﻿Poudrette

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Propiolsäure

eisernen Tiegel kalziniert. Durch die Hitze
wird der Weinstein in kohlensaures Kali und
Kohle zersetzt, und letztere zersetzt wieder den
Salpeter und verwandelt ihn ebenfalls in
kohlensaures Kali. Diese Sorte heißt Kali
carbonicum e tartaro und wurde früher
auch Sal tartari (Weinsteinsalz) genannt.
Für die Technik benutzt man statt dieses
teuren Ausgangsmaterials besonders Wein-
geläger, ferner Wollschweiß und Wollwasch-
wässer, sowie Rückstände der Rübenzucker-
industrie und Branntweinschlempe. Neuer-
dings wird meist das Chlorkalium der Ab-
raumsalze nach dem Leblanc-Verfahren auf
Pottasche verarbeitet. — Das reine kohlen-
saure Kalium besteht aus 68,2 Teilen Kali
und 31,8 Teilen Kohlensäure. Es hat einen
scharfen, ätzenden Geschmack und stark al-
kalische Reaktion, zieht aus der Luft be-
gierig Wasser an und zerfließt damit, ist aber
in Alkohol und Äther unlöslich. In der Glüh-
hitze gerät das Salz in feurigen Fluß und ist
dann flüssig wie Wasser, ohne jedoch Kohlen-
säure zu verlieren. Wegen seiner hygrosko-
pischen Eigenschaften muß es in gut ver-
schlossenen Gefäßen aufbewahrt werden. P.
findet in der Medizin beschränkte Anwendung
als harnsäurelösendes Mittel. In ungeheuren
Mengen wird es aber, trotzdem es für viele
Zwecke durch die billigere Soda verdrängt
worden ist, von der chemischen Großindustrie
gebraucht, so zur Fabrikation des farblosen
Kristallglases, ferner zur Darstellung des Ätz-
kali, des gelben und roten Blutlaugen-
salzes, des chromsauren Kali, der Kali-
lauge, der weichen Kaliseife (Schmier-
seife), des Kaliwasserglases usw. — Zoll:
P. aller Art, roh und gereinigt s. Tarif Nr. 290.

Poudrette (Deutscher oder künstlicher
Guano) besteht aus geruchlos gemachten,
getrockneten und gepulverten Menschenex-
krementen, vermischt mit trockenen Sub-
stanzen (Erde, Torf, Kohlenpulver, Asche,
Fleisch- und Kotabfall, Kehricht, Ziegel-
pulver). Abgesehen von China, wo man die
Mischung von Exkrementen mit Ziegelpulver
als Taffö verkauft, wird die meiste P. und
das in ähnlicher Weise aus Harn hergestellte
Urat in Frankreich dargestellt und ver-
braucht. — Die P. bildet eine dunkelschwarze,
pulverförmige Masse von großer Hygroskopi-
zität und ist deshalb vorzüglich geeignet für
Sandboden. Sie kann zu jeder Pflanze, so-
wohl zur Saat, als auch während des Wachs-
tumes verwendet werden, da sie den Wurzeln
nicht schadet. Wie bei allen Kunstdüngern
muß der Fabrikant den Gehalt an den wich-
tigeren Bestandteilen, Phosphorsäure (bis zu
8%) und Stickstoff (3—5%), garantieren. 1 hl
P. wiegt 67 kg. Man verwendet auf 1 ha etwa
20—30 hl bei Ackerland und 20 hl bei Wiesen.
Das Urat ist reicher an Stickstoff (bis 10°/o)
und an Phosphorsäure (bis 12°/o). — Zollfrei.

Preißelbeeren (Kronsbeeren, rote Hei-
delbeeren, Krausbeeren, frz. Airelles,
Raisins d’ours, engl. Bil berrys) sind die
Früchte des immergrünen Strauches Vac-
cinium vitis idaea, der in Gebirgswäldern

Ost-, Mittel- und Nordeuropas häufig wächst.
Das Erzgebirge, der Thüringer Wald, das
Fichtelgebirge und obere Vogtland, nament-
lich aber Schweden liefern bedeutende Massen,
dieser Beeren, die in Körben verpackt weit-
hin versandt werden. Die Ernte beginnt am
1. September und erfolgt in gleicher Weise
wie bei Heidelbeeren (s. d.) durch Kinder und
Frauen. Die stark saueren und herben Früchte
sind an und für sich kaum zu genießen, wer-
den aber durch Kochen und Einmachen mit
Zucker in ein schmackhaftes Kompott um-
gewandelt. Neben 2—2V2°/o freier Äpfelsäure
und Zitronensäure enthalten sie als charakte-
ristischen Bestandteil etwas Benzoesäure. Die
eingekochten P. werden bisweilen durch
Vogelbeeren, Stärkesirup und Teerfarben ver-
fälscht. — Frische P. s. Tarif Nr. 47; mit
Zucker eingekochte s. Tarif Nr. 216.

Primerose, ein roter Teerfarbstoff, wird
durch Äthylierung des Eosins (s. d.) erhalten
und besteht aus dem Kalisalze des Tetrabrom-
fluoreszeinäthyläthers. Es ist ein braunes, mit
grünen Kriställchen vermischtes Pulver, wel-
ches sich leicht in Alkohol, aber schwer in
Wasser löst und deshalb auch Spriteosin,
Äthyleosin, Primerose ä l’alcool, Eo-
sin ä l’alcool, Eosin BB genannt wird. —
Ein anderer Farbstoff, das Methyleosin, er-
halten durch Methylierung des Eosins, ist mit
dem Erythrin (s. d.) identisch und wird von
den Franzosen ebenfalls Primerose ä l'alcool
genannt. — Primerose soluble ist iden-
tisch mit Erythrosin. — Zollfrei.

Probiersteine sind gewisse schwarze, harte
und glattgeschliffene Gesteine, welche zum
ungefähren Probieren goldener und silberner
Gegenstände mittels Probiernadeln dienen.
Gewöhnlich benutzt man hierzu eine Art
schwarzen, öfter mit weißen Adern durch-
zogenen Quarz, den sog. lydischen Stein
oder Lydit, der in Lagern im Tonschiefer
vorkommt und in Steiermark, Thüringen,
Hessen und Schlesien gefunden wird, seltener
schwarzen Basalt und Jaspis. In England
wird zu dem gleichen Zwecke das schwarze,
gebrannte Wedgewood häufig benutzt. Bei
der Untersuchung wird mit dem zu prüfenden
Metalle ein Strich gemacht. Daneben setzt
man andere mit verschiedenen Nadeln von
bestimmtem Goldgehalte, bis man diejenige
findet, deren Strich die gleiche Farbe wie der
erste hat. Zur weiteren Prüfung setzt man
auf den ersten Strich einen Tropfen Salpeter-
säure, um zu sehen, ob vielleicht eine gold-
freie gelbe Legierung vorliegt, in welchem
Falle der Strich ganz verschwinden würde.
Doch verschwindet auch bei ganz goldarmen
Legierungen das Gold, indem es mechanisch
mit fortgenommen wird. — Zollfrei.

Propiolsäure (Orthonitrophenylpro-
piolsäure) ist eine derjenigen Substanzen,
aus welchen sich auf künstlichem Wege das
Indigblau herstellen läßt. Erwärmt man z. B.
eine wässerige Lösung von P. mit verdünnter
Natronlauge und etwas Traubenzucker, so
scheidet sich Indigblau (Indigotin) aus. Wie
Traubenzucker wirkt auch xanthogensaures