﻿Paraffin

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Paranüsse

reinigt. Man erhält ein schwerer schmelz-
bares, als Wachssurrogat sehr begehrtes Pro-
dukt, das Zeresin, welches im allgemeinen
dieselben Eigenschaften besitzt wie P. —
Das P. bildet im gereinigten Zustande eine
durchscheinende, geruch- und geschmacklose
Masse von bläulichweißer Farbe, welche sich
nur wenig fettig anfühlt. Es weist bezüglich
des spez. Gew., des Schmelzpunktes und der
Härte große Schwankungen auf und wird
infolgedessen in Weichparaffin und Hart-
Paraffin unterschieden. Ersteres hat ge-
wöhnlich einen Schmelzpunkt von 44—48°
und das spez. Gew. 0,880—0,890, doch kommen
auch Weichparaffine vor mit dem Schmelz-
punkt 38° und dem spez. Gew. 0,870. Die
Hartparaffine besitzen einen Schmelzpunkt
von 52—56° und das spez. Gew. 0,898—0,915,
doch gibt es auch Hartparaffine mit einem
Schmelzpunkt bis 70°. Höhere Schmelz-
punkte, 70—80°, und spez. Gewichte von

O,	918—0,930 deuten auf Zeresin hin. Der
Schmelzpunkt ist bei P. von großer Wichtig-
keit und bestimmt den Wert der Handels-
ware. Je höher der Schmelzpunkt eines P-,
desto wertvoller ist dieses. Das aus Braun-
kohlenteer gewonnene Prima- oder Hart-
Paraffin schmilzt gewöhnlich zwischen 54 und
60°, das aus Erdöl bereitete P., das Bel-
rnontin meist zwischen 42 und 45°, indessen
sind auch Erdölparaffine im Handel, welche
einen Schmelzpunkt von 50—62° haben. Das
aus Ozokerit gewonnene P. hat einen sehr
hohen Schmelzpunkt, bis 70°, ist aber un-
durchsichtig und verhältnismäßig weich. Das

P.	des D.A.B.IV (Paraffinum solidum) ist
mittels Schwefelsäure gereinigter Ozokerit
und sollte eigentlich Zeresin heißen. Jedes
P. erweicht in der warmen Hand und läßt
sjch kneten. In Wasser ist das P. unlös-
lich, in kochendem Alkohol zu 3 °/o löslich,
m Äther, Schwefelkohlenstoff, Benzin und
fetten Ölen löst es sich beim gelinden Er-
wärmen fast in jedem Verhältnis auf. Mit
Wachs, Wallrat, Fetten und Harzen läßt es
sich leicht zusammenschmelzen und mischen.
Von konzentrierter Schwefel- und Salpeter-
säure, sowie von ätzenden Alkalien wird das
P. nicht angegriffen, von Chlorgas nur in
geschmolzenem Zustande, unter Bildung einer
2ähen, harzartigen Masse (Chlorparaffin).
Mit Schwefel erhitzt, entwickelt das P. Schwe-
felwasserstoff und zersetzt sich dabei voll-
ständig unter Hinterlassung von Kohle. P.
brennt angezündet nicht, erst beim Erhitzen
auf 160—170° läßt es sich entzünden und
verbrennt mit leuchtender Flamme. Wird P.
längere Zeit an der Luft erhitzt, so färbt es
®'ch unter Aufnahme von Sauerstoff braun
bis schwarz. Es siedet bei 350—400° und
destilliert zum größten Teil unzersetzt über.
~~ Die Hauptmenge des P. dient zur Kerzen-
fäbrikation (s. d.). Auch sonst wird es in
mannigfachster Weise verwendet. Man be-
nutzt es zum Imprägnieren vieler Stoffe, ent-
weder um diese wasserdicht oder durch-
scheinend zu machen (wasserdichte Gewebe,
Pauspapier), oder um sie vor Witterungs- bzw.

Herck’s Warenlexikon. 5. Aufi.

chemischen Einflüssen zu schützen (Marmor-
statuen, Holzfässer, Korke). In der Zünd-
holzindustrie benutzt man das P. zum Paraf-
finieren der Hölzer, ln den Laboratorien
endlich findet es als sogen. Paraffinbad zur
Erzeugung gleichmäßiger hoher Temperaturen
und zum luftdichten Verschluß von Flaschen
und Apparaten Verwendung. — Zoll: Paraffin :
Nr. 250/1. Vaseline, Paraffinsalbe: Nr. 258.
Zeresin: Nr. 249. Ozokerit: Nr. 241. 249.

Paraffinöl nennt man besonders das
schwere Öl, welches aus der Paraffinmasse
(s. Paraffin) beim Auspressen derselben ab-
läuft. Aus der Paraffinmasse des Braun-
kohlenteers erhält man ein dunkles P. von
unangenehmem Geruch, das gewöhnlich zur
Leuchtgasfabrikation verwendet wird, aus der
Paraffinmasse des Ölschieferteers ein weniger
riechendes P., das zum großen Teil als
Schmieröl Verwendung findet. Das P. oder
Ozokeritöl des D.A.B. (Paraffinum liqui-
dum) wird aus Petroleum durch fraktionierte
Destillation und Reinigung der betreffenden
Fraktionen mittels Schwefelsäure, Natron-
lauge und schließlich Tierkohle erhalten. Es
stellt eine farblose, ölige Flüssigkeit vom
spez. Gew. 0,880 dar, welche bei 360° noch
nicht zum Sieden gelangt. Dieses reine P.
wird in der Medizin zur Bereitung von Paraf-
finsalbe und zu subkutanen Injektionen, sonst
zum Einölen von Nähmaschinen, Uhren und
Fahrrädern benutzt. — Zuweilen trifft man
unter dem Namen Paraffinfett oder Pa-
raffinschmiere ein dickes, zur Bereitung
von Schmiermitteln benutztes Öl im Handel
an, welches mit Paraffin gar nichts zu tun
hat, sondern aus Harzen usw. hergestellt wird.
— Zoll: S. Tarif Nr. 239.

Paraguay-Roux (Paratinktur), ein früher
gangbares, jetzt in Vergessenheit geratenes
pharmazeutisches Präparat, ist die alko-
holische Tinktur aus der Parakresse oder
Kohlfleckblume (Spilanthes oleracea),
einer in Südamerika einheimischen, bei uns
in Gärten gezogenen, einjährigen, kraut-
artigen Komposite. P. wurde als Mittel gegen
Zahnschmerzen verwendet. — Zoll: S. Tarif
Nr. 386. Parakresse ist zollfrei.

Paranüsse (Brasilianische Nüsse) sind
die 31/2—41/2 cm langen Fruchtkerne eines
südamerikanischen, den Myrtengewächsen
verwandten großen Baumes, Bertholletia
excelsa, der im Gebiete des Orinoko und
Amazonenstromes heimisch ist. Die Samen
sind ursprünglich in einer hartschaligen, kopf-
großen Frucht enthalten und haben infolge
ihrer gedrängten Lage in derselben eine drei-
seitige Form mit zwei flachen und einer ge-
wölbten Fläche erhalten. Ihre holzige, oder
vielmehr lederartige, Schale ist braun, rauh
und quer gerunzelt und umschließt einen
Kern mit rostbrauner Oberhaut und dichtem,
weißen Fleisch. Der Kern enthält bis 67 0/0
eines milden, süßen, geruchlosen und gelb-
lichen fetten Öls, das Paranußöl, welches
dem Mandelöl sehr ähnlich ist, aber leicht
ranzig wird und bei 0° erstarrt. Das spez.
Gew. beträgt 0,9184. Man benutzt die P.

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