﻿Quassia

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Quecksilber

markten verkauft wird, um, mit Salz, Milch,
etwas feingehackten Zwiebeln und Kümmel
auf Brot oder mit Zucker und Gewürzen auf
Kuchen genossen zu werden. Vgl. „Milch“.

—	Zoll: S. Tarif Nr. 373.

Quassia (Quassienholz, Bitterholz,
lat. Lignum quassiae, frz. Bois de quassie
amöre, engl. Quassia wood), ein Artikel des
Drogenhandels, kommt in zwei verschie-
denen Sorten, als Surinam- und Jamaika-
quassiaholz zu uns. Das erstere stammt
von Quassia amara, einem Baume oder
Strauche aus der Familie der Simaruba-
ceen, welcher in Surinam, dem holländischen
Teil von Guyana, wild wächst und in West-
indien und Brasilien angebaut wird. Das
Holz kommt in den Handel in Form finger-
bis armstarker Knüppel, die oft noch teilweise
mit der locker anhängenden, sehr dünnen,
zerbrechlichen, schmutziggrauen und schwarz-
fleckigen Rinde bedeckt sind. Es ist geruch-
los, gelblich, dicht und fast ohne Poren, doch
mit sehr feinen Markstrahlen durchsetzt und
besitzt reinen und anhaltend bitteren Ge-
schmack. Das Quassienholz von Jamaika
von dem viel großartiger sich entwickelnden,
schlanken Waldbaume Picraena excelsa
(Quassia excelsa) erscheint in Form 9—14 dm
langer, bis 3 dm dicker Scheite, die mit einer
fest anhängenden, dicken, braunschwarzen
Rinde bedeckt sind. Das gelbliche Holz ist
sehr leicht und weich, großporig, aus helleren
und dunkleren Schichten zusammengesetzt
und mit breiten Markstrahlen durchzogen.
Der Geschmack ist wie bei der Surinam-Q.
Das Surinamholz wird klein geschnitten als
bitterer Tee gegen Magenverstimmungen,
sowie in Form von Klistieren gegen Spul-
würmer angewandt. Die billigere Jamaika-
sorte dient zu Fliegengift in Form von Absud
und Fliegenpapier. Aus dem Holz fertigt man
die bekannten Bitterbecher und Kugeln zur
Herstellung bitterer Flüssigkeiten. Ferner
wird für medizinische Zwecke sowohl ein
wäßriger, wie ein Fluid-Extrakt aus dem
Surinam - Quassiaholz hergestellt. — Ver-
fälschungen des Quassiaholzes kommen vor
mit dem Holze einer westindischen Sumach-
art, Rhus metopium. Da dieses gerbstoff-
haltig ist, kann man durch Prüfung mit Eisen-
oxydsalzen die Verfälschung leicht nachweisen.

—	Zollfrei.

Quebracho. Unter diesem Namen kommt
seit einiger Zeit sowohl eine Rinde, als auch
ein Holz in den europäischen Handel. Die
Quebrachorinde (Weiße Q., lat. Cort.
quebracho blanco, frz. Ecorce de quebrache,
engl. Quebracho bark) stammt von einer in
Argentinien heimischen Apocynee, Aspi-
dosperma quebracho, einem schönen
großen Baume mit lanzettlichen Blättern und
kleinen gelben Blüten. Sie bildet bis 4 cm
dicke Stücke von rotgelber bis rotbrauner
Farbe und splitterigem Bruch und besteht
hauptsächlich aus der Korkschicht. Die Droge
enthält neben Zucker und 2—4°/o Gerbstoff
einige Alkaloide, wie Aspidospermin,
Quebrachin u. a., und wird in Form von

Extrakten und Tinkturen gegen Asthma und
Herzleiden verordnet. — Das Quebracho-
holz von der Anacardiacee Schinopsis
Lorentzii in Argentinien besitzt eine schöne
dunkelrote Farbe und wird wegen seines
hohen Gerbstoffgehaltes von 28°/o als Gerb-
material verwandt, soll aber nicht so zähes
und elastisches Leder geben wie Eichenrinde.
— Zoll: Q.-holz s. Tarif Nr. 93. Q.-rinde als
Arzneimittel ist zollfrei.

Queckenwurzel (lat. Rhizoma graminis, frz.
Racine de chiendent, engl. Quitch root) sind
die ausdauernden, strohhalmdicken, knotig
gegliederten, unterirdischen Ausläufer des be-
sonders in sandigen Feldern, aber auch sonst
überall an Wegen und Zäunen wuchernden
und schwer vertilgbaren Queckengrases
(Agropyrum repens). Sie werden im Früh-
jahr und Herbst bei der Ackerbestellung aus-
gerissen, gelesen und von den an den Knoten
sitzenden Scheiden, Wurzelfasern und Halmen
befreit, darauf gewaschen, getrocknet und,
gewöhnlich auf der Futterschneide zerkleinert,
zum Verkauf gebracht. Der Querschnitt zeigt
eine hohle Markröhre, die Rinde ist dicker
als der Holzkörper. Die Wurzel enthält einen
kristallisierbaren Zucker, Gummi und Schleim,
Stärkemehl und Eiweiß, schmeckt daher beim
Kauen süßlich und schleimig, und wird als
blutreinigender Tee, ebenso wie auch das
Extrakt daraus medizinisch verwandt. —
Zollfrei, a

Quecksilber (lat. Hydrargyrum, Mercurius,
frz. Mercure, engl. Quicksilver, Mercury). Der
Name Q. deutet ebenso wie das lateinische
Argentum vivum (lebendiges Silber) und das
griechische Hydrargyrum (Wassersilber) auf
die Beweglichkeit und Flüssigkeit hin, und
aus demselben Grunde belegten die alten
Adepten das Metall mit dem Namen des am
schnellsten kreisenden Planeten Merkur. Das
wegen seiner Widerstandsfähigkeit zu den
edlen Metallen gerechnete Q. findet sich
nur selten gediegen, in Form kleiner Tröpf-
chen (als Jungfernquecksilber) oder in
Verbindung mit Silber als Silberamalgam.
Meist ist es an Schwefel, als Zinnober, in
untergeordnetem Maße an Chlor, als Queck-
silberhornerz oder an organische Stoffe,
als Idrialit gebunden. Die reichsten Q.-
gruben hat Spanien in Alma den, wo schon
seit mehr als 2000 Jahren Q. gewonnen wird,
dann folgen die seit 1497 in Betrieb befind-
lichen Werke zu Idria in Krain und die
neueren, sehr ergiebigen Lager in Kalifornien,
Huancavelica in Peru und im Ural. Geringere
Mengen kommen von Horzowitz und Ko-
marow in Böhmen, aus Ungarn, Siebenbürgen
und Italien, während die deutschen Gruben
in der bayrischen Pfalz und Westfalen einge-
gangen sind. Das japanische und chinesische
Q., welches früher in Bambusrohren nach
Europa gelangte, hat jetzt für den Welthandel
keine Bedeutung mehr. Für die Gewinnung
des Q. kommt fast nur der Zinnober in Be-
tracht. Die weniger schön gefärbten Stücke,
welche nicht direkt als Farbstoff zu verwerten
sind, werden in Schacht- oder Flammenöfen