﻿Orseilleersatz

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Oxalsäure

Farbstoffen benutzt, besonders zum Grun-
dieren für Alizarin und Indigo. Die Haupt-
verwendung beruht aber auf der Herstellung
brauner Nuancen, sog. Modefarben, Gre-
nade, Cerise und Olive auf Wolle, für Färberei
wie für Druck. Diese Farben sind echt, weit
haltbarer als die durch Farbhölzer erzeugten,
und können durch Zusatz von Aloefarbstoffen
noch lichtbeständiger gemacht werden. Eine
besonders schöne und säurebeständige Abart
ist endlich noch der französische Purpur
(Pourpre frangais). Zu seiner Darstellung
wird das Flechtenpulver mit Ammoniak aus-
gezogen, die Lösung mit Salzsäure gefällt,
der Niederschlag wieder in Ammoniak gelöst,
und das Filtrat solange der Luft ausgesetzt,
bis es kirschrot geworden ist. Dann wird zur
Entfernung des Ammoniaks gekocht, die
Lösung bei 70—75° in großen flachen Ge-
fäßen sich selbst überlassen und mit Wein-
säure, Schwefelsäure oder Chlorkalzium ge-
fällt. Der in letzterem Falle entstehende
Farblack muß für den Gebrauch mit Schwefel-
säure oder Oxalsäure vom Kalk befreit und
in Lösung übergeführt werden. — Zollfrei.

Orseilleersatz (Naphtionrot), ein seit
1878 bekannter Teerfarbstoff, der Wolle
in sauerem Bade orseillerot färbt, kommt als
brauner, in Wasser löslicher Teig in den
Handel und besteht aus dem Natronsalze der
N itranilinazoalphanaphtylaminsulfosäure. •—
Zollfrei.

Orseillerot. Diesen Namen verdient eigent-
lich der Farbstoff der Orseille, man hat
ihn aber auch einem Teerfarbstoff gege-
ben, welcher aus dem Natronsalze der Amido-
azoxylolazobetanaphtholdisulfosäure besteht.
Das dunkelbraune, in Wasser lösliche Pulver
färbt Wolle orseillerot. — Zollfrei.

Orseillin (Orseillin B B, Orsellin), ein
1883 in den Handel gekommener Teerfarb-
stoff, wird durch Einwirkung von Betanaph-
thol auf Diazonaphthalinsulfosäure dargestellt
als ein braunes, in Wasser mit fuchsinroter
Farbe lösliches Pulver, welches Wolle orseille-
rot färbt. — Zollfrei.

Orthoform und Orthoform neu sind
zwei isomere Amidoxybenzoesäuremethylester,
welche als lokale Anästhetika beschränkte
Anwendung finden. Das weiße, in Wasser
schwer lösliche, Kristallpulver muß vor Licht
geschützt aufbewahrt werden. — Zollfrei.

Osageholz (Osagen-Orange), das Holz
der in Nordamerika heimischen Maclura
aurantiaca, ist fest, dabei elastisch und
von orangegelber bis brauner Farbe. Die
Indianer (Osagen) fertigen daraus ihre Bogen.
— Zoll: S. Tarif Nr. 74 ff. 615 ff.

Osmium, eines der Metalle der Platin-
gruppe, findet sich namentlich mit Iridium
zusammen als Osmiridium (Newjanskit)
in Form kleiner, silberweiß glänzender Körn-
chen. Zu seiner Isolierung schmilzt man die
Legierung mit Zink und behandelt mit Salz-
säure, worauf das O. als unlösliches Pulver
zurückbleibt. Es hat das spez. Gew. 22,280
und verwandelt sich beim Erhitzen an der
Luft in flüchtiges Osmiumtetroxyd. Das

Metall dient neuerdings zur Herstellung von
Glühfäden für die sog. Osmiumlampen. —
Zoll: S. die Anmerkung zu Unterabteilung
16 A des Tarifs.

Osmiumsäure (Osmiumtetroxyd, Über-
osmiumsäure, Überosmiumsäureanhy-
drid, lat. Acidum osmicum, frz. Acide os-
mique, engl. Osmic acid), eine der verschiedenen
Sauerstoffverbindungen des Osmiums, bildet
farblose, prismatische Kristalle von unerträg-
lich stechendem Geruch. Ihr Dampf greift die
Augen und Atmungswerkzeuge heftig an und
erzeugt auf der Haut einen schmerzenden
Ausschlag. Die Kristalle schmelzen bei 100°
und sublimieren bei wenig höherer Tempe-
ratur. Mit Wasser geben sie eine die Haut
schwarz färbende Lösung. Man muß die
O., gegen Licht und Staub geschützt, in sehr
gut verschlossenen Gefäßen aufbewahren. Sie
wird neuerdings medizinisch zur Zerstörung
von Geschwürswucherungen, sowie subkutan
gegen Neuralgie und Epilepsie verwendet,
und zwar in wässeriger Lösung, die man zur
Erhöhung der Haltbarkeit mit etwas Glyzerin
versetzt. Zu demselben Zwecke wird auch
das Kaliumosmat oder osmiumsaure
Kali (lat. Kalium osmicum), ein violettrotes,
kristallinisches, in Wasser lösliches Pulver
verwendet. ■— Zollfrei.

Osterluzeiwurzel (lat. Radix aristolochiae,
frz. Racine d’aristolochia, engl. Aristolochy
root), ein veralteter Artikel des Drogen-
handels, findet sich in vier Sorten: die hohle
O., Radix aristolochiae cavae, von Fumaria
bulbosa; die lange O., Radix aristolochiae
longae, aus dem südlichen Frankreich, von
Aristolochia longa; die runde O., Radix
aristolochiae rotundae, von Aristolochia
rotunda, ebenfalls aus dem südlichen Frank-
reich und die bohnenförmige O., Radix
aristolochiae fabaceae, von Corydalis fa-
bacea. Die Wurzeln, sowie die Wurzelknollen
werden medizinisch verwendet, namentlich in
der Tierheilkunde. ■— Zollfrei.

Otterfelle. Das Fell der gemeinen Fluß-
otter (Lutra vulgaris) ist im Oberhaar
graubraun, glatt, fein und dicht und im Som-
mer und Winter von gleicher Güte. Die
Länge des Felles beträgt 9—15 dm oder
etwas mehr, diejenige des Schweifes 3 dm
und darüber. Der Pelzhändler unterscheidet
nach der Güte ostindische, mexikanische,
spanische, französische, deutsche, russische,
dänische, schwedische, nordamerikanische, ka-
nadische, solche von den Pludsonsbailändern,
von Neuengland und Labrador. Die Labra-
dorsorte wird als die beste betrachtet. Das
sehr dichte Pelzwerk ist hellbraun bis bräun-
lichschwarz und dient zu Mützen und anderen
Pelzartikeln. — Noch wertvoller ist das Fell
der Seeotter (Lutra marina), mit äußerst
dichtem, kurzem (4 cm), samtartigem und
am ganzen Leibe gleichmäßigem Haar. Die
Farbe ist braunschwärzlich und durch einzelne
zierlich verteilte weiße Haarspitzen silber-
glänzend.— Zoll: S. Tarif Nr. 155. 563 ff.

Oxalsäure (Kleesäure, Sauerkleesäure,
Zuckersäure, lat. Acidum oxalicum, frz.