﻿Papaverin

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Papier

mittel verwendet wurde, besteht aus mehreren
aneinanderhängenden Knollen und ist außen
rotbraun, innen weiß. — Paeonienblüten
(Pfingstrosenblüten, lat. Flores paeoniae,
frz. Fleurs de pivoine, engl. Paeony flowers)
sind die Blüten von Paeonia officinalis,
dunkelrote Blumen von bitterlich schleimigem
Geschmack, die in frischem Zustande einen
widerlichen Geruch besitzen. Verwendet wer-
den die Blüten als Brusttee und zu Räucher-
spezies. — Sämtliche genannten Artikel sind
zollfrei.

Papaverin (lat. Papaverinum, frz. und engl.
Papaverin), eines der zahlreichen im Opium
enthaltenen Alkaloide, bildet weiße, geruch-
lose Kristallnadeln, die bei 147° C schmelzen
und in kaltem Wasser fast unlöslich sind, in
kochendem Alkohol dagegen sich reichlich
lösen. Mit Säuren bildet das P. meist gut
kristallisierbare Salze, von denen das sal-
petersaure P. sich durch seine Schwerlöslich-
keit auszeichnet. P. wird neuerdings medi-
zinisch verwendet. — Zollfrei.

Papayin (Vegetabilisches Pepsin, lat.
Papayotinum, frz. und engl. Papayotine), ein
neueres Arzneimittel, wird aus den grünen,
melonenähnlichen Früchten, den Blättern
und Schäften des Melonenbaumes, Ca-
rica Papaya, gewonnen. Der letztere ist in
Südamerika heimisch, wird aber in fast allen
Tropenländern kultiviert. Durch Einschnitte,
die man in die genannten Teile des palmen-
ähnlichen Baumes macht, bringt man dessen
Milchsaft zum Ausfließen, dampft nach dem
Filtrieren ein und fällt mit Alkohol. Der ent-
stehende Niederschlag wird von neuem in
Wasser gelöst, abermals mit Weingeist ge-
fällt und bei mäßiger Wärme getrocknet.
Er bildet ein amorphes, weißliches Pulver
von etwas herbem Geschmack und löst sich
in Wasser leicht zu einer beim Schütteln
schäumenden Flüssigkeit, welche sich beim
Kochen trübt, ohne jedoch zu koagulieren.
Das P. hat die Eigenschaft, feste Eiweiß-
stoffe, Fibrin und Fleisch, ähnlich dem Pep-
sin, zu lösen, also künstlich zu verdauen, und
zwar schon ohne Zusatz von Säure. Zur Prü-
fung des P. löst man 0,1 g desselben in 150 g
Wasser und fügt 10 g nicht zu hart ge-
kochtes, in linsengroße Stücke zerschnittenes
Eiweiß hinzu, letzteres muß sich innerhalb
4—6 Stunden bei einer Temperatur von 40° C
unter öfterem starken Schütteln zu einer
schwach opalisierenden Flüssigkeit vollstän-
dig auflösen. Man verordnet das P. bei Ver-
dauungsstörungen, ferner zur Beseitigung
diphtheritischer Membranen und gegen Wür-
mer bei Kindern. — Zollfrei.

Papier (frz. Papier, engl. Paper). Der Name
dieses ganz unentbehrlich gewordenen Han-
delsartikels ist dem Papyros der Alten ent-
lehnt. Richtiger würde die Bezeichnung
Karte (im Sanskrit und über ganz Indien
kartä, kirtas, qertas, lat.quarta, carta, ein vier-
eckiges Blatt) sein, welche die Italiener
und Griechen auch noch heute beibehalten
haben. Die alten Ägypter spalteten die
Stämme der Papyrosstaude und sonderten von

außen nach innen zu immer feiner werdende
Lagen des Gewebes ab. Die Streifen wurden
zuerst mit ihren Längsrändern aneinander
und dann lagenweise übereinander geklebt,
weil die Tafeln sich sonst gar zu leicht in
der Länge gespalten hätten. Ein unserem
heutigen P. ähnliches, d. h. durch Verfilzung
feiner Pflanzenfäserchen erzeugtes Produkt
wurde erst 123 v. Chr. von dem chinesischen
Mandarin Tsailün erfunden, nach dessen Ver-
fahren Algen, Baumwolle, Bambusmark und
Abfälle der Baumwollengewebe das Material
bildeten, bis spätere Jahrhunderte zur Ver-
wendung der Stroharten, des Bastes mehrerer
Baumarten und der Papierbaumschalen
(Broussonetia papyrifera) führten. Um 610
n. Chr. kam die Papiermacherei nach Korea
und dann nach Japan, wo der genannte Papier-
baum das Hauptmaterial liefert. Die Tataren
lernten die Kunst auf ihren kriegerischen Ein-
fällen in die Mongolei kennen, und im sieben-
ten Jahrhundert nach den Hauptstädten Mara-
kanda (Samarkand), Bokhara, Kaschghar
eingeführt, wurde sie durch die Araber zu
Anfang des achten Jahrhunderts nach Syrien,
Palästina, Arabien, Ägypten, Sizilien und
Spanien verpflanzt. Das Rohmaterial war
ausschließlich die rohe Baumwolle, während
in Hindostan bis Ceylon die Faser der Sonnen-
pflanze oder Sunhanf (Crotolaria juncea), in
Vorderindien die Tschut (Jute, Corchorus ca-
pularis), Pisang, Agave, in Tibet eine Wurzel-
rinde, in Siam und Anam die Fasern des
Pliu-Kloi (Trophis aspera) und Nessel (Boeh-
meria nivea) verwendet wurden. Die arabi-
schen und maurischen Papiermacher (warräk),
welche fast immer zugleich Gelehrte, Richter
und Schreiber (Kanzler) waren, hielten ihre
Kunst sehr geheim, so daß kein Fremder
davon Kenntnis erlangen konnte, bis die
Kreuzfahrer im dritten Kreuzzuge mit Hilfe
der Gewalt sich genau davon unterrichteten,
und gleichzeitig durch die Vertreibung der
Mauren aus Spanien das Papiermachen auch
dort in den Besitz christlicher Nachfolger
überging. — Der wichtigste Fortschritt der
Fabrikation bestand zunächst in dem Ersatz
der Baumwolle durch Leinenfasern, zu wel-
chem der immer fühlbarer gewordene Mangel
an baumwollenen Hadern, die geringe Halt-
barkeit des Baumwollenpapiers und der sich
vermehrende Papierbedarf zwangen, und
gleichzeitig die Einführung von Mühlen an
Stelle der Mörser und Stampfwerke. Es
folgte die Einführung sogenannter Doppel-
formen, welche mit Mechanismus’ geführt
wurden und die Arbeit des Schöpfers, Gaut-
schers und Legers wesentlich erleichterten,
und schließlich durch Robert die Erfindung
der Papiermaschine, welche durch Gamble,
Fourdrinier, John und Georg Dickin-
son, Leistenschneider, Bramah, De-
nisson und Keferstein zahlreiche Verände-
rungen und Verbesserungen erfuhr. — Die
Papierbereitung erfolgt entweder durch
Handarbeit (Hand- oder Büttenpapier-
fabrikation) oder überwiegend durch Ma-
schinen (Maschinenpapierfabrikation).