﻿Photographische Trockenplatten

375 Photographische Trockenplatten

indem sehr sorgfältig gereinigte, besonders
gleichmäßig und eben gestreckte, von Blasen
und Unreinigkeiten freie Glasplatten (sog.
Photoglas) durch Maschinen (natürlich im
Dunkeln) sehr gleichmäßig mit der licht-
empfindlichen Präparation, der sog. Gela-
tine-Emulsion, überzogen und dann in
ganz genau temperierten, sehr gut ventilierten,
staubfreien Räumen getrocknet werden. Man
gießt gewöhnlich größere Formate, als die
in der Kamera verwendeten. Dies sind für
Amateur-, Landschafts- und technische Photo-
graphie besonders 6X9 cm, 9 X 12 cm,
13 X 18 cm und 18 X 24 cm; wogegen der
Fachphotograph in Deutschland hauptsäch-
lich 9 X 12 cm, 12 X I6V2 cm, 18 X 24 cm
und größere Formate verwendet. Die gro-
ßen Platten werden nach dem Trocknen in
die entsprechenden Formate zerschnitten,
sorgfältig bei einem „sicheren“ tiefroten
Lichte auf etwaige Fehler geprüft, aussortiert
und dann in Päckchen, entweder zu 4 oder
zu 6 Stück, in schwarzes Papier verpackt und
zu Dutzenden in Plattenschachteln gelegt, die
dann an den Seiten verklebt, mit Etikett
versehen werden und nun verkaufsbereit sind.
Die sog. Gelatine-Emulsion —• gewöhn-
lich Bromsilber- oder Brom-Jodsilber-Gelatine-
Emulsion — wird dargestellt, indem man in
eine mit Brom- oder Brom- und Jodsalzen
(meistens Kalium- und Ammoniumsalzen) ver-
setzte Gelatinelösung bei bestimmter Tempe-
ratur eine auf bestimmte Grade erwärmte
Silbernitratlösung allmählich unter gleich-
mäßigem Rühren eingießt. Die so entstandene
milchige (daher der Name Emulsion) dicke
Flüssigkeit würde aber nun sehr unempfind-
liche Platten ergeben. Höhere Empfindlich-
keit erzielt man durch Erwärmen oder alka-
lisch Machen dieser Emulsion, oder durch
beides, und zwar hat jede Fabrik ihre ganz
bestimmten, durch Erfahrung gewonnenen
Rezepte oder Verfahren. Für Porträtauf-
nahmen, wie sie der Fachphotograph im
Atelier oder jetzt auch in gewöhnlichen Wohn-
räumen herstellt, ist es wünschenswert, daß
die sog. Expositionszeit so kurz als möglich
gehalten wird, deshalb sucht der Fachphoto-
graph nach Platten der höchsten Empfind-
lichkeit; ebenso sind für Momentaufnahmen
von bewegten Objekten, wie sie jetzt überall
in so großer Menge hergestellt werden, die-
jenigen Platten die gesuchtesten, welche die
höchste Empfindlichkeit aufweisen. Platten
werden daher nach ihrer hohen Empfind-
lichkeit gewertet. Man mißt die Empfind-
lichkeit nach verschiedenen Skalen, z. B. nach
Graden Warnerke, Graden Scheiner
usw. (leider sind die Angaben der Fabriken
über die Grade der Empfindlichkeit usw.
nicht immer unbedingt zuverlässig). Wie
hochempfindlich Platten gegenwärtig herge-
stellt werden können, erhellt aus der Tat-
sache, daß man gut durchgearbeitete Auf-
nahmen im Freien, z. B. von fahrenden
Automobilen, Sportaufnahmen usw. bei gutem
Licht mit modernen, lichtstarken Objektiven
in weniger als V2000 Sekunde und in ge-

wöhnlichen hellen Wohnräumen Moment-
aufnahmen von einzelnen Personen und
kleinen Gruppen in Bewegung (in etwa
V15 Sekunde) machen kann. Ebenso ist
man imstande, bei Nacht, also unter Aus-
schluß von Tageslicht, bei Gasglühlicht (na-
mentlich hängendem Glühlicht) in 3—10 Se-
kunden gute Porträtaufnahmen (besonders auf
orthochromatischen Platten) zu machen.
Neben der hohen Empfindlichkeit ist auch
die Kraft der Platten eine notwendige Eigen-
schaft guter Fabrikate, d. h., daß sie in ge-
eigneten Entwicklern in nicht zu langer Ent-
wicklungszeit kräftige Negative ergeben, die
gute Abzüge — Kopien — liefern, und schließ-
lich muß noch die sogenannte Graduierung
— d. h. die korrekte Wiedergabe der höchsten
Lichter, der Halbtöne und der tiefsten
Schattendetails der zu photographierenden
Objekte — als besonders wichtig hervorge-
hoben werden. Dies gilt namentlich für den
Fachphotographen bei Porträtaufnahmen.
Daß die Platten klar arbeiten müssen, d. h.
nur an den wirklich belichteten Stellen im
Entwickler einen Silberniederschlag geben
dürfen, also keinen „Schleier“ haben, ver-
steht sich von selbst; auch sollen gute Platten
eine genügende Haltbarkeit über Jahr und
Tag besitzen, d. h. nicht schleierig werden
und nicht nach längerer Zeit nur kraftlose,
sogenannte „flaue“ Negative geben. Die Her-
stellung solcher Platten von guter Qualität
und höchster Empfindlichkeit bietet beson-
dere Schwierigkeiten, und deshalb stehen der-
artige Platten am höchsten im Preise. Ge-
wöhnliche photographische Platten
sind hauptsächlich empfindlich für violette,
blaue und blaugrüne Strahlen; die unserem
Auge am hellsten erscheinenden gelben,
orange und gelbgrünen Strahlen werden nur
ungenügend von der photographischen Platte
wiedergegeben. Diesem Übelstande helfen die
orthochromatischen Platten ab, die
wir einer Entdeckung des um die Photogra-
phie außerordentlich verdienten Prof. H.W.
Vogel in Berlin verdanken. Vogel fand im
Jahre 1873, daß durch Zufügung gewisser
Farbstoffe — Sensibilisatoren, wie sie
Vogel nannte — zum Brom- oder Jodsilber
dieses bedeutend empfindlicher für die grünen,
gelben und orange Strahlen gemacht wird.
Die „orthochromatischen Platten“ des
Handels, die hauptsächlich neben der Blau-
empfindlichkeit der gewöhnlichen Platten
auch hohe Empfindlichkeit für gelb, gelb-
grün und orange besitzen, werden zum größ-
ten Teil durch Hinzufügen von Erythrosin-
oder Erythrosin-Silber-Lösung zur Emulsion
hergestellt. Gute Platten der Art sind über
Jahr und Tag haltbar und können jetzt ebenso
empfindlich hergestellt werden, wie gewöhn-
liche Platten. Sie zeigen selbstredend bei
künstlichem Lichte, das verhältnismäßig rei-
cher an gelben und grünen Strahlen ist als
Tageslicht, wie z. B. Gasglühlicht, Petroleum-
licht oder elektrisches Licht, höhere Empfind-
lichkeit als die gewöhnlichen Platten und
werden jetzt von vielen bedeutenden Fabriken