﻿Phosphin

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Phosphor

yersteht man darunter aber die verschiedenen,
in der Natur als Mineralien vorkommenden
Arten von phosphorsaurem Kalk (Kalzium-
phosphat), wie sie zur Darstellung von
Düngemitteln für die Landwirtschaft (s.Super-
Phosphat) und zur Erzeugung von Phosphor
verwendet werden. Die hierher gehörigen
Mineralphosphate Apatit, Phosphorit und
Dsteolith in ihren verschiedenen Varietäten
bilden einen bedeutenden Handelsartikel, so
namentlich der Phosphorit aus der spanischen
Provinz Estremadura und die Lahnphosphorite
aus der Provinz Nassau. Seit einigen Jahren
kommen auch P. aus Belgien, Kanada, Süd-
karolina und Aruba, sowie russische Phos-
phorite aus dem Gebiete des Tschnerojem.
Die größte Menge dieser P. wird in ein feines
Mehl verwandelt und zu Superphosphat ver-
arbeitet. — Zollfrei.

Phosphin (Ledergelb, Philadelphia-
gelb, frz. Phosphine), ein seit 1862 bekanntes
Nebenprodukt der Fuchsinfabrikation, bildet
ein orangegelbes, in Wasser lösliches Pulver.
— Zollfrei.

Phosphor (lat. Phosphorus, frz. Phosphore,
engl. Phosphorus). Der P. wurde im Jahre
1669 in Hamburg von Brand entdeckt, als
dieser eingedampften Harn der trocknen
Destillation unterwarf. Die Brandsche Ent-
deckung gelangte jedoch erst 1678 durch
Kunkel, welcher ebenfalls Versuche über
P. angestellt hatte, in die Öffentlichkeit. Bis
in die Mitte des vorvorigen Jahrhunderts
blieb der Harn das einzige Material zur
Phosphorgewinnung, weshalb dieser auch sehr
teuer war. 600—700 1 Harn gaben 30 g P.
zum Preise von 10—16 Dukaten. Erst im
Jahre 1769 wies Gähn das Vorhandensein von
P. in den Knochen nach, und 1771 stellte
ihn Scheele zum ersten Male daraus dar.
Die chemische Natur des P. ist besonders
durch die Arbeiten von Lavoisier aufge-
klärt worden. Der Eigenschaft, im Dunkeln
zu leuchten, verdankt der P. seinen Namen
(phosphoros heißt im Griechischen „Licht-
träger“). Der P. findet sich in der Natur
nie frei, sondern stets gebunden und zwar
meist in Form von phosphorsauren Salzen,
Phosphaten. Aus diesen gelangt er in
die Pflanzen, deren Asche daher phosphor-
saure Salze enthält, und aus den Pflanzen
in den Tierkörper, dessen Knochengerüst zum
großen Teil aus phosphorsaurem Kalk be-
steht. Ein andrer Teil des in den tierischen
Organismus gelangenden P. wird infolge des
Stoffwechsels durch die Exkremente und den
Harn wieder abgeschieden, kehrt in den Erd-
boden zurück und bildet einen wertvollen
Bestandteil des Düngers. In organischer Bin-
dung findet sich der P. im Gehirn, der
Nervensubstanz, dem Eigelb usw. — Zur
Darstellung des P. dienen fast ausschließlich
die Knochen, und zwar sind es nur wenige
Fabriken in England und Frankreich, welche
die Fabrikation von P. aus Knochen betreiben.
In Deutschland- wurde bis vor kurzem kein P.
mehr gewonnen, seit 1898 wird aber von der
chemischen Fabrik Elektron in Griesheim

P. elektrolytisch dargestellt. Zur Gewinnung
von P. werden die Knochen durch Extra-
hieren mit Benzin oder Schwefelkohlenstoff
vom Fett und durch Behandeln mit über-
hitztem Wasserdampf vom Leim befreit und
behufs vollständiger Zerstörung der organi-
schen Substanz in einem Schachtofen weiß-
gebrannt. Die fein gemahlene Knochenasche
wird hierauf mit dem gleichen Gewicht
76 prozentiger Schwefelsäure in der Wärme
behandelt und gibt einen Bodensatz von Gips
und eine (gipshaltige) Lösung von saurem
phosphorsaurem Kalk. Letztere wird klar ab-
gezogen, in Bleipfannen eingedampft und
schwach geglüht. Hierbei bildet sich meta-
phosphorsaurer Kalk, welcher mit grob ge-
pulverter Holzkohle gemischt und in Retorten
aus feuerfestem Ton bis zur Weißglut erhitzt
wird. Die Holzkohle entzieht dem phosphor-
sauren Salz den Sauerstoff und verwandelt
sich in Kohlenoxyd, während andrerseits P.
frei wird. Die aus den Retorten entweichen-
den Phosphordämpfe leitet man durch Ton-
röhren in Wasser, wo sie sich als flüssiger
P. verdichten. Die Reinigung des so er-
haltenen Rohphosphors geschah früher, indem
man ihn im geschmolzenen Zustande unter
Wasser durch Gemsleder preßte. Jetzt reinigt
man ihn durch nochmalige Destillation aus
eisernen Retorten oder durch Pressen mittels
Wasserdampf durch eine poröse, mit einer
Schicht Kohlenpulver bedeckte Steinplatte. Das
Formen des P. zu Stangen geschieht im
kleinen durch Aufsaugen der geschmolzenen
Masse unter Wasser in Glasröhren. Diese
stellt man in kaltes Wasser und stößt den
erstarrten P. hernach in Stangenform heraus.
— Der P. besitzt die Eigenschaft, in drei
allotropen Modifikationen aufzutreten. 1. Der
gewöhnliche, farblose, giftige P. ist
die auf vorstehende Art und Weise dar-
gestellte Modifikation und zwar das offizineile
Präparat. Im frischen Zustande bildet er
einen weißlichen bis gelblichweißen, wachs-
ähnlich durchscheinenden Körper, welcher bei
mittlerer Temperatur wachsartige Konsistenz
besitzt, in der Kälte dagegen spröde und
brüchig ist und ein spez. Gew. von 1,83 bei
10° C hat. Unter Wasser schmilzt er bei
44° zu einer farblosen Flüssigkeit; der Luft
ausgesetzt, raucht er, wobei er sich erwärmt
und einen knoblauchartigen Geruch verbreitet.
Die Selbsterwärmung des P. kann sich bis
zur Entzündung steigern, weshalb er stets
unter Wasser aufzubewahren ist. Erhitzt man
den P. an der Luft, so schmilzt er zunächst
und entzündet sich bei 60°, indem er mit
blendend weißem Licht zu Phosphorsäure-
anhydrid verbrennt. Bei Luftabschluß erhitzt,
gerät er erst bei 290° ins Sieden und destil-
liert dann unzersetzt über. An der Luft
leuchtet der P. im Dunkeln. In Anbetracht
seiner leichten Entzündlichkeit ist bei dem
Arbeiten mit P. die größte Vorsicht erforder-
lich. Das Zerschneiden und Zerkleinern hat
stets unter Wasser zu geschehen. Schon die
Wärme der Hand oder eine geringe Reibung
genügt, ihn in Brand zu setzen. Brandwunden