﻿Portwein

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Porzellan

Porter wird in verschiedenen Stärken von
28o/o,	20—230/0,	15—180/0 und 12—15°/o

Stammwürzegehalt eingebraut. Der Alkohol-
gehalt der stärkeren Sorten beträgt gegen
50/0. — Zoll: S. Tarif Nr. 186.

Portwein, ein zu den süßen Südweinen
gehörender, stark alkoholischer Wein, wird
in Portugal in der Weise hergestellt, daß
man den sehr dunklen Most nach beendeter
Gärung mit Spiritus versetzt. Bei geringeren
Jahrgängen erfolgt außerdem ein Zusatz von
Jerropiga, einem nach Art der Aropa
eingedickten Moste, sowie von Holunder-
beerextrakt. Der P. enthält neben ca. 8%
Extrakt mit 6°/o Zucker, 0,4 °/o Weinsäure,
0,34% Glyzerin und 0,2 °/o Asche, 16—17°/o
Alkohol. Nach längerem Lagern scheidet
der Wein einen Teil des Farbstoffs an den
Flaschenwandungen ab und besitzt dann eine
rot- oder gelbbraune Farbe. — Zoll: S. Tarif
Nr. 180/1.

Porzellan (frz. Porcelaine, engl. Porcelain,
China) nennt man die edelste Klasse der
dichten Ton waren, welche sich durch musche-
ligen, dicht gefritteten Bruch auszeichnen und
in die Unterabteilungen: glasiertes und nicht
glasiertes P., ferner echtes oder hartes, Frit-
ten- oder weiches, Statuen- oder Biskuit-P.
zerfallen. Das Echte oder Hartporzellan
ist eine alte Erfindung der Chinesen, deren
Ursprung in das 9. bis 10. Jahrhundert v. Chr.
verlegt wird. Aus dem Chinesischen stammt
auch die Bezeichnung des P.-Tons, Kaolin,
nach einem an feldspathaltigen Gesteinen
reichen Gebirge. Erst viel später kamen
Porzellangeräte als Handelswaren aus China
durch Holländer und Portugiesen nach
Europa, und von den letzteren rührt der
Name P. nach einer porcella (Schweinchen)
genannten Seemuschel, mit deren Schale die
chinesischen P.-Geschirre einige Ähnlichkeit
hatten. Dem schwungvollen Handel der
Holländer und Portugiesen wurde ein Ende
bereitet durch die Erfindung des deutschen
Porzellans, welche eine Zeitlang zu Unrecht
dem Freiherrn v. Tschirnhausen zuge-
schrieben wurde, nach neueren Untersuchun-
gen des Direktors der Meißner Porzellan-
manufaktur Dr. Heintze aber zweifellos das
Werk Böttchers ist. Dieser auf der
Albrechtsburg festgesetzte Alchymist erfand
an Stelle des erwarteten Goldes im Jahre
1704 das braune, 1709 das erste weiße P.
Später folgten Frankreich (Süvres-P.) und
England (Wedgewood). Als Ausgangsmateria-
lien der Fabrikation dienen Feldspat und
Kaolin, über deren Zusammensetzung in be-
sonderen Artikeln Angaben gemacht sind,
und als Zusätze bisweilen noch Gips, Kreide,
Quarz oder alte Porzellanscherben. Alle Be-
standteile werden, Feldspat und Quarz nach
vorherigem Glühen und Abschrecken in
kaltem Wasser, durch Stampfen, Mahlen und
Schlämmen in das feinste Pulver verwandelt,
und die Brühen in entsprechendem Verhältnis
gemischt. Der abgesetzte weiße Schlamm
tyird durch Filterpressen bis auf einen Feuch-
tigkeitsgehalt von ca. 25% entwässert, durch-

Merck’s Warenlexikon. 5. Aufl.

gearbeitet und, in Ballen geformt, einer
längere Zeit dauernden Gärung oder Rottung
überlassen. Zur Beförderung des Fäulnis-
prozesses, bei dem unter Schwefelwasserstoff-
entwicklung und Schwarzfärbung größere
Gleichmäßigkeit erzielt wird, setzt man bis-
weilen Jauche oder Moorwasser hinzu. Die
Masse wird auf der Töpferscheibe, in Gips-
formen oder aus freier Hand geformt, darauf
in gelinder Wärme, vor Sonne und Luftzug
geschützt, getrocknet und zum ersten Brennen
in den Verglühofen gebracht. Die ein-
zelnen Stücke werden in Kapseln aus Ton
und Schamotte einer Temperatur von 700
bis 800° ausgesetzt, wobei sie durch Zu-
sammensintern des Feldspats mit der völlig
unschmelzbaren Tonerde in eine gleichmäßige,
aber wenig feste und poröse Masse übergehen.
Zu dem nun folgenden Glasieren bedient
man sich einer etwas modifizierten Porzellan-
masse, welche infolge eines geringen Ton-
und erhöhten Kieselsäuregehaltes etwas leich-
ter als das Porzellan selbst schmilzt. Die
Glasur, deren Zusammensetzung derjenigen
des Scherbens entsprechend gewählt wird,
muß strengflüssig sein und gerade dann völlig
schmelzen, wenn die Grundmasse zu er-
weichen beginnt. Die zu glasierenden, porösen
Stücke werden in die zu einer feinen
Milch angeschlämmte Glasur getaucht, saugen
diese auf und kommen dann nach dem
Trocknen wieder in Kapseln. Die Stelle, an
welcher der Gegenstand der Kapsel aufliegt,
muß durch Abschaben von der Glasur befreit
werden, um ein Ankleben zu verhindern.
Durch diesen unglasierten Bodenrand lassen
sich Porzellangefäße von Steingut unterschei-
den. Das Gar- oder Glattbrennen erfolgt
bei höheren, allmählich bis auf 1700° steigen-
den Temperaturen und dauert 16—18 Stunden,
das folgende Abkühlen 3-—4 Tage. Es folgt
das Sortieren der Stücke in Feingut, Mittel-
gut, Ausschuß und Bruch und ev. das Deko-
rieren durch Metalle und Farben. Nur
wenige Farben sind so feuerbeständig, daß
sie die Hitze des zweiten Brandes aushalten
und daher gleich auf das poröse Biskuit, also
unter die Glasur gebracht werden können.
Als derartige Scharffeuerfarben verwendet
man Kobaltoxyd für Blau, Uranoxyd und
Iridiumoxyd für Schwarz, Chromoxyd für
Grün, Eisen- und Manganoxyd für Braun,
Nickeloxyd für Oliv und Titanoxyd für Gelb.
Da sich mit diesem kleinen Sortiment nicht
wohl malen läßt, sind die Dekorationen unter
Glasur nur einfarbig. Am häufigsten werden
Malereien und Dekorationen auf die Glasur
aufgetragen und besonders in Muffeln ein-
gebrannt. Die hierzu benutzten Muffel-
farben bestehen aus Gemischen von pulver-
förmigen Metalloxyden mit Flußmitteln, wie
Bleiglas oder Boraxglas, mit denen sie bei
geringer Glühhitze verglasen und auf der
Glasur des P. festhaften, ohne daß diese
selbst wieder in Fluß käme. Die Schwierig-
keit in der Anwendung dieser Stoffe besteht
darin, daß sie nach dem Schmelzen vielfach
erst ihre eigentliche Farbe annehmen. Sie

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