﻿Platin

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Plüsch

den unedlen Metallen, darauf mit kaltem
Königswasser vom Golde befreit und schließ-
lich mit heißem Königswasser behandelt. Die
Lösung, welche mit Ausnahme von Iridos-
mium alle Platinmetalle enthält, wird mit
Ammoniak und Salmiak gefällt, und der Nie-
derschlag durch Glühen in iridiumhaltigen
Platinschwamm verwandelt. Nach dem
Verfahren von Pleraeus löst man die Platin-
erze in verdünntem Königswasser unter
Druck, dampft die Lösung ein und erhitzt
den Rückstand auf 125°, wodurch das Palla-
dium- und Iridiumchlorid in die Chlorüre
übergeführt werden. Nach dem Aufnehmen
mit Salzsäure und Fällen mit Chorammonium
erhält man nun das P. ziemlich frei von Iri-
dium. Noch andere Verfahren bedienen sich
des Ätznatrons oder des Ätzkalkes, um aus
der zuerst mit Königswasser erhaltenen Lö-
sung das Eisen, Kupfer, Iridium und Rho-
dium auszufällen. Der nach der einen oder
anderen Methode erhaltene P.-Schwamm
bildet nach dem Zerreiben ein graues Pulver,
welches nur bei der Hitze des Knallgas-
gebläses in Tiegeln oder vertieften Herden
aus gebranntem Kalk geschmolzen werden
kann. Die geschmolzene homogene Masse
besitzt eine grauweiße Farbe und ein spez.
Gew. von 21,4. Sie ist so gefügig und be-
arbeitbar wie das beste Kupfer, zähe und ge-
schmeidig, läßt sich gießen und hämmern,
zu Draht ausziehen und zu Blech walzen.
Für die meisten Zwecke der Praxis ist ein
gewisser Iridiumgehalt vorteilhaft. Legierun-
gen mit 10—15°/o Iridium widerstehen der
Hitze und Säuren besser, und solche mit 20°/o
Iiidium sind selbst gegen Königswasser wider-
standsfähig. Wegen seiner vortrefflichen
Eigenschaften, seiner Beständigkeit gegen
Feuer und Chemikalien wird das P. zu zahl-
reichen Geräten des chemischen Laboratori-
ums, Blechen, Tiegeln, Retorten und Schalen
verarbeitet. Flußsäure wird in Platinflaschen
aufbewahrt und Schwefelsäure in Platinkesseln
eingedampft. Allerdings sind bei seiner Ver-
wendung gewisse Vorsichtsmaßregeln zu be-
obachten. Das Platin muß in erster Linie
vor der Berührung mit glühenden Kohlen
und rußenden Flammen geschützt werden,
weil es sonst durch Bildung von Kohlenstoff-
Platin brüchig wird. Auch darf es nicht
zum Schmelzen von Metallen (besonders Blei)
und von ätzenden Alkalien, sowie zum Ar-
beiten mit Chlor, Crom, Jod, Phosphor und
Schwefel benutzt werden. —-In einer beson-
ders feinen Verteilung, Platinschwamm,
erhält man das Metall beim Glühen von Platin-
salmiak, und in Form eines höchst feinen
schwarzen Pulvers, Platinmohr oder Pla-
tinschwarz, wenn, man die mit Kalilauge
vermischte Königswasserlösung mit Alkohol,
Zucker oder Zink reduziert. Dieses Pulver hat
die Eigenschaft, große Mengen Sauerstoff,
bis zum lOOfachen seines Volumens in seinen
Poren zu verdichten und dadurch in einen
weit aktiveren Zustand zu versetzen. Es wird
daher im Schwefelsäure-Kontaktverfahren und
zur Herstellung selbsttätiger Gaszünder ver-

wandt. Das Platin dient außer zu den ge-
nannten chemischen Gerätschaften zur Her-
stellung von Normalmaßen, ferner auch in.
Legierung mit Gold oder Silber in der Zahn-
technik und zum Platinieren anderer Metalle
für Blitzableiterspitzen, Wageschalen und
Gewichtssätze, in P'orm seiner Verbindungen
(s. Platinchlorid) zum Tonen in der Photo-
graphie statt der Goldbäder, zum Bemalen
von Porzellan und Steingut, und zur Her-
stellung von Spiegeln. Der Preis ist außer-
ordentlich schwankend und soll durch Ein-
schränkung der russischen Produktion ab-
sichtlich hoch gehalten werden. Im Jahre
1907 betrug er 5 M. pro g, die Ausbeute
7000 kg. — Zoll: Platin und Platinmetalle
s. Anmerkung zu Unterabschnitt 16a.

Platinchlorid (Chlorplatin, lat. Platinum
chloratum, frz. Chlorüre de platine, engl.
Chloride of platinum) wird durch Auflösen
von Platinmetali in heißem Königswasser und
vorsichtiges Eindampfen in Form dunkelroter
Kristalle erhalten, welche sich in Wasser mit
gelber Farbe lösen. P. dient zur Herstel-
lung von Platinlüster auf Glas und Porzellan,
in der analytischen Chemie zur quantitativen
Bestimmung des Kaliums, und in der Photo-
graphie zu Tonbädern und zur Herstellung
von Platinpapieren. — Zollfrei.

PlatinoYd, eine Metallegierung, besteht aus
Neusilber (Argentan) mit einem Gehalt von
1—2°/o Wolframmetall. — Zoll: Wie Bri-
tanniametall.

Plattierte Waren sind Metallgegenstände,
welche aus einem geringwertigen Metalle be-
stehen, das mit einem Blättchen oder mit
dünnem Blech eines wertvolleren Metalles
oder einer Legierung überzogen ist. Kupfer
oder Neusilber bilden meist den Körper,
Silber, seltener Gold, die Decke. Das Plat-
tieren, welches vor 150 Jahren in England
aufkam, hat seit Einführung des Neusilbers
und der vernickelten Waren, sowie seit dem
Auftreten der galvanischen Versilberung sehr
an Bedeutung verloren. — Meistens werden
die zur Herstellung plattierter W. bestimmten
Bleche von unedlem Metall gleich mit etwa
papierdicken Silberblättern belegt, indem man
das Blatt über die Ränder der Platte um-
biegt, beide über Kohlenfeuer glüht und
durch Anreiben, später durch mehrmaliges
Walzen im glühenden Zustande die feste
Verbindung herstellt. Die Silberlage beträgt
dem Gewicht nach 1/i0—V10 des Ganzen-
Eiserne, nicht aus Blech bestehende Gegen-
stände, wie Teile von Wagengeschirren und
Reitzeug, Türgriffe, Eßbestecke u. dgl. wur-
den früher mit Hilfe von Zinn plattiert,
welches als Lötmittel zwischen Silber und
Eisen trat. Jetzt werden diese Gegenstände
meist vernickelt. — Zoll: S. Tarif Nr. 881 ff-

Plüsch (frz. Peluche, engl. Plush, Shag)
gehört zu den samtartigen Stoffen und unter-
scheidet sich von Samt (s. d.) nur durch
bedeutend längere Behaarung. P. wird so-
wohl ganz in Seide, als auch in Wolle,
Baumwolle und neuerdings in Leinen fabri-
ziert. Doppelplüsch hat Behaarung auf beiden