﻿Petersilienöl

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Petroleum

Stande in den Handel gebracht. — Die Petetr-
siliensamen, richtiger Früchte (lat. Fructus
petroselini, frz. Fruits de persil, engl. Parsley
seeds) kommen jetzt in größerer Menge aus
Indien und werden zur Darstellung von Apiol
(s. d.) benutzt. Petersiliensamen enthält außer
diesem Stoffe ätherisches und fettes öl. Medi-
zinisch werden die Samen als harntreibendes
Mittel verwendet. — Die P.-Wurzel (lat.
Radix petroselini, frz. Racine de persil, engl.
Parsley root) ist eine rübenförmige, gelblich-
weiße Wurzel von süßlichem Geschmack und
aromatischem Geruch und wird medizinisch
wie die Samen verwendet. — Zoll: Sämtliche
Artikel der P. sind zollfrei.

Petersilienöl (lat. Oleum petroselini, frz.
Essence de persil, engl. Parsley-Oil). — Alle
Teile der Petersilie enthalten ätherisches
öl, am meisten die Früchte (3—6%); am
wenigsten die Blätter (0,3°/o). Beide Öle sind
ün Geruch verschieden. Gewöhnlich findet
toan nur das aus den Samen bereitete Öl im
Handel. Es ist dünnflüssig, grünlichgelb und
hat ein spez. Gew. von 1,015. Es ist in
Alkohol leicht löslich und besteht aus einem
zwischen 160 und 170° C siedenden Kohlen-
wasserstoff, L-Pinen und Apiol (s. d.). Man
verwendet das P. als Zusatz bei der Darstel-
lung aromatischer Liköre. — Zoll: 30 M.

Petitgrainöl, ein kräftig und angenehm
riechendes dünnflüssiges ätherisches Öl von
grünlichgelber Farbe, wird aus den Blättern
und kleinen, noch unreifen, Früchten der
Orangenbäume durch Destillation ge-
wonnen. Man unterscheidet im französischen
Handel zwei Sorten: Essence de Petit-grain
Bigarade, die teurere Sorte, und Essence de
Petit-grain Portugal, die billigere. Jetzt kommt
auch viel P. zu billigen Preisen aus Paraguay,
sowie aus Florida. Man benutzt es in der
feinen Parfümerie. — Zoll: 30 M.

Petroleum (Erdöl, Erdnaphtha, lat.
Oleum petrae, frz. Pötrole, engl. Petroleum),
einer der wichtigsten Gebrauchsgegenstände
des alltäglichen Lebens, war schon im Alter-
tume bekannt, gelangte zu seiner jetzigen
Bedeutung aber erst, seitdem im Jahre 1859
die Pennsylvanischen Quellen erschlossen
Wurden, und mit jedem Jahre größere Mengen
*u Beleuchtungs- und technischen Zwecken
ln den Handel gelangten. Das P. ist wahr-
scheinlich aus den fettreichen Überresten
Untergegangener Seetiere entstanden, welche
Unter ungeheurem Druck und mäßiger Tem-
peratur einer langsamen Zersetzung anheim-
fielen, und findet sich demnach an den ver-
schiedensten Punkten der Erde in unterirdi-
schen Hohlräumen aufgespeichert. Den haupt-
sächlichsten Öldistrikt bildet ein schmaler,
kaum 100 km langer, Streifen im Westen
Pennsylvaniens, doch zieht sich das Vor-
kommen von P. auch von Westkanada durch
Hew York nach Ohio, Kentucky und südlich
Uach Westvirginien. Neben Amerika besitzt
Rußland die ergiebigsten Lager in der Um-
gebung von Baku am kaspischen Meer, und
Weitere große Vorräte sind in Rumänien auf
den moldauisch-wallachischen Karpathen und

in Galizien erschlossen. Asien hat die reichen
ostindischen und chinesischen Lager, und ge-
ringere Mengen finden sich in Beludschistan,
Südafrika, Südaustralien und Neuseeland. Die
kleinen deutschen Vorkommnisse in Han-
nover, bei Peine, in Bayern und im Elsaß
waren bis zum Jahre 1900 für den Massen-
verbrauch ohne Bedeutung. Zur Gewinnung
des P. werden Bohrlöcher in die Erde ge-
trieben, aus denen es durch seinen eigenen
Druck oder durch Pumpwerke gehoben in
die Höhe steigt. Häufig dringt es auch im
Gemisch mit Wasser und in Begleitung großer
Mengen brennbarer Gase in Gestalt hoch-
springender Fontänen hervor. Das Roh-
petroleum bildet eine dunkel, grünlich bis
schwarz, gefärbte, widerwärtig riechende Flüs-
sigkeit, deren spez. Gew. je nach dem Her-
kommen zwischen 0,780 und 0,960 beträgt.
In chemischer Hinsicht ist es ein Gemenge
zahlreicher gasförmiger, flüssiger und fester
Kohlenwasserstoffe, die teils ,wie beim ameri-
kanischen P., der Methanreihe, teils, wie
beim kaukasischen P., den Naphthenen
(hydrierten Benzolen) angehören. Wegen
seines Gehaltes an leicht flüchtigen und leicht
entzündlichen Bestandteilen ist es in hohem
Grade feuergefährlich und muß daher für
eine gewerbliche Verwendung in verschiedene
Stoffe zerlegt und weiter gereinigt werden.
Durch das Verfahren der Destillation werden
zunächst die niedrig siedenden Bestandteile:
Petroleumäther (Rhigolen) bei 30—60°,
Gasolin bei 60—80°, Petroleumbenzin
bei 80—100°, Ligroin bei 100—120° und
künstl. Terpentinöl bei 120—150°, abge-
trennt, welche als Lösungsmittel für Fette,
Öle und Harze und als Fleck- und Putz-
wasser ausgedehnte technische Anwendung
finden. Zwischen 250 und 300° geht dann das
Hauptprodukt, das eigentliche Leuchtöl
oder Brennpetroleum (Kerosin, Kero-
sen) über. Die hinterbleibenden Stoffe,
welche beim Erkalten butterartig erstarren,
werden zur Darstellung von Vaseline und
von Schmierölen (Mineralölen), sowie
als Brennmaterial (Masut) verwendet. Gerade
sie bilden den wertvollsten Teil des kau-
kasischen P. Das eigentliche Brennpetro-
leum, die mittlere Fraktion, ist nun vor
seiner Verwendung noch einer sorgfältigen
Reinigung zu unterziehen. Es wird zu diesem
Zwecke zunächst mit konz. Schwefelsäure und
nach der Entfernung der letzteren mit Natron-
lauge behandelt und schließlich mit Wasser
gewaschen. Neuere Verfahren beruhen außer-
dem auf der Verwendung von Eisenvitriol,
Kupfervitriol, Kaliumpermanganat, Knochen-
kohle und anderen entfärbenden und des-
odorisierenden Stoffen, während zur Entwässe-
rung bisweilen ein Zusatz von Kochsalz ge-
macht wird. Das gereinigte Petroleum bildet
eine farblose bis schwach gelbliche Flüssig-
keit mit bläulicher Fluoreszenz und mildem
Geruch. Das spez. Gew. beträgt bei dem
amerikanischen P. etwa 0,800, beim kau-
kasischen 0,825 und beim galizischen 0,820.
Es stellt ein vortreffliches Beleuchtungs-