﻿Palmwachs

347

Päoniensamen

fabrikation muß das dunkelorangefarbige P.
erst gebleicht, und gereinigt werden. Zur
Abscheidung der Schleimstoffe erhält man
es längere Zeit im Schmelzen, wobei die
fremden Bestandteile sich absetzen. Das Blei-
chen geschieht entweder durch bloßes Er-
hitzen oder auf chemischem Wege. Im erste-
hen Falle erhitzt man das Fett 1—IV2 Stunde
■rn verdeckten Kessel mit lebhaftem Feuer
auf 210—220° C, dabei verkohlen die faseri-
gen, schleimigen und färbenden Bestandteile,
■während das Öl selbst nur geringe Verände-
rung erleidet. Es sieht dann infolge beige-
ruengter Kohlenteilchen zwar etwas schmutzig
aus, gibt aber eine schöne weiße Seife. Von
Praktikern wird zuweilen eine chemische
■Bleiche vorgezogen, wobei das Öl heiß mit
einer Mischung von gelöstem doppeltchrom-
saurem Kali und Salzsäure zusammengerührt
^|rd, doch kann auch schon durch anhaltende
Einwirkung von Luft auf das geschmolzene
B- eine Bleichung erreicht werden. P. wird
von den Eingeborenen als Speisefett, in Eu-
ropa zur Fabrikation von Seife und Kerzen
benutzt. — Das Palmkernöl wird erst in
Europa aus importierten Palmkernen durch
Extraktion oder Auspressen gewonnen. Es
lst dem Kokosfett nach Konsistenz, Farbe
Und chemischer Zusammensetzung völlig ana-
log und wird wie dieses in steigendem Maße
zur Herstellung von Kunstspeisefetten, Mar-
garine und leichtschäumenden Seifen verar-
beitet. Charakteristisch ist sein hoher Gehalt
an Glyzeriden der Laurinsäure, Kaprinsäure,
Kaprylsäure und Kapronsäure, welche seine
hohe Verseifungszahl bedingen. — Die Preß-
rückstände, Palmkernkuchen, sind ein
'vertvolles Futtermittel und wurden eine Zeit-
ung zum Verfälschen von Pfeffer viel benutzt.
~7 Zoll: P. und Palmkernöl s. Tarif Nr. 168
bis 171. Palmkerne und Preßkuchen zollfrei.

Palmwachs, ein Produkt der auf den Ge-
birgen Neugranadas wachsenden Wachs-
Palme, Ceroxylon andicola, gewinnt
Uran durch Abschaben von dem Stamme und
uer Unterseite der Blätter und Zusammen-
schmelzen zu einem Klumpen. Es ist ein
Gemenge von Plarz mit einem wachsartigen
Körper, besitzt eine gelblichweiße Farbe und
Jst dem Carnaubawachs sehr ähnlich. Von
letzterem unterscheidet es sich durch den
niedrigeren Schmelzpunkt von 72°. In Europa
erhält man meist Carnaubawachs für P., in
bem Produktionslande wird es, mit Talg ver-
mengt, als Kerzenmaterial verwendet. — Zoll:
s- Tarif Nr. 73. 247.

Palo-mabi (Palo amargo), ein in Nord-
amerika und Westindien gebräuchlicher Ar-
tikel des Drogenhandels, ist die Rinde von
Geanothus reclinatus (Colubrina recli-
Pata). Sie bildet zusammengerollte Zylinder
v°n 1 cm Durchmesser, ist außen bräunlich,
zahlreichen kleinen grauen, in axialer
Dichtung verlängerten Korkflecken, innen
Statt und ziemlich regelmäßig von schmutzig-
Selben Längsfurchen durchzogen. Die Rinde
Schmeckt anfangs rein bitter, dem Süßholz

ähnlich, und wird in Amerika medizinisch
verwendet. — Zollfrei.

Panamahüte, eine den Strohhüten ähn-
liche Kopfbedeckung, ausgezeichnet durch
Leichtigkeit, große Elastizität und Wider-
standsfähigkeit, so daß sie sich in jeder Art
zusammenwickeln und drücken lassen und
immer wieder die frühere Form annehmen,
werden aus den Blattfasern eines zu den
Pandaneen gehörigen Baumes, der Carlu-
dovica palmata, in Zentralamerika ver-
fertigt. Der hierbei entstehende Abfall dient
anstatt der Borsten zur Herstellung billiger
Scheuerbürsten. Zuweilen kommen auch un-
echte, weniger haltbare, aus anderen Fasern
gefertigte P. in den Handel. — Zoll: S. Tarif
Nr. 541/2.

Panamas sind halbwollene Modezeuge, die
mit dreifarbiger baumwollener Kette und dop-
peltem wollenem Einschuß gewebt werden,
so daß die Ware ein den geflochtenen
Panamahüten ähnliches Aussehen erhält. —
Zoll: S. Tarif Nr. 445 ff.

Paniermehl, welches in der Küche vielfach
zum Überziehen von Fleisch (Wiener Schnitzel)
zur Erzielung einer schönen Kruste benutzt
wird, besteht normaler Weise aus einem scharf
gerösteten pulverisierten Gebäck (Zwieback,
Semmel). Neuerdings werden unter dem
gleichen Namen vielfach künstlich mit Teer-
farben oder Orlean gefärbte Produkte in den
j Handel gebracht, die oft gar nicht einmal
gebacken sind, sondern lediglich aus Maisgries
bestehen. Bei derartigen Nachahmungen muß
zum mindesten eine Deklaration verlangt
werden.

Pankreatin, das wirksame Prinzip des Pan-
kreas, wird durch Ausziehen der Bauch-
speicheldrüse des Rindes mit Wasser und
Fällung der Lösung mit Alkohol als ein
trockenes Pulver, oder auch nach der Auf-
lösung in Glyzerin in flüssiger Form (Pan-
kreatinum liquidum) in den Handel gebracht.
Ein neueres, Pankreon genanntes Präparat
ist eine Verbindung mit Gerbsäure. Das P.
findet gegen Störungen der Darmtätigkeit
medizinische Anwendung. — Zollfrei.

Pannetier’s Grün, eine schön grüne Mine-
ralfarbe für Tapetendruck und Wandmalerei,
welche aus borsaurem Chromoxyd besteht,
wird als Ersatz für das giftige Schweinfurter
Grün empfohlen. — Zollfrei.

Päoniensamen (Pfingstrosensamen,
Gichtrosensamen, lat. Semen paeoniae,
frz. Semences de pivoine, engl. Paeony seeds),
ein veralteter, aber immer noch im Drogen-
handel vorkommender Artikel, sind die run-
den, glänzend schwarzen Samen der Paeo-
nia officinalis, einer Pflanze, die bei uns
vielfach in Gärten gezogen wird. P. haben
innen einen weißen, geruchlosen, süßen, öli-
gen Kern und werden von vielen Leuten den
Kindern als Kette umgehängt, in der irrigen
Meinung, ihnen das Zahnen dadurch zu er-
leichtern. — Die Wurzel derselben Pflanze
(Päonienwurzel, Gichtrosenwurzel, lat.
Radix paeoniae, frz. Racine de pivoine, engl.
Paeony root), welche früher als Epilepsie-