﻿Papier

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Papier

Die Handpapierfabrikation (Papiermanufak-
tur), die fast nur noch historisches Interesse
hat, zerfällt in folgende einzelne Arbeiten:
Sortieren (trier, delisser, sorting) der Hadem
in 20—30 verschiedene Arten, Reinigen
durch einen Stäuber (Wolf, frz. Blutoir, Loup,
piable, engl. Duster), Kochen mit Kalklauge
ui einem feststehenden oder rotierenden eiser-
nen Kessel, Auswaschen und Hälbstoff-
uiahlen in der Zylindermühle oder dem
Halbholländer (frz. Cylindre döfileur, engl.
Hag grinding engine), Bleichen des Halb-
stoffes (frz. Demi-päte, engl. Half-stuff) mit
Chlorgas oder Chlorkalklösung, Ganzstoff-
uiahlen in der Ganzstoffmühle oder dem
Ganzholländer (frz. Cylindre raffineur, engl.
Pulp finishing engine). Nicht unerwähnt
mag bleiben, daß man früher zur Erleich-
terung des Mahlens die Hadern faulen ließ,
Wodurch zugleich ein sehr geschmeidiges P.
erhalten wurde. Je nach der Bestimmung des
anzufertigenden P. wird nun der Ganzstoff
(frz. Bäte fine, engl. Stuff) beim Handpapier
uiit Harztonerde vorgeleimt und gefärbt, und
zwar werden die erforderlichen Farben teils
fertig zugesetzt (substantive Farben), teils
durch Niederschlag auf dem Stoff erzeugt
(adjektive Farben). Alsdann gelangt der
Brei in die Schöpfbütte (frz. Cuve, engl.
Stuff-vat), aus welcher der Schöpfgeselle
mit einer der Größe des P. entsprechenden
Form aus feinem Messingdrahtgewebe und
dem Rahmen (frz. Tamis, engl. Would) die
Fasern auffängt und durch Schütteln gleich-
mäßig verteilt. Der Gautscher, dem darauf
die Form auf einem Brett (Treteau, Trestle)
zugeschoben wird, drückt den nassen Papier-
bogen auf einem Filz (Feutre coucheur, Wert
feit), und zwar so lange, Bogen auf Filz
übereinander, bis bei gewöhnlichen Papier-
sorten 181 Bogen in 182 Filzen liegen. Der
ganze Stoß (Puscht oder Pauscht), daher „über
Pauscht und Bogen“, kommt dann unter die
Presse, durch welche das überflüssige Wasser
herausgedrückt wird .Die Arbeit des Legers
besteht darin, die Papierbogen von den Filzen
geschickt abzunehmen (nicht einzureißen oder
Blasen zu machen) und genau Bogen auf
Bogen zu legen (Umlegen, frz. Changer, Re-
lever, engl. Change, Turn), wobei drei Puschte
zu einem vereinigt und noch einmal auf
kurze Zeit gepreßt werden. Darauf folgt das
Aufhängen der Bogen zum Trocknen. Nach
hem Trocknen wird das Papier geschält, von
Knoten gereinigt und vom fehlerhaften Aus-
schuß (frz. Rötirö, engl. Worst part, Refuse)
geschieden. Die Leimung in Knochenleim-
fösung und Alaun (frz. Collage animal, engl.
Sizing) geschieht in der Weise, daß man
e>ne Handvoll Bogen zugleich in die Leim-
bütte taucht und dabei geschickt wendet, bis
ulle Stellen die Leimung annehmen. Nach
dem Leimen wird das P. wieder gepreßt,
wieder aufgehängt, nach dem Trocknen
nochmals gepreßt, geschält, sortiert, nötigen-
falls geglättet, beschnitten und endlich in
Lagen, Bücher, Riese und Ballen gezählt,
m Riese ausgebunden und gepackt. — Diese

mühsamen, zeitraubenden und von der Ge-
schicklichkeit der Arbeiter so sehr abhän-
gigen Prozeduren der Handpapiermacherei
werden in wesentlich einfacherer Weise von
den modernen Maschinen ausgeführt. Ihre
Grundlage bildet der Gedanke des Werkführers
Robert in Essonne, ein Metallsieb ohne
Ende als Form zu benutzen und dabei durch
seitliche Schüttelung während des Ganges
und dann durch Walzen mit Filztuch ohne
Ende unter Druck das Wasser aus dem fort-
laufend gebildeten Papierbogen (P. ohne
Ende, frz. Papier sans fin, engl. Endless
paper) möglichst zu entfernen. An Stelle
des Siebes ohne Ende benutzte Leisten-
schneider einen mit Metallgewebe über-
zogenen hohlen Zylinder (Trommel, frz.
Tambour, engl. Cylinder), welcher sich zu 2/s
in dem dünnen Papierbrei bewegt und zu
V3 oben frei zur Ansaugung des P. dient, von
wo dasselbe durch Filzwalzen abgenommen,
weitergeführt und durch Preßwalzen entwäs-
sert wird. Durch diese beiden Konstruktionen
war die Arbeit des Schöpfers, Gautschers,
Pressers und Legers in eine mechanische
Funktion zusammengefaßt, so daß für die
Handarbeit nur noch das Trocknen, Pressen
und Planieren übrig blieb. Schließlich fügte
Kefersteinin Weida einen Trocknungszylin-
der ein, der mit Dampf erhitzt wurde und das
darüber geführte P. trocknete, und damit war
die Papiermaschine vollendet. — Die bei der
Büttenmanufaktur mitgeteilten Operationen
vom Hadernsortieren bis zum gebleichten
Ganzstoff finden auch bei der Maschinen-
papierfabrikation in gleicher Weise statt, nur
erfolgt hier die Mischung der Fasern und
Zusätze in anderer Weise. Während nämlich
bei den Handpapieren die aus leinenen und
baumwollenen Hadern durch feine Zerteilung
gewonnenen Fasern fast das einzige Material
bilden, ist bei den Maschinenpapieren der
Zusatz von feinen mineralischen weißen Sub-
stanzen (namentlich Permanent weiß, Ton und
Gips) eingeführt worden, welche den Papier-
stoff teils weiß, teils schwer machen. Auch
wird der Holzstoff (frz. Päte de bois, engl.
Wood pulp), sowie Zellulose aus Stroh-, Holz-,
Jute- und Espartofaser in großen Massen
verwendet. Die Leimung der in geeigneter
Weise hergestellten Mischung erfolgt dann
in der Stoffmühle oder der Mischholländer-
mühle durch Zusatz von 3—4°/o alkalischer
Harzlösung und 3—4% Alaun oder 2—3%
schwefelsaurer Tonerde, worauf bei farbigen
Papieren die Färbung stattfindet. Der fertige,
geleimte und gefärbte Papierstoff wird aus
der Mischholländermühle in eine der
zwei Vorratsbütten jeder Papiermaschine ab-
gelassen und fließt von da mittels Rohr und
stellbarem Hahn in einen Schöpfapparat
(Danaide), welcher dem Stoffregulator (frz.
Regulateur de päte, engl. Regulator for stuff)
so viel zuführt, als das dünnere oder dickere

P.	auf dem Metallsiebe braucht. Der Stoff
gelangt dann auf eine breite, mit gerippten
Boden- oder Querleisten versehene Tafel, den
Sandfang (frz. Sablier, engl. Sand-catcher),