﻿Pappelknospen

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Paraffin

weilen gelb geflammt und geadert, zäh, ziem-
lich spaltbar und sehr leicht, und wird zu
Drechsler- und Tischlerarbeiten benutzt.
3- Das Holz der Zitterpappel, Populus
tremula, ist häufig ins bräunliche spielend,
geadert und geflammt, zäh und dicht, ziem-
lich fest, gut spaltbar, wirft sich wenig und
läßt sich gut und glatt bearbeiten. Es dient
*u Schnitzereien und Tischlerarbeiten. 4. Das
Holz der italienischen P. oder Chaussee-
Pappel, Populus pyramidalis, ist hell-
gelblichweiß, weich, leicht, zäh und schwer-
spaltig, wirft sich nicht, bekommt keine Risse,
steht im Trockenen gut, aber weniger im
Nassen und wird zur Herstellung von Mo-
dellen, als Blindholz für Furnierarbeiten und
sum Wagenbau benutzt. 5. Das Holz der
kanadisch en Pappel, Populus canaden-
sis, ist ziemlich weiß, im Alter nach dem
Kern hin bräunlich und wie das Zitterpappel-
holz verwendbar. Die Ruten der italienischen
Pappel bilden ein gutes Material zu Flecht-
werk, Zäunen und Faschinen. — Zoll: S. Tarif
Nr. 74 ff. 615 ff.

Pappelknospen (lat. Gemmae populi, frz.
Bourgeons de peuplier, engl. Popler buds)
sind die spitzen kugelförmigen Knospen der
Schwarzpappel, Populus nigra. Sie sind
von bräunlichgelber Farbe, bestehen aus dach-
ziegelartig aufeinanderliegenden Schuppen,
welche die eigentliche Knospe einschließen,
und sind außen mit einem aromatischen kleb-
rigen Harz bedeckt. Als Bestandteile sind
äther. öl, Harz, Gerbstoff und Wachs anzu-
führen. P. werden im Frühling gesammelt
und finden Verwendung zur Herstellung der
Pappelsalbe (lat. Unguentum populi),
die man bereitet, indem man Schweine-
schmalz mit P. mäßig erwärmt. Pappelsalbe
dient medizinisch bei Verbrennungen und als
haarwuchsbeförderndes Mittel. — Pappel-
knospen sind zollfrei. Pappelsalbe als Arznei-
ware: 40 M. P. als kosmetisches Mittel:
S. Tarif Nr. 355.

Pappelknospenöl (lat. Oleum gemmae po-
puli), das ätherische öl aus den Knospen der
gewöhnlichen italienischen Pappeln, ist hell-
gelb und von angenehmem Geruch, hat ein
spez. Gew. von 0,900 und siedet fast konstant
zwischen 255 und 265° C. Die getrockneten
Knospen liefern ungefähr 0,5°/o Öl. — Zoll:
S. Tarif Nr. 353.

Paprika (Spanischer oder Türkischer
Pfeffer, lat. Fructus capsici annui seu Piper
hispanicum, frz. Poivre rouge, engl. Red pep-
Per) nennt man die rotgelben bis dunkel-
roten Früchte der langen Beißbeere (Capsi-
cum annuum), welche die Form einer 6
his 10 cm langen und 2,5—3 cm dicken Schote
besitzen. Die aus Spanien, Italien, vor allem
aber aus Südungarn eingeführte Frucht
kommt sowohl in ganzem wie in gemahlenem
Zustande in den Handel. Sie enthält als wert-
bestimmenden Bestandteil etwa 0,01% eines
scharfschmeckenden Stoffes, Kapsaizin, wel-
ches sich jedoch nur in gewissen Drüsen der
Fruchtscheidewand (Placenta) vorfindet. Als
Gewürz findet nur die ganze gemahlene

Frucht Anwendung, während ein neuerdings
als Zusatz zu Hackfleisch angepriesenes Pro-
dukt, welches unter Beseitigung der Placenta
hergestellt worden ist, völlig geschmacklos
erscheint und daher zu den im Fleischbeschau-
gesetz verbotenen Farbstoffen zu rechnen ist.
In gepulvertem Zustande ist P. Verfälschun-
gen in hohem Grade ausgesetzt. Zusätze von
Mehl, Kleie, Sandelholz, Ziegelmehl, Ocker
und anderen Mineralstoffen und künstliche
Färbung sind beobachtet worden, ja selbst
mit Alkohol völlig extrahierte Proben kom-
men im Handel vor. Diese Extraktion erfolgt
zur Gewinnung der Paprikatinktur (Tinc-
tura capsici), einer zum Verfälschen von
Trinkbranntwein dienenden Schärfe, durch
Einhängen mit P. gefüllter Säckchen in Spi-
ritus. Die bereits in Ungarn vielfach aus-
geübte Verfälschung gibt sich durch die
blässere Farbe, den milderen Geschmack und
vor allem den geringen Gehalt an alkoholi-
schem Extrakt, der in normaler Ware min-
destens 26% beträgt, zu erkennen. Allerdings
ist zur Vermeidung von Irrtümern zu be-
rücksichtigen, daß Paprika sich bei längerer
Aufbewahrung verändert und anscheinend an
Extrakt verliert. — Zoll: S. Tarif Nr. 66.

Paradieskörner (Meleguetapfeffer,
Muskatsaat, Guineapfeffer, lat. Grana
paradisi, frz. Grains de paradis, engl. Grains
of paradise) sind die Samen von Amomum
Melegueta (Scitamineen), und ist also mit
Ingwer und Kardamomen verwandt. Die Sa-
men sind glänzend braun und hart, rundlich
eckig und fast vierseitig, mit feinen Runzeln
und Wärzchen bedeckt und auf dem Durch-
schnitt weiß und mehlig. Der Geschmack
ist stark gewürzhaft und beißend wie Pfeffer
und Ingwer. Die schmeckenden Stoffe be-
finden sich in der Samenschale und bestehen
aus wenig ätherischem Öl und einem sehr
brennend schmeckenden Harz. Zurzeit wird
die Droge nur noch benutzt, um dem Essig
und Branntwein einen schärferen und kräfti-
geren Geschmack zu geben, sowie bei der
Bereitung bitterer Liköre. — Zoll: 50 M.

Paraffin. Unter Paraffin versteht man ein
Gemisch verschiedener fester Kohlen-
wasserstoffe, welches sich teils frei in der
Natur vorfindet, teils aus den Rohprodukten
durch Destillation gewonnen wird. Karl von
Reichenbach fand im Jahre 1830 im Buchen-
holzteer einen festen, kristallinischen Kohlen-
wasserstoff, dem er seinen Namen nach den
beiden Worten parum affinis, wenig verwandt,
gab, weil er sich gegen Säuren und andere
stark wirkende Mittel auffallend indifferent
verhielt. Er glaubte anfangs einen Kohlen-
wasserstoff von konstanter Zusammensetzung
vor sich zu haben, bis man in den folgenden
Jahren auch aus Braunkohle und Erdwachs P.
abschied, welches je nach dem verwendeten
Material und der Darstellungsweise besonders
in physikalischer Beziehung große Verschie-
denheiten zeigte. Man erkannte nun, daß eine
Reihe von untereinander homologen festen
Kohlenwasserstoffen existiert, welche die für
das P. charakteristischen Eigenschaften be-