﻿Pfefferminze

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Pflanzendunen

Pfefferminze (Pfeffermünze, lat. Herba
s. Folia menthae piperitae, frz. Feuilles de
menthe poivree, engl. Peppermint leaves).
Unter den zahlreichen Arten und Varietäten
der zu den Lippenblütlern gehörenden
Gattung Mentha, die sich fast alle durch
einen Gehalt an ätherischem öl und dem-
zufolge ein eigentümliches, mehr oder weniger
starkes Aroma auszeichnen, hat Mentha pi-
perita die größte Bedeutung. Sie unter-
scheidet sich von ihren Verwandten äußer-
lich durch ihre gestielten, fast glatten
Blätter, die nur an den Nerven der Unterseite
spärlich behaart und an den der Blattspitze
zugekehrten Stellen am Rande scharf gezähnt
sind. Die P. kommt in England und über-
haupt in Westeuropa wild vor, wird aber bei
uns, besonders in Thüringen und im Harz,
stark kultiviert und dann als Mentha pi-
perita var. ß bezeichnet. Die in der Blüte-
zeit gesammelten Spitzen der Zweige und die
Blätter der untern Teile (ohne die Stengel)
kommen getrocknet in den Drogenhandel und
haben dann einen stärkeren Geruch und Ge-
schmack als im frischen Zustande. P. wird
medizinisch verwendet als krampfstillendes,
xnagenstärkendes, zu Blähungen treibendes
Mittel. — Der wirksame Bestandteil der
Pflanze ist das ätherische Öl, das Pfeffer-
minzöl (lat. Oleum menthae piperitae, frz.
Essence de menthe poivröe, engl. Oil of
peppermint), das von kultivierten Pflanzen
gewonnen wird. Die deutschen Öle sind ge-
wöhnlich etwas gelblich oder grünlich, sonst
rein und von guter Beschaffenheit. Ihr spez.
Gew. beträgt 0,900—915 bei 15° C. In England
zieht man die Pflanze in der Umgebung Lon-
dons, in Cambridge und zu Mitcham in
Surrey und schätzt besonders das Mitcham-
öl als die feinste Sorte überhaupt. Ihr spez.
Gew. ist 0,900. Zur Darstellung des engl.
P. sollen nur die abgesonderten Blätter de-
stilliert, und die anfänglich übergehendenTeile
gesondert aufgefangen werden. Weniger
feine Sorten kommen aus Amerika, weil hier
nicht selten andere Minzearten mitdestilliert
werden, und auch häufig Verfälschungen mit
Poleyöl, Erigeronöl und dem flüssigen Teil
des japanischen Pfefferminzöls Vorkommen.
— Das neuerdings in großen Mengen bis zu
70 000 kg pro Jahr in den Handel gebrachte
japanische Pfefferminzöl ist eine trok-
kene, blätterig kristallinische Masse von
starkem Minzgeruch, aber weniger angeneh-
mem, etwas kampferartigem Geschmack. —
Die übrigen öle sind farblose, etwas dickliche
Flüssigkeiten von feinem Pfefferminzgeruch
und brennendem, hinterher kühlendem Ge-
schmack, der aber nicht bitter sein darf.
Sie drehen die Polarisationsebene stark nach
links und lösen sich mit Ausnahme des ameri-
kanischen in verd. Spiritus auf. Ihr wich-
tigster Bestandteil ist das, z. T. mit Essig- und
Valeriansäure veresterte, Menthol und das
zugehörige Keton Menthon. Zum Nach-
weise der zahlreichen Verfälschungen durch
Alkohol, Terpentinöl, ätherische und fette öle
bestimmt man die physikalischen Konstanten

und in besonderen Fällen den Mentholgehalt.
Pfefferminzöl dient zur Darstellung von Men-
thol, Likören, Mundwässern und anderen kos-
metischen Präparaten, sowie zum Einreiben
gegen Zahnschmerzen und Migräne. — Zoll:
30 M.

Pfefferöl (lat. Oleum piperis, frz. Essence
de poivre, engl. Pepper oil), das durch De-
stillation mit Wasserdampf aus dem schwar-
zen und weißen Pfeffer gewonnene äthe-
rische öl, ist dünnflüssig, beinahe farblos,
und besitzt ein spez. Gew. von 0,860—0,900.
Es riecht stark nach Pfeffer, hat aber einen
milden Geschmack und dient bisweilen als Zu-
satz bei der Bereitung bitterer und aromati-
scher Liköre. — Zoll: 30 M.

Pfirsiche (frz. Peches, engl. Peaches) sind
die Früchte von Amygdalus persica,
welcher, in Persien heimisch, schon vor alten
Zeiten nach Griechenland und Italien, und
dann weiter über das wärmere und gemäßigte
Europa verbreitet worden ist. Durch die lange
Kultur haben sich eine Menge Spielarten ge-
bildet, die im allgemeinen in solche mit samt-
artig rauher und in solche mit glatter Ober-
fläche unterschieden werden. Die letzteren
führen den Namen Nektarinen. In Mittel-
deutschland, bis wohin der Baum überhaupt
nur vorgerückt ist und auch da meist nur als
Spalierbaum an Wänden gezogen werden
kann, sind die rauhen Früchte die gewöhn-
lichsten. In Süddeutschland hat man die
Bäume freistehend und gewinnt schon bessere
Früchte, noch besser jedoch jenseits der
Alpen, in Südtirol, Italien, Südfrankreich,
Spanien, Portugal und Ungarn. Neuerdings
werden P. von Kalifornien im großen Maß-
stabe teils frisch, teils getrocknet versandt.
Die getrockneten sind allerdings vielfach
durch übermäßig starkes Schwefeln gebleicht
und haltbar gemacht. Neben den Früchten
werden Pfirsichkerne für sich oder als
Zumischung zu bittern Mandeln verwandt.
Auch wird aus ihnen fettes und ätheri-
sches Pfirsichkernöl hergestellt, mit dem
man fettes und ätherisches Bittermandelöl
verfälscht. Das aus Ostindien eingeführte
Pfirsichkemöl (Bemi-ki-tel) ist dunkelgelb,
etwas blausäurehaltig und hat ein spez. Gew.
von 0,9232. Die frischen Blüten und Blätter
liefern bei der Destillation mit Wasser blau-
säurehaltige Wässer, die hier und da offizineil
sind. — Zoll: S. Tarif Nr. 47/8. 216. Pfirsich-
kernöl, fettes Nr. 166/7. Pfirsichkernöl, äther.:
30 M.

Pfirsichäther, ein den übrigen Frucht-
äthern ähnliches Produkt, besteht aus Butter-
säure und Valeriansäureamylester, Essigester
und Bittermandelöl. — Zoll: S. Tarif Nr. 347.

Pflanzendunen. Unter diesem Namen faßt
man die verschiedenen Arten feiner seiden-
artiger Wollfasern zusammen, welche sich
als Umhüllung der Samen in den Frucht-
kapseln mehrerer tropischer Bäume der
Gattungen Bombax, Ochroma, Chorisia
und Eriodendron vorfinden. — Die wich-
tigsten Handelssorten sind: 1. Kapok (Born-