﻿Pinsel

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Piperin

imitationen. — Die Haarpinsel sollen den
verschiedenartigsten Ansprüchen genügen,
und eben so verschiedenartig ist auch Große
und Material derselben. Für die Ölmalerei,
wozu auch die Porzellanmalerei zu rechnen
ist, werden in der Hauptsache Pinsel aus den
Schweifhaaren des russischen Kolinskys
(Rotmarderpinsel), des deutschen und
russischen Iltis (Iltispinsel), des russi-
schen Eichhörnchens (Fehhaarpinsel),
aus den feinen Ohrenhaaren des Rindes
(Rindshaarpinsel) und aus den Fell- und
Sch weif haaren des Zobels und Ichneu-
mons (Zobel- und Ichneumonspinsel) ge-
fertigt und teils in Kiele der verschiedensten
Größen — vom kleinsten Taubenkiel an bis
hinauf zum stärksten Schwanenkiel — sowie
in Blech-, Nickel- oder versilberte Zwingen
gefaßt. Die Pinsel in Zwingen, auf Holz-
stielen befestigt, werden sowohl in runder
Form, als auch flach gedrückt, verwendet.
Früher wurden auch für gewisse Zwecke
Pinsel aus Braunmarderhaaren — vom
Baum- und Steinmarder — sowie aus
Fischotterhaaren hergestellt, doch sind
diese in der Hauptsache durch Iltispinsel
verdrängt worden. Für die Ölmalerei werden
mit Vorliebe auch Pinsel aus Borsten, in
runde oder flachgedrückte Zwingen gefaßt
und auf Holzstielen befestigt, verwendet. Die
Borsten für diese Art Pinsel sind von aus-
gesuchter Qualität und eigens für diesen
Zweck präpariert. — In der Aquarell-
malerei werden außer den vorerwähnten
Pinseln für die Ölmalerei noch Pinsel aus
Dachshaaren gebraucht. Sie sind entweder
in Kiele (runde Dachsvertreiber ge-
nannt) oder in breite Bleche (breite Dachs-
vertreiber) gefaßt und dienen, wie schon
der Name sagt, zum Vertreiben oder La-
sieren der Farben. — Nicht unwichtig sind
ferner die Ziegenhaare, die zur Herstellung
der billigeren Sorten Haarpinsel erforderlich
sind, sowie die Haare des schwarzen Bären.
Letztere finden zu mancherlei Pinselarten Ver-
wendung, in der Hauptsache jedoch zu Lackier-
pinseln, welche unter dem Namen Fisch-
pinsel bekannt sind. Unter dieselbe Kate-
gorie fallen auch die Pinsel aus Iltishaaren
und aus Fischotterhaaren, auf welche wohl
die allgemeine Benennung Fischpinsel zu-
rückzuführen ist. — Hinsichtlich der Ge-
winnung und Zubereitung der Haare, ins-
besondere der Borsten seien noch folgende
Mitteilungen angefügt: Die Borsten unter-
liegen ,ebenso wie die Haare, von ihrem Roh-
zustände an bis zu ihrer Verarbeitung zu
Pinseln einer sorgfältigen Behandlung. Wäh-
rend die Haare, um sie von allen Unreinig-
keiten wie z. B. Fett, zu befreien, in Säuren
gelegt, oder wie speziell die edleren Haar-
sorten Rotmarder, Iltis usw. in einer großen,
mit Zedernholzspänen angefüllten und durch
ein darunter angelegtes Feuer erwärmten
Trommel, „geläutert“ werden, muß die Pinsel-
borste bis zu ihrer Verarbeitung eine bei
weitem umfangreichere Behandlung durch-
machen, d. h. sie muß präpariert werden.

Die Borsten werden im Rohzustand, vor-
zugsweise vom russischen Schwein, nach-
dem dieses getötet und gebrüht ist, ge-
wonnen und gesammelt. Hierauf werden
sie getrocknet, in die verschiedenen Sorten
und Farben, wie grau, falb und weiß,
sowie in Qualitäten, als steif, halbsteif und
weich, aussortiert und auf große Büschel ge-
bunden. Vom Borstenhändler in den Handel
gebracht, werden sie in diesem Zustand vom
Pinsel- und Bürstenfabrikanten zur Verarbei-
tung aufgekauft. Bevor jedoch die Borsten
zur Fabrikation zu verwenden sind, müssen
sie nach der Desinfektion zunächst gekocht
werden, d. h. sie werden in kleinen Büscheln
auf Holzstäbchen gebunden und 2 Stunden
in siedendem Wasser gekocht, wodurch sie
gerade und kräftig werden. Die weißen Bor-
sten säuert man noch nach dem Waschen,
um eine schöne weiße Farbe hervorzubringen.
In einem eigens dazu erbauten Ofen ge-
trocknet, werden die Borsten nunmehr in
einem besonderen Raum gemischt und auf
Längen gezupft. Erst wenn diese Arbeit
erledigt ist, können sie ihrem bestimmten
Zweck, d. h. dem Pinselmacher zur Verarbei-
tung überlassen werden. — Um auch billige
Borstenpinsel herstellen zu können, mischt
man den Borsten, je nach gewünschter Qua-
lität, Pferde- oder Kuhhaare bei, die eben-
falls vor ihrer Verwendung gereinigt und
gekocht werden müssen. Die steife und halb-
steife Ware verwendet hauptsächlich der
Bürstenfabrikant. Der Prozeß in der Behand-
lung ist der gleiche wie bei der Pinselfabri-
kation. S. auch Artikel Borsten und Haare.
— Zoll: S. Tarif Nr. 596/97. 599.

Piperazin (Piperazinum), ein neueres
Arzneimittel, wird durch Behandlung von
Äthylenbromid mit Ammoniak, nachfolgen-
des Erwärmen mit Natriumnitrit und Zer-
setzung des entstehenden Dinitroso-P. als eine
farblose Kristallmasse dargestellt. Die als
Diäthylendiamin anzusprechende Verbin-
dung zieht leicht Wasser und Kohlensäure
an, schmilzt bei 104—107° und siedet bei 145°.
P. wird als harnsäurelösendes Mittel bei Gicht,
Steinbeschwerden und Zuckerkrankheit ver-
ordnet. Von seinen Verbindungen finden das
Salizylsäure und chinasaure P. gleiche
medizinische Anwendung. — Zollfrei.

Piperin (lat. Piperinum, frz. Piperine), die im
schwarzen, weißen und langen Pfeffer
enthaltene stickstoffhaltige Base, bildet kleine,
farblose, glasglänzende Kristallnadeln, die in
Wasser selbst in der Siedehitze nur wenig
löslich sind, sich dagegen leicht in kochen-
dem Weingeist, Benzol, Chloroform und
Äther lösen. Das P. ist geruchlos und ge-
schmacklos, wird aber durch Kochen mit al-
koholischer Kalilauge in Piperidin und pi-
perinsaures Kalium verwandelt, von denen
ersteres, eine stark basische Flüssigkeit, nach
Pfeffer riecht. — Sumatrapfeffer soll zirka
8°/o, Singaporepfeffer zirka 7o/o, Penangpfeffer
5% und weißer Pfeffer durchschnittlich 9»/oP.
enthalten. P. und Piperidin werden neuerdings
zuweilen medizinisch verwendet. — Zollfrei.