﻿Perlen

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Perlmutter

sich in sehr vielen verschiedenen Feinheits-
graden und wird mit Garnen von Nr. 36
bis 120 hergestellt. Die aus den stärkeren
Garnen Nr. 36—60 gewebten, zum Druck
bestimmten P. sind identisch mit Kaliko
und werden Druckperkals genannt. Die fein-
sten hierher gehörigen Stoffe sind immer
noch etwas dichter als Musselin und führen
die Bezeichnung Batistmusselin. Die Stoffe
können glatt, karriert, gestreift, gefärbt und
gedruckt sein. — Zoll: S. Tarif Nr. 445ff.

Perlen (frz. Perles, engl. Pearls), Erzeug-
nisse von See- und Flußmuscheln, bilden
sich auf der Innenseite der Schalen, aber
immer nur ausnahmsweise, entweder wenn das
Tier einen eingedrungenen fremden Körper mit
Schalenmasse überzieht, oder wenn ein Loch
zu verschließen ist, oder auch vielleicht in-
folge von krankhaften Zuständen der Muschel
selbst. Immer wachsen die Perlen durch
Übereinanderlagerung sehr feiner Lamellen
und zeigen demnach einen geschichteten Bau.
Ihre Masse besteht, wie die Schalen, aus
kohlensaurem Kalk, und es ist also nur die
eigentümliche Farbe, der matte Glanz, die
Form, Größe und Seltenheit, wonach sich
der Preis bestimmt. — Die Perlmuscheln
leben gesellschaftlich an einzelnen ihnen zu-
sagenden Punkten der tieferen Küstengewässer
des roten, persischen und indischen Meeres
und müssen wegen der tiefen Lage der Bänke
durch Taucher herausgeholt werden. Man
wirft sie auf den Sand des Ufers hin, wo sie
in der glühenden Sonne bald von selbst
aufklaffen, aber auch eben so rasch in völlige
Fäulnis übergehen, sucht die P. heraus und
sortiert sie durch Siebe verschiedenen Ka-
libers. Die P. finden sich in den verschie-
densten Größen von dem Kaliber einer Kirsche
bis zu dem eines Mohnkörnchens. Man taxiert
und verwiegt sie nach Karaten, ganz wie die
Edelsteine, sehr oft aber auch nach Grän
(4 Grän gleich 1 Karat). Größere Exem-
plare werden einzeln verhandelt und als
Stück- oder Zahlperlen bezeichnet, klei-
nere, die Lotperlen, zusammen nach Gewicht
verkauft. Die kleinsten, mohnkorngroßen und
als Schmuckware nicht brauchbaren bilden
einen Ausschuß, der bei den Engländern
Saatperlen heißt. Sie werden an Indier
und Chinesen verkauft, die einen teuren Kalk
zum Kauen von Betel und Arekanuß daraus
brennen. Der Form nach werden die ganz
runden P. am höchsten geschätzt, aber auch
birnen-, ei- und zwiebelförmige sind zu Ohr-
gehängen sehr gesucht. Schiefe, höckerige
und sonst unförmliche Exemplare heißen
Barockperlen; Kropfperlen solche, die
an der Innenseite der Muschelschalen selbst
warzenartig festgewachsen waren, also höch-
stens nur einseitig, zum Besetzen dienen
können. In der Färbung der P. kommen
mannigfache Abweichungen vor. Die Haupt-
farbe ist immer das eigentümliche matte,
durchscheinende Weiß mit silberigem Schim-
mer, das bald mehr ins Gelbliche, bald ins
Bläuliche zieht, aber auch schwarze, bleifarbige
und Pink couleur (Nelkenfarbe) erzielen bei

gleichmäßiger Färbung und guter Form hohe
Preise. Hingegen sind fleckige von geringem
Wert. Die ostindischen P., welche zum Teil
schon durchbohrt (Witwen), zum Teil nicht
gebohrt (Jungfern) zum Verkauf kommen,
haben vor allen anderen den Vorzug, weil sie
das schönste Wasser haben, wenn auch im
gelblichen Ton. Geringe Perlenmengen liefert
die Flußperlmuschel, die in Flüßchen
und Bächen des Festlandes gemäßigter Kli-
mate in Berg- und Hügelland ihren Wohnsitz
hat. — Alle P. haben den Mangel, daß ihre
Schönheit sich mit der Zeit verringert, wie es
von einer teilweise tierischen Substanz auch
kaum anders zu erwarten ist, und alte P.
stechen daher gegen frische auffällig zu ihrem
Nachteil ab. Künstliche P. stellt man in
der Weise her, daß man hohle Glaskügelchen
an der Innenwand mit sog. Perlenessenz
auskleidet, die in umständlicher und subtiler
Weise aus den Schuppen von Weißfischen
präpariert wird, und dann den Hohlraum
mit Wachs ausgießt. Diese Fabrikate sind
natürlich als eine leichte und sehr zerbrech-
liche Ware nur zur Augentäuschung ge-
schaffen, bewirken letztere aber, namentlich
bei Lampenlicht, auch vollkommen. — Zoll :
Echte P., ungefaßt, s. Tarif Nr. 607, nach-
geahmte und Waren daraus Nr. 608. 671. 759.

Perlmutter (frz. Nacre de perles, engl.
Mother of pearl). Verschiedene Muscheln
ohne Perlen zeigen eine den Perlen an Farbe
und Glanz ähnliche Innenseite und vor allem
auch das durch die Übereinanderlagerung
der äußerst dünnen durchscheinenden Blätt-
chen entstehende Farbenspiel. Sie bilden die
Perlmuttermuscheln, deren schönste Sorte,
die sehr bunten regenbogenfarbigen Iris-
muscheln, vor allem von Tahiti, Tiji,
Neuseeland, Manila und Kalifornien
stammen. Im übrigen findet sich P. in den
chinesischen und südafrikanischen Gewässern,
an den amerikanischen Küsten des Stillen
Meeres, im Roten Meer und in der Nähe
der Philippinen. Hingegen sind gerade die
perlenführenden Ceylonmuscheln als P. nicht
verwendbar, da hierfür möglichst groß und
flach gebaute Stücke bis zu 20 cm Durch-
messer verlangt werden. Solche, sehr große
und flache Handelssorten sind außer den
bereits genannten noch: Macassar, Sidney,
wenig irisierend, Auckland, etwas dunkel,
Freemantee, sehr weiß, Ägyptische,
weiß. Weniger flach und etwas gelblich ist
die kreisrunde Bombay, während von kleinen
Sorten noch die stark gekrümmte, sehr bunte
La Paz, Nakar und die sehr dicke Matzlan
zu nennen ist. — Die Perlmutterschalen haben,
wenn ihre äußere braune Rinde beseitigt
ist, außen dieselbe Beschaffenheit wie innen,
und können daher gut in Blätter gespalten
werden. Die Verarbeitung erfolgt gewöhnlich
durch Zerteilen mit feinen Sägen unter Was-
ser, nach Umständen durch Spalten. Für
die feine Ausarbeitung kommt hauptsächlich
das Schleifen in Anwendung. P. dient zur
Herstellung eingelegter Arbeiten, zum Be-
legen feiner Messerhefte, zu Knöpfen und zu