﻿Opossumfelle

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Organsinseide

Opossumfelle. Das Opossum (Didel-
phys virginiana) ist ein zu den Beutel-
ratten gehöriges Tier, das im südlichen
Nordamerika (Virginien, Ohio, Arkansas) lebt
und ein langes, schlichtes, graues Haar, mit
weißlichem Flaumhaar darunter besitzt. Die
Felle werden den deutschen Mardern und
Iltissen ähnlich gefärbt und bilden eine wohl-
feile Handelsware, ungefähr zum Preise von
1/2 bis 3 M. das Stück. Man gebraucht sie
zu Unterfuttern und zu allerlei Galanterie-
artikeln. — Zoll: S. Tarif Nr. 155. 563 ff.

Orange ist ein Sammelname für eine große
Anzahl verschiedener Teerfarbstoffe, die
zum Teil auch noch andere Bezeichnungen
führen und durch Nummern und Buchstaben
unterschieden werden. Orange I ist Tro-
päolin 000 Nr. 1 (s. d.). Orange II, Gold-
orange, ist Tropäolin 000 Nr. 2. Orange

III	ist Tropäolin D, Helianthin. Orange

IV	(Orange M, Orange GS, Diphenyl-
orange) ist Säuregelb D (s. d.). Orange
G (Orangegelb), das Natronsalz der Ani-
linazobetanaphtoldisulfosäure, bildet ein gelb-
rotes, in Wasser lösliches Pulver. Orange
GT besteht aus dem Natronsalze der To-
luidinazobetanaphtolmonosulfosäure und ist
ein scharlachrotes, in Wasser mit orange-
gelber Farbe lösliches Pulver. Orange M N
ist Metanilgelb (s. d.). Orange N ist
Kurkumein (s. d.). Orange R ist ein
Azofarbstoff und besteht aus dem Natron-
salze des Xylidinsulfosäureazobetanaphthols.
Man erhält es als feurigrotes Pulver, welches
Wolle in sauerem Bade orangerot färbt.
Orange T ist Mandarin G R, Orange-
gelb, Orange G. und endlich Orangerot I
Doppelbrillantscharlach. — Zollfrei.

Orangen sind die Früchte der immergrünen
Gewächse aus der Gattung Citrus L., zu
welchen die Apfelsinen, die Pomeranzen, die
Zitronen, die Limonen und Limetten gehören.
— Zoll: Frische O. s. Tarif Nr. 51/54. 58.

Orangenblüten (Pomeranzenblüten,
lat. Flores aurantiorum s. Flores naphae, frz.
Fleurs d’orange, engl. Orange flowers) bilden
nicht nur im frischen Zustande, sondern
auch getrocknet und eingesalzen, zur
Darstellung von Orangenblütenwasser
und -öl, einen Handelsartikel. — Die besten,
am feinsten riechenden O. kommen nicht,
wie man häufig angegeben findet, vom ge-
wöhnlichen süßen Orangenbaum (Citrus
aurantium Risso), sondern vom bitteren
Pomeranzenbaum (Citrus Bigaradia
Risso) und sind von den ersteren leicht zu
unterscheiden. — Die Bigaradblüte hat 30
bis 34 Staubfäden und einen 12—14 fächerigen
Fruchtknoten, während die Blüten von C. au-
rantium nur 20—22 Staubfäden und einen
9—11 fächerigen Fruchtknoten besitzen. Der
Kelch ist ferner bei ersterer fünfeckig, bei
letzteren oval. Im frischen Zustande haben
die Blüten eine fleischige, weiße Blumen-
krone, die im getrockneten Zustande dünn,
pergamentartig und schmutziggelb ist. Man
benutzt die O. zu Parfümeriezwecken, sowie
auch als Tee. Die Gegenden um Nizza,

Grasse, Cannes kommen für den Anbau der
O. hauptsächlich in Frage. — Zollfrei.

Orangenb'ütenöl (Pomeranzenblüten*
öl, Neroliöl, lat. Oleum aurantiorum florum
s. Oleum naphae, frz. Essence de Nöroli, engl.
Oil of Neroli), ein äußerst fein und lieblich
riechendes, ätherisches Öl, wird aus den
frischen Blüten der Orangenbäume durch
Destillation mit Wasserdampf gewonnen. Es
erscheint frisch bereitet fast farblos, wird aber
nach und nach bräunlichrot, ist dünnflüssig,
rechtsdrehend und in starkem Weingeist klar
löslich. Das spez. Gew. beträgt 0,870—0,900.
Bei längerem Stehen scheidet sich ein weißes
kristallinisches Stearopten aus (Neroli-
kampfer). Außerdem enthält das Öl Li-
monen, Linalool, Linaloolazetat, Geraniol und
als Träger des charakteristischen Aromas
Anthranilsäuremethylester. Zusätze der be-
liebtesten Verfälschungsmittel Bergamott- und
Petitgrainöl sind nur in großen Mengen nach-
zuweisen. Das beste Öl stammt von den
Blüten des bitteren Pomeranzenbaums (vgl.
Orangenblüten) und wird daher als Bigarad-
öl bezeichnet. Je nachdem man zu seiner
Bereitung nur die weißen Blütenblätter oder
die ganzen Blüten mit den Kelchen benutzt,
unterscheidet man wieder zwei Qualitäten,
das Nerolipetalöl, frz. Essence de Nöroli
de pctales de fleurs d’oranges bigar. und die
zweite Sorte Essence de Neroli bigarades des
fleurs. Das vom süßen Pomeranzenbaume
stammende Neroli-Portugalöl, frz. Essence de
Ndroli, Essence de fleurs d’oranges Portugal,
riecht viel weniger fein. Orangenblütenöle
sind ziemlich hoch im Preise, da die Blüten
nur geringe Ausbeute geben. — Als Neben-
produkt bei der Darstellung dieser Öle er-
hält man das Orangenblütenwasser (lat.
Aqua florum Aurantiorum s. Aqua naphae,
frz. Eau destillde de fleurs d’oranges, engl.
Orange flower water), welches ebenfalls den
Geruch des Öles, jedoch in viel schwächerem
Grade besitzt. Während das Öl zu Parfümerie-
zwecken, namentlich bei Bereitung von Eau
de Cologne Verwendung findet, wird das
Wasser mehr von Konditoren und als Arznei-
mittelzusatz benutzt. — Zoll: Orangenblütenöl :
30 M. Orangenblütenwasser s. Tarif Nr. 357.

Organdis (frz. Organdie, engl. Book muslin,
Book) sind lockere feine und glatte Baum-
wollgewebe, weiß oder auch gefärbt, aus
Garn Nr. 100—150, etwas dichter als Mus-
selin, aber ebenso fein im Faden und etwas
steifer appretiert. Der Stoff kam früher aus
Ostindien, wird aber schon längst in allen
europäischen Musselinwebereien schön ge-
fertigt und dient meistens zu Unterfutter für
Frauenkleider. — Zoll: S. Tarif Nr. 445/69.

Organsinseide (Kettenseide, frz. Organ-
sin, engl. Organzine) nennt man die gezwirnte
aus den besten Kokons gewonnene Seide,
die in den Geweben die Kette, den Aufzug
bildet. Man unterscheidet zweifädige (o. ä
deux bouts) und dreifädige (o. ä troisbouts).
Jeder Faden besteht aus drei bis acht Kokon-
fäden (s. Art. Seide). — Zoll: S. Tarif Nr. 391 ff.