﻿Papiermache

350

Pappelholz

der zur Zurückhaltung des Sandes und aller
schweren Unreinigkeiten dient, und darnach
auf einen oder zwei, mit geschlitzten Messing-
platten belegten Kasten, den Knotenfänger
(frz. Epurateur, engl. Knotter, Strainer), der zur
Zurückhaltung der Zwirnknoten (Nähte) und
grob gebliebenen Fasern bestimmt ist. Von
da fließt der gereinigte Papierstoff auf ein
Metallgewebe von 1%—2 m Breite und 10
bis 15 m Länge ohne Ende, welches von
kleinen Walzen getragen und von großen
Walzen darunter gespannt wird. Durch seit-
liches Schüttelwerk, eine aufgelegte Ent-
wässerungswalze (frz. Rouleau Egoutteur,
engl. Dandy roll), Kaufmannsche Saug-
kasten und Säugpumpe (frz. Caisse und
Pompe aspirante, engl. Suction box und
Pump), durch die Gautschpresse (frz. Presse
coucheuse, engl. Couching roll) und die erste
und zweite Naßpresse (frz. Presse humide,
engl. Wet press) wird das Wasser auf mecha-
nischem Wege so viel als möglich entfernt.
Das Papierband passiert dann, durch Filze
getragen, vier bis zehn mit Dampf geheizte
Trocknungszylinder (frz. Cylindres s£-
cheurs, engl. Drying rollers), aus denen es
getrocknet auf Haspeln (frz. Devidoirs, engl.
Reels) zu Rollen sich aufwindet. Die letzteren
werden für sich verkauft oder auf einer
Schneidemaschine (frz. Coupeuse, engl. Cut-
ting machine) in Bogen geschnitten, mit einer
Satinier- oder Kalandermaschine (frz. Machine
ä satiner, Calandre, engl. Calender) geglättet
und in Ries verpackt. Zum Wiegen des P.
dienen eigene Papierwagen, welche das
Gewicht des Bogens im Ries zu 480, 500
und 1000 Bogen angeben. Die Dicke be-
stimmt man mit dem Pyknometer, die
Festigkeit mit dem Apparat von Wendler. —
Das sogen. Reißpapier (engl. Rice paper),
welches sowohl in China als auch bei uns
zur Blumenmalerei und zur Herstellung künst-
licher Blumen viel benutzt wird, ist kein
eigentliches Papier, sondern besteht aus dem
Marke und der Wurzel einer von den Chine-
sen „Reiß“ genannten Pflanze (Aeschynome
paludosa). Zur Darstellung dieser schnee-
weißen Blätter wird die noch feuchte Wurzel
mit eigentümlichen Messern spiralförmig nach
innen zu geschnitten, und das erhaltene zu-
sammenhängende Blatt noch feucht zwischen
Platten gepreßt. — Zoll: Papier s. Tarif
Nr. 653/8. 662/4. 667.

Papiermache (frz. Carton moulö, engl.
Paper machee, Japanned paper) nennt man
eine aus Papiermasse bestehende Substanz,
aus welcher die japanischen und chinesischen
Lackwaren (Teebretter, Rahmen, Dosen) her-
gestellt sind, und welche in anderer Form
auch bei uns neuerdings viel benutzt wird.
Zur Herstellung der ersten Art wird ange-
feuchtetes Papier mit einem aus Tischler-
leim und Weizenmehl gekochten Bindemittel
Blatt für Blatt über Formen gelegt, die zur
Verhinderung des Anklebens mit Öl bestrichen
sind. Nach dem Auflegen von je 3—4 Blät-
tern findet eine Trocknung statt. Sobald
die erforderliche Dicke erreicht ist, wird der

Gegenstand völlig getrocknet und lackiert.
Um bei den feinen Gegenständen einen glän-
zenden Lacküberzug zu erlangen, schleift man
sie, nach vollständiger Trocknung, mit Bims-
stein oder einem ähnlichen Material wieder-
holt sorgfältig ab. Die Japaner besitzen eine
ganz vorzügliche Lacksorte (aus Rhus vernici-
fera), die sie durch feinstes Papier filtrieren,
um den erdenklich feinsten Überzug zu be-
wirken. Das Lackieren wird vielfach auf
dem Wasser in Kähnen vorgenommen, um
den Zutritt von Staubteilen zu verhindern.
In Europa zerteilt man Papier durch sog.
Maschieren (Kauen) mit Hilfe von heißem
Wasser in eine faserige Masse, setzt Ton
oder Gips hinzu und füllt den Brei in Formen.
Die erhärteten Gegenstände (Puppenköpfe,
Tiere) werden mit Öl- oder Leimfarben grun-
diert und bemalt. Zur Nachahmung einer
Behaarung trägt man bisweilen feine Scher-
wolle auf den Leimüberzug auf. Als neueste
Erzeugnisse aus P. sind Eisenbahnräder,
Fässer, Eimer, Waschbecken, Körbe und
Teller zu erwähnen. Sie werden meist aus
Holzstoff oder Zellulose hergestellt und durch
mineralische Zusätze unverbrennlich gemacht.
— Zoll: S. Tarif Nr. 670; lackierte Tafeln
und Waren aus P. Nr. 672.

Pappe (frz. Carton, engl. Board, Cardboard,
Paste-board) sind verschieden dicke Platten aus
Papiermasse, welche nach den üblichen Ver-
fahren der Papierfabrikation hergestellt werden.
Man erhält sie entweder durch Schöpfen der
Bogen von der erforderlichen Dicke, ge-
schöpfte oder geformte Pappe, Bütten-
P., oder durch Zusammenpressen zahlreicher,
frisch geschöpfter Papierblätter, gekautschte
P. oder endlich durch Zusammenleimen fer-
tiger Papierblätter, geleimte P. Glanz-
pappen sind aus einem mit Kaolin oder
Schwerspat beschwerten und geleimten Papier-
stoff durch Pressen hergestellt. Nach der
Art der Verwendung unterscheidet man
Saugpappen zum Trocknen feuchter Stoffe
und Buchbinderpappen für Bücherein-
bände und Kästen. Die ersteren bestehen
aus Wollenhadernstoff, die letzteren meist
aus Makulatur und Holzstoff mit Mineralzu-
sätzen. — Dachpappe (Stein- oder Teer-
pappe) endlich wird aus einer mit Teer ge-
mischten Papiermasse von Makulatur, gerin-
gem Holzstoff, geringsten Hadern und
Kehricht hergestellt, mit Teer getränkt und
mit Sand bestreut. —• Asbestpappe ist aus
Asbest und Holzstoff hergestellte Pappe, die
zum Abdichten und Schützen vor Feuers-
gefahr vielfach verwendet wird. — ZolL
Pappen (Pappdeckel) Nr. 651/2. 657/8. Dach-
pappe Nr. 651. P. mit Gespinstwaren über-
zogen Nr. 659. Asbestpappe Nr. 705.

Pappelholz, das Holz der verschiedenen
Arten von Pappeln. 1. Das Holz der
Schwarzpappel, Populus nigra, ist sehr
weich, fast schwammig, hellfarbig und fasert
leicht beim Bearbeiten, ist aber dem Reißen
und Werfen wenig unterworfen. 2. Das Holz
der Silberpappel oder Weißpappel, Po-
pulus alba, ist ziemlich hellfarbig, zu-