﻿Piperonal

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Platin

Piperonal (Methylenprotokatechual-
dehyd, Heliotropin) entsteht bei der Oxy-
dation von Isosafrol in Form feiner weißer
Kristalle, welche bei 37° schmelzen und bei
263° sieden. Das P. wird als Parfüm ver-
wendet. — Zoll: S. Tarif Nr. 354.

Pipi-raiz, die Wurzel der in Brasilien ein-
heimischen, zu den Phytolacceen gehöri-
gen Petiveria hexaglochin, bildet hin
und her gebogene Stücke von graubrauner
Farbe und 3—6 mm Dicke und wird im Ur-
sprungslande medizinisch angewandt. —
Zollfrei.

Pipitzahoinwurzel (lat. Radix pipitzahoinae,
Radix pereziae, frz. Racine pipitzahuac, engl.
Pipitzahuak root), eine aus Mexiko kommende,
stark abführend wirkende Wurzel, stammt
von mehreren Arten der Gattung Perezia,
namentlich von Perezia Schaffneri, Pe-
rezia rigida und Perezia oxylepis. Die
wirksame Substanz der Wurzel ist die Pi-
pitzahoinsäure oder das Perezon, ein
Allylderivat des Oxybenzochinons. Es bildet
kleine, schön goldgelbe Kristallblättchen, die
bei 103—104° C schmelzen und dabei schon
zu sublimieren anfangen. Die Säure löst sich
leicht in Alkohol, Äther, Chloroform und
Benzol. Mit den Alkalien gibt sie Salze, deren
Lösungen tiefrot-violett gefärbt sind. — Ver-
wendung finden die Wurzel und die Säure als
kräftig abführendes Mittel, namentlich bei
Hämorrhoidalleiden. — Zollfrei.

Pistazien (grüne Mandeln, lat. Nuces
pistaciarum, frz. Pistache, engl. Pistachio nuts)
sind die Fruchtkerne oder, wenn sie noch
in ihrer harten Schale liegen, die ganzen
Steinfrüchte der echten Pistazie (Pistacia
vera), eines kleinen, zu den Terebintha-
ceen gehörenden Baumes, der in Arabien,
Syrien und Persien heimisch ist, übrigens in
Kleinasien, in Nordafrika (Tunis) und nament-
lich auf Sizilien auch angebaut wird. Der Baum
hat männliche und weibliche Blüten auf be-
sonderen Stämmen verteilt, so daß zur Be-
fruchtung in den Pflanzungen auch männ-
liche Exemplare mitgehalten werden müssen.
Die Früchte sind länglich und zugespitzt, von
der Größe und Form einer Hasel- oder Lam-
bertsnuß, haben äußerlich ein dünnes, runz-
liges lederartiges Fleisch von grünlicher oder
rötlicher Farbe und innerhalb der holzig har-
ten, zweiteiligen Schale einen länglichen, drei-
kantigen Kern, der von einer graurötlichen
Samenhaut umschlossen ist. Die beiden Keim-
lappen besitzen durch ihre ganze Masse eine
hübsche mehr oder weniger grüne Färbung.
Der Geschmack des ölreichen Kerns ist dem
der süßen Mandeln ähnlich, nur noch süßer
und öliger und mit einem besonderen ange-
nehm bitterlichen Beigeschmack. Je nach-
dem die ganzen Früchte oder die entschälten
Kerne die Ware bilden, unterscheidet man
Pistazien nü ss e und Pistazien kerne. Die
levantische Ware gilt als die bessere, kommt
aber selten oder doch nicht unvermischt zu
uns. Meist findet sich die sizilische Ware im
Handel, deren Kerne außen violett, innen
grün erscheinen und sehr veränderliche

Größe zeigen. Die Kerne von Tunis sind
klein, außen rötlich, innen lebhaft grün, und
werden deshalb von Konditoren sehr gesucht,
während die großen, aber innen gelben
Aleppo-P. wenig begehrt sind. Statt ihrer
nehmen die Konditoren häufig grün gefärbte
Mandeln. Außerdem dienen die P. wie Man-
deln als Dessert, Zusatz zu Magenmorsellen
u. dgl. Die Ware ist nicht lange haltbar,
sondern wird infolge ihres starken Ölgehaltes
leicht ranzig. — Zoll: S. Tarif Nr. 51. 54.

Pittakal (Eupittonsäure), ein Farbstoff,
der schon längst als ein bereits fertig gebil-
deter Bestandteil des Holzteers bekannt ist,
der aber auch durch Oxydation von Pyro-
galloläther und Methylpyrogalloläther künst-
lich hergestellt werden kann, ist seiner che-
mischen Zusammensetzung nach als Hexa-
oxymethylaurin zu betrachten. Das P. ist
mehrfach für die Färberei empfohlen worden,
hat sich aber bis jetzt noch nicht einbür-
gern können. Es färbt tierische Fasern in
sauerer Lösung orange, in ammoniakalischer
und besonders bei Gegenwart von Zinnbeize
blauviolett. Das aus Holzteer bereitete P.
bildet blaue, dem Indigo ähnliche, in Wasser
unlösliche Stücke, das künstliche ist kristal-
linisch. Die alkalischen Lösungen sind blau
und werden durch Zusatz von Essigsäure rot.
— Zollfrei.

Plasmon, ein neues Nährpräparat, wird
durch Behandlung von Kasein mit Natrium-
bikarbonat hergestellt und besteht aus lös-
lichem Kaseinnatrium. P. wird auch als Sie-
bolds Milcheiweiß bezeichnet. — Zoll:
S. Tarif Nr. 217.

4 Platin (Platina, lat. Platinum, frz. Platine,
engl. Platinum), das bekannte Edelmetall und
unentbehrliche Hilfsmittel des Chemikers,
Physikers und Technikers, wurde in der Mitte
des 18. Jahrhunderts in dem goldhaltigen
Sande des Rio Pinto in Neu-Granada und
anderer mexikanischer und südamerikanischer
Flüsse entdeckt. Man hielt es anfangs für
ziemlich wertlos und nannte es nach dem
spanischen Namen für Silber, Plata, Platina
d. h. Kleinsilber. Im Jahre 1822 wurden er-
giebige Lager im Ural und später in Kali-
fornien und Australien erschlossen, während
die vereinzelten deutschen Vorkommnisse in
Ibbenbüren und Wilhelmshütte im Harz nur
geringe Bedeutung besitzen. Das P. findet
sich in der Natur stets im metallischen Zu-
stande, aber nicht rein, sondern in Legierung
mit einer Reihe nahe verwandter Elemente:
Iridium, Palladium, Rhodium, Osmium und
Ruthenium, mit denen es zu der Gruppe der
Platinmetalle zusammengefaßt wird. Meist
sind die Flitter und Körnchen dieser Le-
gierungen in dem Schwemmsande der Flüsse,
den Seifen, mit Resten von Mineralien ver-
mischt oder auch zu größeren Konglomera-
ten verwachsen und verkittet, die als Platin-
erze bezeichnet werden. Nach ihrem Platin-
gehalte, der zwischen 60 und 88°/o schwankt,
werden sie in verschiedene Wertstufen unter-
schieden. Zur Reindarstellung des P. werden
die Erze zunächst mit heißer Salzsäure von