﻿Phosphor

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Phosphor

durch P. sind höchst gefährlich, da zu der
Hitzewirkung noch die ätzende Wirkung der
entstehenden Phosphorsäure und die blut-
vergiftende des P. selbst hinzutreten. In
Wasser ist der P. kaum löslich, dagegen wird
er gelöst von fetten und flüchtigen Ölen,
Äther, Weingeist, Chloroform und besonders
von Schwefelkohlenstoff. Wasser, in welchem
P. längere Zeit gelegen hat, riecht und
schmeckt nach P. und leuchtet im Dunkeln.
Entzündet man Wasserstoffgas, dem eine Spur
P. beigemengt ist, so zeigt der innere
Flammenkegel eine intensiv grüne Färbung.
Diese Reaktion wird zum Nachweis von P. in
Vergiftungsfällen benutzt. Der P. ist vor
Licht und Luft geschützt aufzubewahren,
andernfalls verliert er bald seine Durch-
sichtigkeit und überzieht sich mit einer gelb-
lichweißen Schicht von amorphem P. Setzt
man P. dem direkten Sonnenlicht aus, so be-
kommt er eine schöne rote Farbe und geht
nach und nach vollständig in amorphen P.
über. Der P. zeigt nicht nur zu Sauer-
stoff eine große Verwandtschaft, sondern
auch zu Schwefel und den Halogenen. Metall-
salzlösungen werden durch P. unter Abschei-
dung von Phosphormetallen zersetzt. Salpeter-
säure und Königswasser lösen ihn in der
Wärme auf unter Bildung von Phosphorsäure.
— Der gewöhnliche P. gehört zu den hef-
tigsten Giften. Auch das Einatmen der Phos-
phordämpfe ist höchst schädlich und erzeugt
Phosphomekrose, unter der die Arbeiter der
Phosphorfabriken viel zu leiden haben. Als
Gegenmittel bei Phosphorvergiftungen dient
altes, verharztes Terpentinöl oder Kupfer-
sulfatlösung. In den Handel gelangt der P.
in mit Wasser angefüllten, verlöteten Blech-
gefäßen und hat gewöhnlich die Gestalt
fingerdicker, spannenlanger Stangen. Häufig
sind diese mit einer schwärzlichen Schicht
überzogen, welche von dem Metall der Blech-
gefäße herrührt, aber durch Abwaschen mit
verdünnter Salpetersäure (5°/o) entfernt wer-
den kann. In den Großhandel kommt der
P. in der Form von Kegeln, von denen
jeder mehrere Kilogramm wiegt. Für den
Eisenbahntransport dürfen die Blechgefäße
nicht mehr als 6 kg fassen, müssen gut
verlötet und in starken Kisten zwischen
Sägemehl verpackt sein. Die Kisten müssen
graue Leinwandhülle besitzen, an zwei ihrer
oberen Kanten starke Handhaben zeigen,
dürfen nicht mehr als 75 kg wiegen und
müssen äußerlich die Bezeichnungen „Phos-
phor enthaltend“ und „oben“ tragen. Um
zur Winterszeit das Gefrieren der Flüssigkeit
und das Springen der Gefäße zu verhüten,
wird das Wasser mit Spiritus oder Glyzerin
gemischt. Als Aufbewahrungsgefäße für P.
dienen am besten starke, weithalsige Flaschen,
welche in starkwandigen Blechbüchsen stehen.
Der Zwischenraum zwischen Flasche und
Büchse wird mit feuchtem Sand ausgefüllt.
Der Aufbewahrungsort ist ein verschließbarer
Schrank im Keller, oder noch vorteilhafter
eine in die Mauer eingelassene Nische mit
eiserner Türe. — Der größte Teil des ge-

wonnenen P. wird zur Fabrikation von Zünd-
hölzchen und anderer Zündwaren verbraucht
(s. Zündwaren). In Form von Phosphorteig
(Phosphorlatwerge, Rattengift), welcher
ein Gemenge von P. mit Mehlteig darstellt,
oder von Phosphorpillen, die ähnlich wie
Phosphorteig zusammengesetzt sind, dient der
P. zum Vergiften von Ratten und Mäusen.
Außerdem wird eine nicht unbeträchtliche
Menge von P. in der Metallurgie zur Her-
stellung von Phosphorbronzen benutzt. —■
Zum Nachweis von P. bei Phosphorvergif-
tungen prüft man zunächst die Speisen und
das Erbrochene durch den Geruch und sieht
zu, ob die Massen beim Umrühren im Dunkeln
leuchten, oder in den Objekten Stückchen
von P. oder Zündhölzchenreste vorhanden
sind. Der chemische Nachweis wird entweder
nach dem Verfahren von Mitscherlich, wel-
ches auf der Flüchtigkeit des P. mit Wasser-
dämpfen und dem dabei im Dunkeln auf-
tretenden Leuchten beruht, oder durch die
schon erwähnte Eigenschaft des P., die Wasser-
stoffflamme grün zu färben, geführt. — 2. Der
rote oder amorphe P. entsteht, wie schon
erwähnt, durch die Einwirkung des Lichtes,
besonders des Sonnenlichtes auf gewöhnlichen
P. Die Verhältnisse, unter denen sich der
gewöhnliche P. in amorphen verwandelt, sind
zuerst von Schrötter in Wien genauer unter-
sucht worden. Er wies nach, daß die
rote Schicht, welche gewöhnlicher P. beim
längeren Stehen am Licht bildet, eine andere
Modifikation des P. darstellt. Die Darstellung
des amorphen P. geschieht durch Erhitzen
des gewöhnlichen P. auf 250—260° in eisernen
Kesseln, welche mit einem Deckel verschlossen
sind. Der erhaltene amorphe P. wird unter
Wasser zerrieben, durch Kochen mit Natron-
lauge oder Extrahieren mit Schwefelkohlen-
stoff von etwa noch vorhandenem gewöhn-
lichen P. befreit, darauf mit Wasser ge-
waschen und getrocknet. Der amorphe oder
rote P. bildet ein rotbraunes, scheinbar amor-
phes, tatsächlich aber mikrokristallinisches
Pulver oder kompakte, rotbraune, oft metal-
lisch glänzende Stücke mit muscheligem
Bruche, ohne Geruch und Geschmack. Er
hat das spez. Gew. 2,190, löst sich nicht in
Schwefelkohlenstoff und den anderen Lösungs-
mitteln des gewöhnlichen P., ist nicht giftig,
hält sich am freien Licht völlig unverändert
und trocken und leuchtet auch nicht im
Finstern. Durch Reibung oder Stoß ist er
nicht zu entzünden, bildet also ein Präparat,
das für den Transport vollständig ungefährlich
ist. Der rote P. verdampft und entzündet
sich erst gegen 260°. Wird er bei Luft-
abschluß über diese Temperatur hinaus er-
hitzt, so geht er wieder in den gewöhnlichen
P. über. Der im Handel vorkommende rote
P. enthält gewöhnlich noch kleine Mengen
gewöhnlichen P., welcher sich an der Luft
zu phosphoriger- und Phosphorsäure oxydiert
und so der Ware eine sauere Reaktion und
feuchte Beschaffenheit verleiht. Ein Teil des
roten P. wird zur Darstellung chemischer
Präparate verbraucht, so zu Jodphosphor,