz. und engl. Opopanax), ein
Gummiharz, besteht aus dem getrockneten
Milchsaft der fleischigen Wurzel einer Art
Pastinake (Pastinaca Opopanax, O.
chironium), die in Südeuropa und Klein-
asien wächst. Wie ähnliche Drogen kommt
es in zwei Sorten, einer besseren, in Tropfen
oder Körnern, von der Größe einer Erbse bis
zu einer Nuß, und einer unreineren, in Massen
oder Kuchen vor. Die Ware sieht außen
braun, innen gelblich aus, ist zerbrechlich,
riecht wie Liebstöckelwurzel und schmeckt
ebenso, dabei scharf und widrig. Sie wird,
jedoch nur selten, zu Pflastern angewendet. —
Denselben Namen führt auch ein spirituöses,
von England und Frankreich aus in den
Handel kommendes Taschentuchparfüm.
— Zoll: Opopanax-Gummiharz ist zollfrei.
Opppanax als Parfüm: 300 M.

Opopanaxöl, ein im Opopanax zu 6,5%
enthaltenes ätherisches Öl, wird durch De-
stillation mit Wasserdampf gewonnen. Es
hat eine gelbe Farbe und riecht wie Butter-
säurekapryläther und Kapronsäurekapryl-
äther. — Zoll: 30 M.