﻿Podophyllin

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Pomeranzen

Seiten, doch auf der inneren kürzer, in ver-
schiedenen Farben und auch bedruckt. Die
Behaarung ist mitunter so beschaffen, daß
sie irgend ein Pelzwerk nachahmen soll, und
gibt dann gewöhnlich Anlaß, dem Stoffe
andere Namen wie Astrachan u. dgl. bei-
zulegen. — Verzollung: Seidenplüsch s. Tarif
Nr. 404; halbseidener Nr. 404; wollener
Nr. 431; baumwollener Nr. 446/8; aus Spinn-
stoffen des Unterabschnitts 5D: Nr. 491.

Podophyllin (lat. Podophyllinum, frz. Rö-
sine de podophyllum, engl. Resin of podo-
phyllum), der wirksame Bestandteil der Po-
dophy llumwurzel, in welcher er zu 2 bis
2i/20/0 enthalten ist, kommt als amorphe,
dunkelbraune, harzartige Masse in den Han-
del, welche sich in Alkohol und Äther löst.
Das P., welches bei uns medizinisch ver-
wendet wird, ist kein einheitlicher Körper,
sondern ein Gemenge aus zwei kristallisier-
baren Stoffen, dem Podophyllotoxin und
Pikropodophyllin, mit einem amorphen,
dem Querzetin ähnlichen gelben Farbstoffe.
P. findet dieselbe Verwendung wie die P.-
Wurzel (s. d.). — Zollfrei.

Podophy 11 wurzel (Fußblattwurzel,
Entenfußwurzel, lat. Rhizoma podophylli,
frz. Rhizome de podophyllum, engl. Podo-
phyllum root), der getrocknete Wurzelstock
von Podophyllum peltatum, einer im öst-
lichen Teile N ordamerikas verbreiteten Pflanze,
wird oft über ein Meter lang und ist aus
rötlich braunen oder graulichen Stücken von
höchstens 2 dm Länge zusammengesetzt. Die
Bruchstücke tragen an ihrem knotigen Ende
eine vertiefte Stengelnarbe und unterseits un-
gefähr 10 dünne blasse Wurzeln, die leicht
abbrechen. Der Wurzelstock ist bisweilen
verzweigt, sein Querschnitt elliptisch und
höchstens 1 cm im größten Durchmesser.
Im Inneren ist er weiß mit einem dünnen
Kreis von 20—40 gelben Gefäßbündeln. Der
Geruch ist unangenehm narkotisch, der Ge-
schmack widerlich bitter und scharf. Die
P. ist ein in Nordamerika viel gebrauchtes
Arzneimittel gegen Würmer und wirkt auch
brechenerregend. Sie enthält Podophyllin
(s. d.) und Podophyllinsäure. — Zollfrei.

Polio (P oho-Öl, Poho-Essenz) nennt
man die bei der Herstellung des Menthols
aus japanischem Pfefferminzöl hinlerbleibende
Flüssigkeit, welche auch unter der Bezeich-
nung Gouttes japonaises gegen Kopf-
schmerz und Migräne Verwendung findet.

Poleikraut (Flohkraut, lat. Herba pu-
legii, frz. Herbe de pouillot, engl. Poley).
Polei ist eine Art Minze (Mentha Pu-
legium s. Pulegium vulgare), welche in
Süddeutschland und Schlesien, sowie in Mittel-
deutschland nicht selten auf sandigen, zeit-
weiliger Überschwemmung ausgesetzten Stellen
wächst. Die Stengel sind niederliegend, die
gegenständigen Blätter klein, rundlich, drüsig.
Punktiert, die in Quirlen stehenden Lippen-
blüten hell purpurrot oder lila. Das frische
Kraut riecht durchdringend gewürzhaft, der
Geschmack ist brennend und bitter. Die in
der Blüte gesammelte und getrocknete Pflanze

dient als bitteres, aromatisches Volksheilmittel.
Das aus dem blühenden Kraute mit Wasser
destillierte ätherische Öl (Poleiöl, lat. Oleum
pulegii, frz. Essence de pouillot, engl. Poley
oil) ist anfangs farblos, später gelb und riecht
und schmeckt intensiv weinartig. Das öl be-
steht aus dem bei 2210 siedenden Keton
Pulegon und wird wie das Kraut verwandt.

—	Zoll: P.-Kraut ist zollfrei. P.-Öl: 30 M.

Polierschiefer (Silb ertripel), eine leichte,

schiefrig erdige, zerreibliche Masse von gelb-
lich-, graulich- oder bräunlichweißer Farbe,
die sich mager anfühlt, wenig an der Zunge
klebt und vermöge ihrer Lockerheit auf
Wasser schwimmt, nach dem Eindringen des
Wassers jedoch untersinkt, ist eine Abart
des Tripels, und besteht wie dieser aus den
hinterlassenen Kieselpanzern mikroskopischer
Tierchen (Gailione 11a). Nur in Gewicht
und Dichtheit unterscheidet sich der Kleb-
schiefer (Saugschiefer), eine kompakte
dünnblätterige Masse, die sich stark an die
Zunge hängt und gepulvert, wie jener, zum
Putzen von Metallen, Glas usw. dient. Der
P. findet sich in Böhmen bei Bilin und bei
Warnsdorf. Hierzu gehören auch andere
Poliermittel verschiedenen Ursprungs wie
Bimsstein, Wiener Kalk usw.'(s. diese Artikel).

—	Zoll: S. Tarif Nr. 225.

Polpapier zur Auffindung des negativen
Pols elektrischer Batterien besteht aus einem
mit Lösungen von Phenolphtalein und Neu-
tralsalzen (Salpeter, Glaubersalz) getränkten
Filtrierpapier. Beim Anlegen des befeuch-
teten Reagenspapiers an den negativen Pol
wird Alkali in Freiheit gesetzt, welches mit
dem Phenolphtalein eine rote Färbung liefert.

Pomeranzen (frz. Oranges, engl. Oranges),
die Früchte des Pomeranzenbaumes,
Citrus Aurantium, kommen in zahlreichen
Arten mit süßem und mit bitterem und zu-
gleich sauer schmeckendem Safte in den
Handel, doch werden nur die ersteren als
Obst genossen. Die getrockneten Schalen
der bitteren Sorten C. Aurantium Bi-
garadia bilden unter dem Namen Po-
ranzenschalen (lat. Cortex fructuum au-
rantiorum amarorum, frz. Ecorce d'Oranges
ameres, engl. Orange peels) einen Artikel
des Drogenhandels und werden sowohl in
Apotheken und Drogerien, als auch in der
Likörfabrikation verwendet. Man erhält sie
in Form elliptischer, an beiden Enden zu-
gespitzter Segmente, die außen dunkelrotgelb
bis bräunlich gefärbt, ziemlich hart und rauh
und mit zahlreichen Poren, vertrockneten
Ölbehältern, versehen sind. Die Innenfläche
ist, wie bei allen Früchten der Hesperideen,
mit einem schwammigen, gelblichweißen Über-
zug versehen, welcher nach vorherigem Ein-
weichen in Wasser durch Schaben mit dem
Messer entfernt werden kann, aber der Träger
des bitteren Geschmackes ist, während die
gelbe Außenschale (lat. Cortex fructuum
aurantiorum amarorum expulpatus, seu sine
parenchymate seu Flavedo aurantii) äthe-
risches öl enthält. — Eine besondere Art
von Pomeranzenschalen bilden die Curagao-