﻿Quecksilberfulminat

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Quecksilbersulfid

4 Teilen Quecksilberchlorid mit 3 Teilen
Quecksilber in Form schwerer kristallinischer
Stücke, die zum Unterschiede von Sublimat
mit dem Fingernagel einen gelben Strich
geben. Durch Behandlung in Kollergängen
und nachfolgendes Abschlämmen mit Wasser
wird er in ein feines gelblichweißes Pulver, den
lävigierten Kalomel verwandelt. — 2. K a 1 o m e 1
vapore paratum erhält man, wenn Dämpfe
von Kalomel mit Wasserdampf Zusammen-
treffen, als völlig weißes, zwischen den Fingern
nicht zusammenbackendes Pulver. —• 3. Ka-
lomel via humida paratum endlich wird
dargestellt, indem man in eine warme Lösung
von Sublimat schweflige Säure einleitet, oder
Quecksilbernitratlösung mit Kochsalz fällt.
Kalomel wird durch Wasser und Alkohol
nicht gelöst, wohl aber in der Siedehitze unter
Abscheidung von Quecksilber zersetzt. Ebenso
wird er durch Licht zersetzt und muß daher
im Dunkeln aufbewahrt werden. Q. wird in
der Medizin als mildes Abführmittel, selbst
bei Kindern, angewandt. Äußerlich dient es
zum Ätzen syphilitischer Geschwüre, zum Ein-
stäuben in das Auge bei Hornhauttrübungen,
und in den Schlund bei Affektionen des
Kehlkopfs. Die Technik benutzt es zur Her-
stellung von Porzellanfarben mit Gold und
von bengalischen Flammen. — Zollfrei.

Quecksilberfulminat (Knallsaures
Quecksilber, Knallquecksilber) schei-
det sich beim Vermischen einer freie Salpeter-
säureenthaltenden Quecksilbernitratlösung mit
Alkohol in Form grauer Kristallnadeln aus,
welche nach dem Umkristallisieren aus hei-
ßem Wasser rein weiß erscheinen. Das Salz
ist äußerst unbeständig, explodiert beim Er-
hitzen auf 190°, sowie durch Reibung oder
Schlag und muß daher unter Wasser auf-
bewahrt werden. Zum Transport wird es nicht
zugelassen. Es wird an Stelle des analogen,
aber noch gefährlicheren Knallsilbers zur
Herstellung von Zündsätzen benutzt. — Zoll:
Q. ist zollfrei. Als Feuerwerk s. Tarif Nr. 369.

Quecksilberjodid (Rotes Jodquecksil-
ber, Einfachjodquecksilber, Doppelt-
jodquecksilber, lat. Plydrargyrum bijoda-
tum, frz. Jodure mercurique, engl. Mercuric
jodide) entsteht beim Zusammenreiben von
100 Teilen Quecksilber mit 127 Teilen Jod
als ein in Wasser nur sehr wenig, etwas mehr
in Alkohol lösliches Pulver von lebhaft roter
Farbe. Bei vorsichtigem Erwärmen wird es
gelb, nimmt aber nach dem Erkalten durch
Reiben seine rote Farbe wieder an. Q. ist
giftig und findet zuweilen medizinische An-
wendung. — Zollfrei.

Quecksilberjodür (Grünes Jodqueck-
silber, H alb j odquecksilb er, Queck-
silbersemijodid, lat. Hydrargyrum joda-
tum, frz. Jodure mercureux, engl. Mercurous
jodide) wird durch Verreiben von 200 Teilen
Quecksilber mit 127 Teilen Jod dargestellt
und bildet ein gelblich grünes, in Wasser un-
lösliches Pulver, welches wie das Jodid giftig
ist und medizinisch verwendet wird. Beide
Jodverbindungen sind vor Licht geschützt auf-
zubewahren. — Zollfrei.

Quecksilbernitrat (lat. Hydrargyrum nitri-
cum, frz. Nitrate de mercure, engl. Nitrate
of mercury) findet sich wie die übrigen Salze
in Form des Oxyduls und des Oxyds. Das
erstere entsteht bei Behandlung von über-
schüssigem Quecksilber mit mäßig warmer
Salpetersäure, das letztere durch Lösen von
Quecksilberoxyd in Salpetersäure. Beide bil-
den farblose kristallinische Salze, welche stark
ätzend wirken und für äußerliche Behand-
lung offizinell sind. Das Oxydsalz dient auch
zur Bereitung einer gelben Quecksilbersalbe,
in der Technik als Hutmacherbeize und beim
Vergolden als sog. Quickwasser. — Zollfrei.

Quecksilberoxyd (Roter Präcipitat, lat.
Hydrargyrum oxydatum rubrum, frz. Oxyde
mercurique rouge, engl. Redoxyde of mer-
cury), ein gelbrotes, in Wasser etwas lösliches,
widrig metallisch schmeckendes Pulver von
höchst giftiger Wirkung, entsteht beim Ab-
dampfen einer Lösung von Quecksilbernitrat
und Erhitzen des Rückstandes in einer Por-
zellanschale. Ein Präparat von analoger Zu-
sammensetzung, aber mehr gelber Farbe (H.
via humida paratum) erhält man durch
Fällung einer Quecksilbernitratlösung mit Na-
tronlauge. Q. dient in der Medizin als äußer-
liches Mittel, in der Technik als Porzellan-
farbe. — Zollfrei. —

Quecksilbersulfat (lat. Hydrargyrum sul-
furicum, frz. Sulfate de mercure, engl. Sul-
fate of mercury) entsteht beim Erwärmen von
Quecksilber mit konz. Schwefelsäure, und
zwar als Oxydulsalz, wenn das Metall, als
Oxydsalz, wenn die Säure überwiegt. Das
letztere bildet ein schweres, weißes Kristall-
pulver, welches beim Erhitzen zuerst gelb,
dann braun wird und zur Darstellung des
Sublimats, Kalomeis und anderer Queck-
silbersalze benutzt wird. Bei Behandlung mit
Wasser liefert es ein zitronengelbes basisches
Salz (Turpethum minerale), welches be-
schränkte Anwendung gegen Hautkrankhei-
ten findet. — Zollfrei.

Quecksilbersulfid. Reibt man gleicheTeile
Q. und Schwefel hinreichend lange zusammen,
so entsteht ein feines tiefschwarzes Pulver,
das Schwarze Schwefelquecksilber,
Mineralischer Mohr, Quecksilbermohr
(lat. Hydrargyrum sulfuratum nigrum, frz. Sul-
fure noir de mercure, engl. Black sulfide
of mercury), welches früher unter der Be-
zeichnung Aethiops mineralis eine be-
schränkte medizinische Anwendung fand. Das
Rote Schwefelquecksilber (lat. Hydrar-
gyrum sulfuratum rubrum, frz. Sulfure mer-
curique, engl. Red sulfide of mercury) findet
sich in der Natur als natürlicher Zinn-
ober (s. d.) und wird nach verschiedenen
Verfahren künstlich dargestellt. In erster
Linie bedient man sich zur Gewinnung von
künstlichem Zinnober des schwarzen Q.
oder auch einfach eines Gemisches von Queck-
silber und Schwefel, welche aus konischen
Tontiegeln in gußeisernen Apparaten subli-
miert werden. Die sublimierte Ware heißt
Stückenzinnober und wird zum Teil in
den schönsten, auserlesensten Partien direkt