﻿Quecksilber

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Quecksilberchlorid

geröstet, wobei der Schwefel zu schwefliger
Säure verbrennt, welche mit den Quecksilber-
dämpfen durch Kühlkammern geleitet wird.
In diesen bleibt das Metall in tropfbar flüssi-
gem Zustande zurück, während die schweflige
Säure entweicht. Nach einem älteren, nur
noch selten benutzten Verfahren, vermischte
man die zerkleinerten Erze mit Kalk, Eisen
oder Hammerschlag und destillierte das Q.
von den zurückbleibenden Sulfiden des Kal-
ziums oder Eisens ab. Verschiedene Metho-
den der Quecksilbergewinnung auf nassem
Wege durch Ausziehen mit Kochsalz und
Kupferchlorür, oder durch Bromsalzsäure
oder Natriumthiosulfat haben keinen Ein-
gang in die Praxis gefunden, und über die
neuerdings empfohlene elektrische Abschei-
dung liegen abschließende Erfahrungen noch
nicht vor. Das nach dem einen oder anderen
Verfahren gewonnene Q. wird zunächst von
mechanisch beigemengten Stoffen befreit, in-
dem man es durch Sämischleder preßt oder
durch sehr feine Löcher abtropfen läßt, ist
aber auch dann noch meist durch geringe
Mengen Blei, Kupfer, Wismut, Antimon, Sil-
ber, Zinn und Zink verunreinigt. Derartige
rohe Handelsware bedeckt sich mit einem
matten Häutchen, fließt träge, haftet an Glas-
wandungen und hinterläßt auf Papier sog.
Schwänze und grauen Staub. Zur Entfernung
dieser fremden Metalle läßt man das Q. durch
eine hohe Säule von verd. Salpetersäure oder
Eisenchloridlösung fallen, schüttelt es dann
mit Kaliumbichromat und verd. Schwefel-
säure, preßt nochmals durch Sämischleder
und destilliert aus dem Vakuum. Das reine

Q.	ist ein glänzendes, bei gewöhnlicher Tem-
peratur flüssiges Metall. Es erstarrt bei
—39,5°, entwickelt schon bei mittlerer Wärme
stark giftige Dämpfe und siedet bei 357°.
Da die Quecksilberdämpfe schon in geringer
Menge stark giftig wirken und zuerst Speichel-
fluß und fieberhafte Störung des Allgemein-
befindens, später Abmagerung, Schwäche, Zit-
tern, Lähmung und starke Störung der gei-
stigen Tätigkeit hervorrufen, so ist jedes
Vergießen von Q. in bewohnten Räumen
sorgfältig zu vermeiden. Man bewahrt es
daher am besten in den eisernen Versand-
gefäßen oder in starken Glasflaschen auf.
Ist trotz aller Vorsicht, Q. ausgelaufen, so ver-
wandelt man es durch Verreiben mit Stanniol
oder Aluminiumpulver in Amalgam, das sich
leicht entfernen läßt. Bleierne Abzugsrohren
von Wasserleitungen werden durch hineinge-
schüttetes Q. zerstört. Das Q. hat ein Atom-
gewicht von 200 und ein spezifisches Gewicht
von 13,596. Salzsäure und kalte Schwefel-
säure wirken auf das Metall nicht ein, wäh-
rend es von heißer konz. Schwefelsäure zu
schwefelsaurem Q.-oxyd gelöst wird. Salpeter-
säure bildet schon in verdünntem Zustande
lösliches Nitrat. An der Luft bleibt Q. bei ge-
wöhnlicher Temperatur unverändert, geht
aber beim Erhitzen bis nahe zum Siedepunkte
in rotes Oxyd über. Bei noch stärkerem
Erhitzen gibt das letztere seinen Sauerstoff
wieder ab und kehrt in den metallischen

Zustand zurück. Mit fast allen Metallen außer
Eisen liefert das Q. Legierungen, Amal-
game (s. d.). — Das reine Q. findet aus-
gedehnte Anwendung zur Füllung von Ther-
mometern und Barometern, zu Quecksilber-
luftpumpen und zahlreichen anderen physika-
lischen Instrumenten. In größtem Maßstabe
dient es zum Extrahieren von Gold und
Silber aus Erzen, zur Herstellung von Queck-
silbersalbe und anderen pharmazeutischen
Präparaten, von künstlichem Zinnober und in
Form von Amalgam zur Herstellung von,
Spiegeln. — Zoll: Quecksilber und Queck-
silberlegierungen sind zollfrei.

Quecksilberchlorid (Merkurichlorid,
Sublimat, lat. Hydrargyrum bichloratum,
frz. Sublimö corrosif, engl. Corrosive Subli-
mate) entsteht beim Auflösen von Queck-
silber in Königswasser oder von Quecksilber-
oxyd in Salzsäure und wird im großen durch
Sublimation einer Mischung von Merkuri-
sulfat und Kochsalz hergestellt. Es bildet ge-
ruchlose weiße Kristalle oder Pulver von
scharfem Metallgeschmack und ätzenden, stark
giftigen Eigenschaften. In 100 Teilen sind
73,8 Teile Quecksilber und 16,2 Teile Chlor
enthalten. Das Q. schmilzt bei 265 und siedet
bei 297°. Es löst sich in 15 Teilen Wasser
mittlerer Temperatur, in 3 Teilen siedendem
Wasser, in 3 Teilen Alkohol, 4 Teilen Äther
und in 15 Teilen Glyzerin. Mit Eiweißkörpern
bildet das Q. unlösliche Verbindungen. Hier-
auf beruht die ätzende Einwirkung auf die
Haut, aber auch die Verwendung von Eiweiß
als Gegenmittel bei Sublimat-Vergiftungen. —
Q. findet ausgedehnte medizinische Anwen-
dung als Ätzmittel bei Syphilis und als Anti-
septikum in der Wundbehandlung. Innerlich
wird es in kleinen Gaben gegen Geschlechts-
krankheiten und Typhus verordnet. Die
Technik benutzt es als Beize in der Kattun-
druckerei, zum Ätzen von Stahl, zum Konser-
vieren naturwissenschaftlicher Sammlungen,
zur Darstellung von Anilinrot, als Des-
infektionsmittel und zum Imprägnieren von
Holz (Eisenbahnschwellen). — Auf Zusatz von
Ammoniak scheidet sich aus wäßriger Subli-
matlösung ein weißer Niederschlag von
Quecksilberammoniumchlorid aus, wel-
cher in der Pharmazie als Weißer Präci-
pitat (lat. Hydrargyrum praecipitatum album,
Mercurius praecipitatus albus, frz. Mercure
pröcipitd blanc, engl. White precipitate) be-
zeichnet wird. Das geruch- und geschmack-
lose, schneeweiße, kreideähnliche Pulver ist
in Wasser und Alkohol unlöslich, aber stark
giftig und wird nur äußerlich angewandt. —
Zollfrei.

Quecksilberchlorür (Merkurochlorid,
Kalomel, lat. Hydrargyrum chloratum mite,
Mercurius dulcis, Aquila alba, frz. Chlorure
mercureux, engl. Mild chloride of mercury),
die zweite Verbindung des Quecksilbers mit
Chlor, enthält 42,5 »/o Quecksilber und 57,5 °/o
Chlor. Je nach der Darstellung unterscheidet
man drei verschiedene Sorten: 1. Kalomel
oder Hydrargyrum chloratum (mite)
schlechthin entsteht bei der Sublimation von