﻿Photographische Apparate

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Photographische Papiere

einander gepackt (Packfilms) in die Kamera
eingeführt. Die Behälter für das lichtempfind-
liche Material, die Kassetten, bringen die
Platte usw. genau in die Ebene des Bildes.
Man kennt einfache (z. B. Metall-), doppelte
(Holz- und Metall-) und sog. Wechselkasetten
(Plattenmagazine) je nach der Zahl der darin
enthaltenen Platten. Um entwickelbar zu sein,
muß das Bild je nach der Lichtstärke des
Objektives eine bestimmte Zeit lang auf die
Platte gewirkt haben. Zur Bemessung dieser
Belichtungszeit (Exposition) dienen die sogen.
Verschlüsse: der Objektivdeckel (nur
für Zeitaufnahmen von mindestens 1 Sekunde),
der Sektorenverschluß (z. B. Ernemanns
bis V300 Sekunde), der Schlitzverschluß
(bis zu Tausendteilen der Sekunde). Man
findet die Belichtungsdauer durch den Be-
lichtungsmesser (z. B. Heydes Aktino-
meter). Da Objektiv und Kasette je nach
der Entfernung des Aufnahmegegenstandes
gemäß den optischen Gesetzen verschiedenen
Abstand voneinander haben müssen, kann das
Vorderteil der Kamera (das sog. Objektivbrett)
dem Rückteil genähert werden oder um-
gekehrt (Kameras mit veränderlichem Aus-
zug). Die jeweilige Auszugslänge (Abstand
der Bildebene vom Objektiv) wird mittels
der Mattscheibe oder einer Skala gefunden
(Einstellung). Kameras mit festem Auszug
besitzen durch Schneckengangfassung gegen
die Mattscheibe verstellbare Objektive. Um
ohne Veränderung des gewählten Betrach-
tungspunktes (des Augenpunktes im Bilde)
störende Teile (z. B. zuviel monotonen Vor-
dergrund) auszuschalten, benutzt man die
senkrechte und wagrechte Verschiebbarkeit
des Objektives. — Nach ihrer Bestimmung
unterscheidet man als Haupttypen: Reproduk-
tions-, Atelier-, Stativ- und Handapparate.
Letztere beide, auch Amateurapparate ge-
nannt, sind die für den Handel wichtigsten.
Entsprechend der weiten Verbreitung der
Amateure werden in der Kamerakonstruktion
vielseitige Neigungen und Geschmacksrich-
tungen berücksichtigt. Dauernd begehrte
Konstruktionen sind die Apparate mit heraus-
klappbarem Laufbrett, die z. T. äußerst flach
sind und das Objektiv selbsttätig auf entfernte
Gegenstände einstellen (z. B. die Spring-
kamera von H einrich Ernemann A.-G.-Dresden),
ferner die eigentlichen Klapp-Kameras mit
Schlitzverschluß, die Spiegel-Reflex-Kameras,
sowie Amateur-Stativ-Apparate. Normale Bild-
und Plattenformate sind die kleineren, ins-
besondere das von 9: 12 cm geworden, da die
besonders in Deutschland hochentwickelte
Optik äußerst scharfe Bilder ergibt, deren
etwaige Vergrößerung (Vergrößerungs- und
Projektions-Apparate) eine beliebte Winter-
und Abendbeschäftigung bildet. Beachtens-
wert sind noch Reihenbilder-Apparate,
sog. Kinematographen (für den Amateur:
Ernemann-Kino). Um die Aufnahmen sichtbar
zu machen (d. h. ein Negativ zu entwickeln und
davon ein positives Bild zu erhalten), gebraucht
man die sog. Ausrüstung: Dunkelkammer-
lateme, Entwicklungs-, Fixier- usw. Schalen,

Kopierrahmen und die Chemikalien, welche
in Einzelpackungen geliefert werden, ferner
das Platten- und Papiermaterial und vielerlei
der Bequemlichkeit dienende Bedarfsartikel.
Unter den Platten- und Filmarten werden die
sog. farbenempfindlichen bevorzugt, welche
die Farbwerte in richtiger Abstufung der
Schwärzung wiedergeben. Sie sind nicht zu
verwechseln mit den Platten, welche die
Farben als solche abbilden. Die wichtigste
Quelle für alle photographischen Apparate
und Bedarfsartikel ist zweifellos die deutsche
photographische Industrie, als deren Zentrum
Dresden gilt. — Zoll: Photographische Appa-
rate s. Tarif Nr. 757. Photogr. Geräte s.
die betreffenden Artikel, aus denen sie her-
gestellt sind.

Photographische Papiere. Unter photo-
graphischen Papieren versteht man lichtemp-
findlich gemachte Papiere, die dazu dienen,
von einem Negativ, Abdrücke = Positive
herzustellen = Kopierverfahren. Die
Lichtempfindlichkeit kann mit verschie-
denen Mitteln hergestellt werden, und zwar
verwendet man hauptsächlich: Silber- und
Platinsalze, Ammoniumferrizitrat und Ferri-
cyankalium( beim Blaudruckverfahren), Sepia
und Kohlenstoff usw. Diese Arbeit nennt man
das Sensibilisieren. Nach der Art des Ko-
pierverfahrens werden unterschieden: 1. Aus-
kopierpapiere, welche ohne Entwicklung
das Positiv schon sichtbar werden lassen.
Diese Papiere werden bei Tageslicht ver-
arbeitet. 2. Entwicklungspapiere, d. s.
solche, bei denen das Bild durch das Kopieren
entweder nur wenig oder gar nicht sichtbar
wird, sondern erst durch Entwicklung her-
vorgerufen werden muß. Die Entwicklungs-
papiere trennt man wieder in: ge-
ringempfindliche und hochempfind-
liche Papiere. Die geringempfindlichen
P. werden bei gedämpftem Tageslicht, oder
gelbem Licht entwickelt; die hochempfind-
lichen P. sind nur bei gelbem, grünem oder
rotem Licht zu verarbeiten. — Der Ton der
Positive richtet sich bei manchen dieser Pa-
piersorten nach der Art des Entwicklers,
bez. der Zeitdauer der Belichtung. Bei den
Auskopierpapieren wird der Ton hin-
gegen durch sog. Tonbäder (s. d.) herge-
stellt. —- Eine andere Art Positive erzeugt man
durch den Pigmentdruck, welcher auf der
Eigenschaft von Gelatine und Leim beruht,
nach Zusatz von Chromaten, z. B. Kaliutn-
bichromat, durch Belichtung ihre Löslichkeit
zu verlieren. Man hat diese Erfahrung auf
den Positivprozeß übertragen, indem man
gelatinierte Papiere mit einem Farbstoff = Pig-
ment versetzt und mit Kaliumbichromatlösung
sensibilisiert. Nach erfolgter Belichtung lassen
sich die unbelichteten Stellen durch warmes
Wasser abspülen = entwickeln, während die
belichteten Teile stehen bleiben und ein
positives Bild geben. — Das Gummidruck-
verfahren beruht auf dem gleichen Prinzip,
nur werden die Positive mehrere Male kopiert
(gedruckt), das Bild entwickelt, von neuem
mit Farbstoff versehen, abermals belichtet