﻿Phtalsäure

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Pikrinsäure

— Zoll: Photogr. Glasplatten s. Tarif Nr. 749.
Films Nr. 640.

Phtalsäure (Benzolorthodikarbon-
säure) entsteht bei der Oxydation von Naph-
talin und Naphtalintetrachlorid durch Sal-
petersäure, oder von Orthoxylol und Ortho-
toluylsäure mit Kaliumpermanganat, oderauch
von Alizarin mit Salpetersäure oder mit Braun-
stein und Schwefelsäure. Sie wird technisch
in großen Mengen, hauptsächlich aus Naph-
talin und Schwefelsäure unter Zusatz von
Quecksilbersalzen oder seltenen Erden als
Kontaktsubstanzen hergestellt. Die reine, aus
Wasser umkristallisierte P. bildet farblose
Kristalle, welche in kaltem Wasser schwer,
in heißem Wasser, Alkohol und Äther aber
leicht löslich sind. Beim raschen Erhitzen
auf 213° schmilzt die P. und verwandelt sich
dabei unter Abspaltung von Wasser in das
Phtalsäureanhydrid. Das letztere, welches
gewöhnlich im Handel als Phtalsäure ge-
führt wird, bildet bei 128° schmelzende Kri-
stalle, welche bei 284° sieden und in langen
Nadeln sublimieren. Die P. und ihr Anhydrid
vereinigt sich mit Phenolen zu sog. Phtalei'nen,
mit Resorzin z. B. zu dem Fluoreszein,
und bildet ein wichtiges Ausgangsmaterial
für die Teerfarbenindustrie. — Zoll: S. Tarif
Nr. 24,6.

Physostygmin (Eserin), das sehr giftige
Alkaloid der Kalabarbohne, ist eine starke
Base und bildet dünne kristallinische Blätt-
chen von rhombischer Form, die sich in
Äther, Alkohol und Chloroform lösen und bei
102° schmelzen. Ein einziger Tropfen einer
Lösung, die nur 1 mg P. enthält, bewirkt
sofort eine starke, lang andauernde Zusam-
menziehung der Pupille des Auges. Man ver-
wendet das P. daher in der Augenheilkunde,
gewöhnlich in Form des Sulfates (schwefel-
saures Physostigmin). — Zollfrei.

Piassava (Piassabo, frz. Piassave, engl.
Para grass, Monkey grass) ist eine starke,
äußerst haltbare Pflanzenfaser, die aus
Brasilien und Venezuela zu uns gebracht wird
und von der Strickpalme, Attalea funi-
fera (Mart.), abstammt. Sie besteht aus den
zähen Fasern der Blattscheiden, welche nach
Zerstörung der übrigen Gewebsteile durch
die Atmosphäre an den Stämmen frei herab-
hängen. Die Fasern sind fischbeinartig
elastisch, glanzlos, von dunkelbrauner Farbe,
fast immer abgeplattet, bis zu einem Meter,
selten darüber lang, und 0,8—2,5 mm dick.
In den Ursprungsländern fertigt man aus der
P. Matten, Seile und Taue, während sie bei
uns zur Herstellung fast unverwüstlicher
Straßenbesen (Piassavabesen), Straßen-
kehrmaschinen und grober Bürsten benutzt
wird. Ferner kommt noch Afrikanische P.,
von einer Palmenart, Raphia vinifera,
auf den Markt, die aber spröder und daher
weniger geschätzt ist, als die brasilianische. —
Zoll: S. Tarif Nr. 68. Matten aus P. s. Tarif
Nr. 589. Besen, Bürsten s. Tarif Nr. 596 ff.
Piassavaersatzstoff s. Tarif Nr. 642.

Pichi, eine Droge, die aus den getrock-
neten Stengeln und Blättern einer zu den

Nikotianeen gehörigen, in Chile heimischen
Pflanze, Fabiana imbricata, besteht, wird
als Heilmittel gegen Krankheiten der Schafe
und Ziegen empfohlen. Das aus der P. her-
gestellte Fluidextrakt findet gegen Erkran-
kungen der Leber und der Harnwege Anwen-
dung. — Zoll: P. ist zollfrei. P.-Extrakt s.
Tarif Nr. 386.

Pichlirimbohnen (Muskatbohnen, Bra-
silianische Bohnen, lat. Fabae pichurim,
frz. Föves de Brasil, engl. Beans of Brasil)
sind die Samenkerne eines namentlich in
Brasilien wachsenden lorbeerartigen Gewäch-
ses, Noctandra Puchury, und zwar kom-
men kleine und große P. in den Handel. Die
Pflanzen tragen fleischige Früchte, aus denen
der Kern herausgenommen, von der Samen-
schale befreit und am Feuer getrocknet wird.
Die gespaltenen, Eicheln ähnlichen Stücke
sind ziemlich hart, außen graubraun, innen
fleischfarben gelblich und mit braunen Punk-
ten marmoriert, sowie von etwas mehliger und
öliger Beschaffenheit. Ihr Geschmack und
Geruch erinnert an ein Gemisch von Muskat
und Sassafrasholz. Sie enthalten neben ihrem
würzhaften Öl auch Gerbstoff und werden
an Stelle der Muskatnüsse als Gewürz be-
nutzt. Früher wurden sie gegen Kolik und
ruhrartige Zustände angewandt. — Zollfrei.

Pikee (frz. Piquö, engl. Guilting, Marseille),
ein baumwollenes Gewebe, welches infolge
von abwechselnd erhöhten und vertieften
Stellen wie gesteppt (piquö) erscheint, gehört
zu den Doppelgeweben, d. h. es werden bei
seiner Herstellung zwei übereinanderliegende
Ketten verwendet, von denen jede besonderen
Einschuß erhält. Die Verbindung beider
Ketten erfolgt dadurch, daß zeitweise ein-
zelne Fäden der einen Kette in die andere
verlegt und durch die Einschußfäden dieser
Kette mit gebunden werden. Für das obere
Gewebe, die rechte Seite oder den Grund,
verwendet man feineres Garn und doppelt
so viel Fäden als für das untere, das sog.
Futter. Die Stellen oder Linien, in welchen
die beiden Gewebe miteinander verbunden
sind, erscheinen zwischen den übrigen Partien
vertieft. Die Pikees sind entweder ganz weiß
oder einfarbig und mit verschiedenen Mustern
bedruckt, oder durch verschiedenfarbige Ein-
schuß- und Kettenfäden gegittert, gestreift
oder broschiert, und werden zu Westen,
Unterröcken, Negligeeanzügen, Sommerklei-
dern, Vorhemdchen und besonders auch zu
gemusterten Bettdecken verwandt. — Zoll:
S. Tarif Nr. 445 ff.

Pikrinsäure (Pikrinsalpetersäure, Tri-
nitrophenol, Trinitrophenylsäure.Tri-
nitrokarbolsäure, Kohlenstickstoff-
säure, Weiters Bitter, lat. Acidum
carbazoticum, Acidum picrinicum, Acidum
picronitricum, frz. Acide nitrophönisique, engL
Nitrophenisic acid), ein außerordentlich wich-
tiger Artikel des Drogen- und Farbwarenhan-
dels, entsteht häufig bei der Einwirkung starker
Salpetersäure auf organische Stoffe des Tier-
und Pflanzenreiches und zwar sowohl stick-
stoffhaltiger wie stickstoffreier. Jeder gelbe