﻿Photographische Trockenplatten 376 Photographische Trockenplatten

zu demselben Preise, wie gewöhnliche Platten
verkauft. Sie müssen natürlich in besonders
sorgfältig ausgewähltem rotem Lichte ent-
wickelt werden — man läßt bei der Ent-
wicklung selbst nicht zu viel rotes Licht
auf sie fallen — bieten aber sonst bei der Be-
handlung weiter keine Schwierigkeiten. Sie
sollten deshalb in allen Fällen, wo farbige
Objekte zu photographieren sind, vorzugs-
weise verwendet werden. Hat man in den
zu photographierenden Objekten sehr viel
Blau, wie z. B. bei der Reproduktion von
Gemälden, oder auch bei Hochgebirgs-
aufnahmen mit Gletscherhintergrund usw.,
so muß man sich eines sogenannten Gelb-
filters bedienen, um die überwiegenden blauen
Strahlen abzuschneiden, da selbst die ortho-
chromatischen Platten noch höhere Emp-
findlichkeit für blaue Strahlen, als für die
grünen und gelben besitzen. Für den Drei-
farbendruck, wie überhaupt für die Farben-
photographie, benutzt man sogenannte pan-
chromatische Platten, die auch für rote
Strahlen empfindlich sind. Diese werden
durch „Sensibilisieren“ mit Äthylrot, Pina-
chrom, Pinacyanol usw. hergestellt, sind aber
nur mit größter Vorsicht zu verarbeiten und
nur für ganz spezielle Zwecke und von er-
fahrenen Fachkennern zu verwenden. Photo-
graphiert man im Freien gegen das Licht,
oder macht man Zimmeraufnahmen gegen
die Fenster, oder überhaupt Aufnahmen von
Objekten, die sehr große Lichtkontraste auf-
weisen — z. B. spiegelnde Metallflächen oder
dergleichen — so treten häufig die gefürch-
teten „Lichthöfe“ auf, d. h. breite Säume um
die hellsten Stellen, oder auch — wie z. B.
bei Fenstern — werden alle Details ver-
wischt. Dagegen helfen licht hoffreie Plat-
ten, die man entweder herstellt durch Hinter-
streichen der gewöhnlichen Platten mit be-
stimmten farbigen Lacken oder Lösungen
(z. B. Antisol, Rotlack, Karamell usw.) oder
durch Vorpräparation des Glases mit einer
gefärbten Gelatineschicht (sogenannte Iso-
larplatten), oder indem man eine sehr un-
empfindliche, silberreiche, undurchsichtige
Emulsion auf das Glas gießt und darauf erst
die hochempfindliche Schicht bringt (soge-
nannte Doppelschichtplatten). Durch alle
diese Mittel wird verhindert, daß die Licht-*
strahlen an den hellsten Stellen die Emul- -
sionsschicht durchdringen, auf das Glas
treffen und von dem Glase wieder zurück-
gespiegelt werden, wodurch eben die Licht-
höfe entstehen. Natürlich sind solche Platten
schon in der Herstellung teurer, als die ge.-,
wohnlichen. Für die Reproduktion von Strich-
zeichnungen, von Katalogabbildungen, von
Kartenblättem oder Illustrationen aus Bü-
chern usw. bedient man sich sogenannter
„photomechanischer Patten“. Diese sind
sehr unempfindlich, haben keine sogenannten
Halbtöne, sondern geben nur den weißen
Grund des Originals ganz schwarz, viel dichter
gedeckt als gewöhnliche Platten, wieder, wäh-
rend die schwarzen Linien usw. ganz glas-
klar, viel klarer als bei gewöhnlichen Platten,

kommen, so daß hier große Kontraste erzielt
werden, und die Kopien wirklich schwarze
Linien auf ganz weißem Grunde ergeben, wie
man dies bei gewöhnlichen Platten selbst
durch Verstärkung nicht erzielen kann. Zur
Herstellung von Projektionsbildern oder Ste-
reoskop- bzw. Fensterbildern — sogenannten
Diapositiven — benutzt man „Diapositiv-
platten“, die sehr schöne, gefällige Töne
erzielen lassen, sehr fein im Korn sind und
außerordentlich klar arbeiten. Sie werden
gewöhnlich mit Chlor-Bromsilber-Emulsion
hergestellt und können, da sie im Verhält-
nis sehr wenig lichtempfindlich sind, für
gewöhnliche Aufnahmen kaum benutzt wer-
den. Was die Haltbarkeit aller dieser
Plattensorten anbetrifft, so sind am haltbar-
sten die wenigstempfindlichen Plattensorten,
wie sie der Durchschnittsamateur, Land-
schaftsphotograph und auch technische Photo-
graph vielfach benutzt. Solche sehr wenig
empfindlichen Platten haben sich schon bis
10 Jahre lang brauchbar erhalten, abgesehen
von einem leichten „Randschleier“. Sehr hoch-
empfindliche Platten sind doch noch über
1 Jahr haltbar. Verhältnismäßig am wenig-
sten haltbar sind orthochromatische Plat-
ten, aber auch von diesen Platten hat man
Beispiele, namentlich von ortho-lichthof-
freien (Isolar- oder Doppelschicht-)Platten,
daß sie sich über 2 Jahre gut gehalten haben.
Besonders schädliche Einwirkung auf die Halt-
barkeit aller Trockenplatten haben Gasaus-
dünstungen, selbstverständlich auch Schwefel-
wasserstoffausdünstungen. In einem gut ven-
tilierten, trockenen, nicht zu sehr überheizten
Raume halten sich die Platten am längsten.
Hingewiesen sei noch auf die möglicherweise
schädliche konstante Einwirkung von elek-
trischem Bogenlicht, das viel ultraviolette
Strahlen enthält, welche die Pappschachteln
durchdringen und die Platten nach und nach
verschleiern können. — Neben den auf Glas prä-
parierten Platten hat man auch Zelluloid-
Films, entweder als Rollfilms oder als
Planfilms. Alle diese Zelluloid-Films
sind weniger haltbar, als Trockenplatten
(auf Glas), da die Ausdünstungen des im Zellu-
loid enthaltenen Kampfers der Emulsion scha-
den, und sind wohl auch nicht stets ganz so
zuverlässig wie Glasplatten, so daß For-
schungsreisende die Trockenplatten vorziehen.
Große Vorteile der Zelluloid-Films sind
ihre ungemeine Leichtigkeit, so daß man auf
Reisen, bei Bergbesteigungen usw. viel Auf-
nahmematerial bequem mit sich führen kann.
Dazu kommt die Unzerbrechlichkeit und die
Möglichkeit, beliebig viele Aufnahmen auf
den sogenannten Tageslicht-Rollfilms, oder
Film-Packs, oder Einzel-Filmpackungen, die
durch besondere Vorkehrungen bei Tages-
licht gewechselt werden können, zu machen,
ohne eine Dunkelkammer benutzen zu müssen.
Die Rollfilms können auch bei -Tageslicht
ohne Dunkelkammer in bestimmten, dafür
eingerichteten Apparaten entwickelt und
fixiert werden. Zelluloid-Films sind wesent-
lich höher im Preise als Glasplatten (s. Films).