﻿Purrde

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Pyridin

Purree (Jaune Indien, Indisches Gelb),
ein eigentümliches Produkt, über dessen Ur-
sprung man noch im Unklaren ist, kommt
von Ostindien aus in den Handel. Es ist eine
weiche, leicht zerdrückbare, äußerlich dunkel-
braune, innen tief orangefarbene Masse von
eigentümlichem, stark animalischem, an Biber-
geil erinnerndem Geruch. Dieser Geruch legt
die Vermutung tierischen Ursprungs nahe,
doch hält man die Substanz neuerdings wegen
der Abwesenheit von Stickstoff für den Saft
eines Baumes, der mit Magnesia eingedickt
ist. Das färbende Prinzip ist eine gelbe
Pflanzensäure, die Euxanthinsäure, die
hauptsächlich als Salz, an Magnesia gebunden,
darin vorkommt. Die Farbe wird in der feinen
Ölmalerei verwendet, ist aber durch die Teer-
farben nahezu verdrängt worden. — Zollfrei.

Puro, ein neues Nährpräparat (Fleischsaft ?),
sollte nach Angabe des Fabrikanten, Dr. Scholl,
durch Ausziehen von fettfreiem Fleisch unter
hohem Druck und Eindampfen des mit
Suppenkräutern versetzten Extraktes bis zur
Sirupskonsistenz dargestellt werden. Es ent-
hält neben den Fleischbasen auch erhebliche
Mengen löslicher Stickstoffsubstanzen in Form
von Albumosen und wurde von zahlreichen
Ärzten empfohlen. Durch eingehende Unter-
suchungen von Prof. Gruber ist neuerdings
nachgewiesen worden, daß die Angaben des
Herstellers auf Unwahrheit beruhen. P. ent-
hält kein Fleischeiweiß, sondern besteht im
wesentlichen aus einem Gemisch von Eier-
albumin mit Fleischextrakt.

Putschuk (Costus), die Wurzel einer
distelartigen Pflanze, Auklartdia Costus,
die auf den Gebirgen um Kaschmir wächst,
wird im September oder Oktober, wenn die
Pflanze zu welken anfängt, ausgegraben, in
Stücke zerschnitten und ohne weitere Zu-
bereitung zur Ausfuhr gebracht. Von dem
Pendschab aus geht der größte Teil nach
Bombay, sowie nach Hindostan und China.
Die Chinesen verbrennen die Wurzel in den
Tempeln ihrer Götter anstatt Weihrauch
und schreiben ihr auch große Wirksamkeit
gegen die Syphilis zu. In Kaschmir braucht
man sie hauptsächlich als Schutzmittel gegen
Insekten beim Verpacken der Kaschmirschals
in Ballen. — Zollfrei.

Putzpomaden sind die Putzmittel, die meist
unter Zusatz von Ölsäure mit Polierrot, Eisen-
oxyd, Tripel und ähnlichen Stoffen hergestellt
werden. — Putzseifen sindGemischeausfein-
geschlämmten Tripel oder Neuenburger Kalk
mit Seife. ■—• Hierher gehören auch die neuer-
dings auf den Markt kommenden flüssigen
Putzmittel, die unter den verschiedensten
Namen, wie Putzcreme, Geolin, Sidol,
Kaol usw., gehandelt werden und ebenfalls
meist aus fein zerteilten Putzkalkbestandteilen
in Oxalsäurelösung oder ähnlichen Flüssig-
keiten bestehen. — Zoll: S. Tarif Nr. 263.

Puzzolanerde, benannt nach der neapoli-
tanischen Stadt Puzzuoli, ist ein Mineral vul-
kanischen Ursprungs, eine leicht zerreibliche
Masse von gelblicher, rotgrauer oder braun-

grauer Farbe und von jeher gesucht und
geschätzt wegen der Eigenschaft, im Gemisch
mit fettem Kalk sogleich einen sehr guten
Zement zu bilden. Sie besteht aus Kiesel-
säure, Tonerde, Magnesia, Kalk, Eisenoxyd
und Alkalien und befindet sich, da sie durch
vulkanische Pütze bereits einen Glühprozeß
erfahren und dadurch aufgeschlossen ist, in
demselben Zustande, wie die erst durch
Brennen erzeugten künstlichen Zemente. Sie
bedarf daher eines erneuten Brennens nicht,
sondern wird nur fein vermahlen. Früher
bezog man auch nach Deutschland, Frank-
reich und England zu baulichen Zwecken
viel von diesem Material, welches am besten
in der Nähe von Neapel und Rom vorkommt,
neuerdings aber durch künstlichen Zement
verdrängt worden ist. Der in den Rhein-
gegenden vorkommende Traß besitzt übri-
gens ganz ähnliche Beschaffenheit und gleiche
Verwendbarkeit. — Zollfrei.

Pyoktannin nennt man zwei verschiedene
Teerfarben, welche äußerlich auf eiternden
Wunden als Antiseptikum und in der Tier-
heilkunde gegen Maul- und Klauenseuche an-
gewandt werden. Das sog. blaue P. (Pyok-
tanninum coeruleum) entsteht bei der
Oxydation von Dimethylanilin als ein Gemisch
der salzsauren Salze des Penta- und des
Hexamethylpararosanilins und wird meist als
Methylviolett bezeichnet. Das gelbe P.
(P. aureum, Auramin) wird durch Erhitzen
von Tetramethyldiamidobenzophenon mit Am-
monium- und Zinkchlorid dargestellt und ist
als salzsaures Imidotetramethyldiparaamido-
diphenylmethan anzusprechen. Das goldgelbe,
in kaltem Wasser schwer, in heißem Wasser,
Alkohol, Äther und Chloroform leicht lös-
liche Pulver wird für medizinische Verwen-
dung auch mit Dextrin gemischt in den
Handel gebracht. — Zollfrei.

Pyramidon (lat. Pyramidonum), ein neues
Ersatzmittel des Antipyrins, wird durch Re-
duktion von Nitroso-Antipyrin in alkoholisch-
essigsaurer Lösung und Behandlung des ent-
stehenden Amidoantipyrins mit Chlor- oder
Jodmethyl dargestellt und ist demnach als
ein Dimethylamidoantipyrin anzusprechen.
Das gelblich weiße, geruch- und geschmack-
lose Kristallpulver schmilzt bei 108°, löst sich
in Wasser, Alkohol und Benzol und gibt in
wäßriger Lösung mit Eisenchlorid, sowie mit
Natriumnitrat und verd. Schwefelsäure un-
beständige Violettfärbungen. — Zollfrei.

Pyridin, (lat. Pyridinum, frz. Pyridine, engl.
Pyridina). Das, was man jetzt im Handel P.
nennt und zum Denaturieren von Spiritus ver-
wendet, ist keine einheitliche chemische Ver-
bindung, sondern ein Gemenge verschiedener
einander sehr ähnlicher Flüssigkeiten, die man
unter dem Namen Pyridinbasen zusammen-
faßt. Diese Pyridinbasen finden sich sowohl
im Steinkohlenteer, als auch, und zwar in
größerer Menge, im Knochenteeröl oder Tier-
öl und sind im rohen Zustande gelb bis
braun gefärbt und höchst übelriechend. Ge-
reinigt bildet dieses Basengemenge eine färb-