﻿Quecksilbertannat	394	Quillayarinde

in den Handel gebracht, hauptsächlich aber
zunächst in ein feines Pulver verwandelt. Je
weiter die Vermahlung getrieben wird, um so
heller und feuriger wird die Farbe. Nach
dem Mahlen und Schlämmen wird die Masse
noch durch Kochen mit Pottasche von dem
ungebundenen Schwefel befreit und schließ-
lich in der Wärme getrocknet. Auf nassem
Wege verwandelt man das schwarze Q. durch
Kochen mit Kalilauge und anderen, geheim-
gehaltenen, Chemikalien in die rote Verbin-
dung (Vermillon), deren Farbe durch einen
geringen Gehalt von zirka X°/o Antimon noch
verschönert wird. Zinnober ist ein geruch- und
geschmackloses, außerordentlich schweres
Pulver vom spez. Gew. 7,800—8,100. Wegen
seiner intensiv-roten Färbung wird er als
Malerfarbe außerordentlich geschätzt, jedoch
haben die Anstriche den Nachteil, am Lichte
nach und nach dunkler und schließlich so-
gar schwarz zu werden. Außerdem findet
Q. beschränkte Anwendung als Schminke und
in der Medizin. Wegen seiner völligen Un-
giftigkeit kann er auch zum Färben von
Kautschukwaren benutzt werden. — Zoll: S.
Tarif Nr. 327.

Quecksilbertannat (Gerbsaures Queck-
silberoxydul, lat. Hydrargyrum tannicum
oxydulatum, frz. Tannate de mercure, engl.
Tannate of mercury), eine Verbindung der
Gerbsäure mit Quecksilberoxydul, erscheint
in bräunlichgrünen Schuppen, die beim Zer-
reiben ein grünes Pulver geben. Das Q. ist
seit 1884 in die Medizin eingeführt und
wird als mildes Antiseptikum verwendet. —
Zollfrei.

Quendel (Feldkümmel, wilder Thy-
mian, Feldquendel, lat. Herba serpylli,
frz. Herbe de thym sauvage ou serpolet,
engl. Mother of thyme). Das bekannte, auf
trockenen Anhöhen wachsende, ausdauernde
Kraut, Thymus Serpyllum, aus der Fa-
milie der Lippenblütler, hat ein starkes
und angenehmes Aroma und einen bitter-
lichen, zusammenziehenden Geschmack. Man
benutzt das in der Blüte gesammelte und ge-
trocknete Kraut zu stärkenden Bädern und
zerteilenden Umschlägen, Kräuterkissen und
Krankentee. Ferner wird Spiritus ser-
pylli, ein weingeistiges Destillat, das
zu Einreibungen dient, daraus hergestellt.
Aus dem trockenen Kraut wird mit Wasser
das ätherische Öl, das Feldthymianöl oder
Serpylli öl (lat. Oleum serpylli, frz. Essence
de thym sauvage ou serpolet, engl. Mother
of thyme oil) abdestilliert. Es enthält Thy-
mol, Karvakrol und Zymol und bildet, frisch
bereitet, ein blaßgelbes, später bräunliches,
dünnflüssiges Öl, welches den starken, kräf-
tigen Geruch der Pflanze in höchstem Grade
besitzt. Das spez. Gew. beträgt 0,890—0,920.
— Zoll: Quendel ist zollfrei. Q.-spiritus:
S. Tarif Nr. 386. Q.-öl: 30 M.

Querzit (Eichelzucker), eine besondere,
in den Eicheln enthaltene Zuckerart, bildet
harte farblose Kristalle von süßem Geschmack.
Q. ist nicht gärungsfähig und löst sich in
Wasser und Weingeist. — Zollfrei.

Querzitronrinde (lat. Cortex quercus tinc-
toriae, frz. Ecorce de tinctorie chene, engl.
Quercitron bark) besteht aus der inneren gelb-
lichen Rinde der in den Südstaaten von
Nordamerika heimischen Färbereiche,
Quercus tinctoria. Sie kommt nur selten
in ganzen Stücken, sondern fast stets im zer-
kleinerten Zustande, teils fein, teils grob ge-
mahlen von NewYork, Baltimore und Phila-
delphia aus in den Handel. Das Pulver besitzt
eine bräunlichgelbe Farbe, einen schwachen,
nicht unangenehmen Geruch und bitteren
Geschmack und färbt den Speichel gelb. Der
Farbstoff der Q., das Querzitrin, gehört zu
den' Glukosiden und bildet kleine schwefel-
gelbe Kristalle, die in Wasser schwer, in
alkalischen Laugen leicht löslich sind. Die
wässerige Abkochung der Rinde ist orangerot
gefärbt und wird zum Färben benutzt, muß
aber für diesen Zweck durch Zusatz von
Leimlösung von Gerbstoff und anderen stören-
den Substanzen befreit werden. Ein reineres
Präparat wird auch durch Auskochen der Q.
mit Schwefelsäure erhalten, wobei es eine
Spaltung erleidet, während ein schönerer Farb-
stoff das Querzetin zurückbleibt. Die so
präparierte Rinde dient nun anstatt der rohen
zum Färben. Von den Nordamerikanern und
Engländern wird auch flüssiges und trockenes
braunes Extrakt (Querzitronextrakt) als
ein reineres Farbmaterial hergestellt, während
der durch Auskochen mit Sodalösung und
Fällen mit verdünnter Schwefelsäure erhal-
tene, noch unreine Farbstoff als Teig unter
dem Namen Flavine in den Handel kommt.
Zur Färberei auf Wolle, Seide, Baumwolle
und gemischte Stoffe macht man von dem
Querzitron einen sehr ausgedehnten Gebrauch
zu vielerlei Nuancen, welche durch die ange-
wandten Beizen bedingt werden. Mit Ton-
erdebeize färbt man gelb, mit Eisenbeize
braun, mit einem Gemisch von beiden olive,
mit etwas Krapp und Tonerdebeize orange.
— Zoll: Querzitronrinde ist zollfrei. Q.-Ex-
trakt: S. Tarif Nr. 328.

Quillayarinde (Panama-Seifen-Rinde,
lat. Cortex quillajae, frz. Ecorce de quillaye,
engl. Quillaya bark) ist die Rinde, eigentlich
der Splint, eines in Chile einheimischen
Baumes, Quillaja Saponaria, die sich ver-
möge eines Gehaltes an Saponin wie unsere
Seifenwurzel verhält. Neben dem Saponin
sind in der Q. noch zwei giftige Stoffe, das
Sapotoxin und die Quillayasäure, ent-
halten. Wie die Seifenwurzel, aber in noch
weit stärkerem Maße, gibt die Q. an Wasser
Saponin ab und macht es dadurch stark schäu-
mend und geeignet, die Stelle der Seife zu
vertreten, und zwar in dem Maße, daß 1 kg
der Rinde der Wirkung von 3 kg schwarzer
Seife gleichkommt. Man gebraucht die Q-
zum Waschen farbiger Wollen- und Seiden-
zeuge, da sie die Farben nicht angreift,
ferner zum Entfetten von Wolle, zur Schaf-
wäsche und überhaupt an Stelle von Seife.
Von den zahlreichen Q. enthaltenden Wasch-
mitteln ist Panamin ein Rindenextrakt,
das mit etwas Glaubersalz zur festen Masse