﻿Quillayasäure

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Radium

eingedickt, geformt und in Zinnfolie gepackt
ist. Wasmuts Opal in der Tonne war ein
"wäßriger Auszug, Fleckwasser enthält Quil-
layatinktur neben Ammoniak, Äther, Benzin
und Weingeist, Fleckseife Quillayaextrakt
neben Borax, Galle und Seifenpulver. —
Die Rinde bildet, von der braunen Außen-
borke befreit, gelblichweiße, holzähnliche
Platten von stark faseriger Struktur. Sie sind
2—7 mm dick, oft bis zu 1 m lang, nur wenig
gekrümmt, geruchlos, aber von sehr kratzen-
dem Geschmack. Beim Zerbrechen oder
Stoßen entwickelter Staub erregt heftiges
Niesen. Die Rinde erscheint auf dem Quer-
schnitte quadratisch gefeldert, indem die ein-
zelnen scharf abgegliederten Bastzonen von
zahlreichen, sehr deutlich erkennbaren Mark-
strahlen durchsetzt sind. Hält man eine
radiale Schnittfläche der Rinde gegen das
Licht, so sieht man schon mit unbewaffnetem
Auge zahlreiche glänzende Teilchen, die sich
unter dem Mikroskope als Kristalle von oxal-
saurem Kalk zu erkennen geben. Infolge ihres
faserigen Baues ist die Rinde sehr schwierig
zu zerkleinern und wird daher von den
Handelshäusern bereits auf Maschinen zer-
schnitten, sowie als Pulver in den Handel ge-
bracht. — Zoll: Q. ist zollfrei.

Quillayasäure, die in der Quillayarinde
enthaltene, sehr giftige organische Säure, er-
hält man in reinem Zustande durch Fällung
der wässerigen Abkochung der Rinde mit neu-
tralem Bleiazetat, Zersetzen des Bleinieder-
schlages mit Schwefelsäure und Schwefel-
wasserstoff und Verdampfen der erhaltenen
Lösung bis fast zur Trockne. Aus dem Rück-
stände wird die freie Säure mit heißem abso-
luten Alkohol aufgenommen, und diese Lösung
mit der vierfachen Menge Chloroform ge-
mengt, wodurch noch verschiedene braunge-
färbte Massen abgeschieden werden. Aus dem
Filtrate wird die Q. durch Zusatz von Äther
in Flocken gefällt. Sie ist in Wasser, Alkohol
und alkoholhaltigem Chloroform leicht lös-
lich, in Äther und Chloroform unlöslich. Mit
konzentrierter Schwefelsäure färbt sie sich
dunkelrot. Die Q. ist ein Glukosid und wird
durch Kochen mit verdünnten Säuren in eine
rechtsdrehende, nicht vergärbare Glukose und
Sapogenin gespalten. Sowohl die Säure, als
auch ihr Natronsalz, das quillayasaure Natron,
erregen, schon in den kleinsten Stäubchen,
heftiges Niesen, in den Augen Tränenfluß
und Schmerzen, im Kehlkopf heftige Husten-
anfälle. — Zollfrei.

Quinio. Unter diesem Namen kommt von
Brasilien aus ein Präparat in den Handel,
welches nach den Berichten der Produzenten
durch Ausziehen der frischen Rindenabfälle
der Chinabäume mit Alkohol und Kalk
gewonnen werden soll. Es enthält die China-
basen in unverbundenem freien, natürlich aber
noch ganz unreinem Zustande und bildet
eine gelbe, dem Fichtenharze ähnliche Masse,
welche in Wasser fast unlöslich, dagegen in
Alkohol, Äther, sowie in verdünnter Schwefel-
säure löslich ist. Ein ähnliches Präparat
kommt unter dem Namen Quinetum aus
Ostindien und wird dort ebenfalls aus den
nicht verkäuflichen Rindenabfällen der Hima-
layaanpflanzungen gewonnen. — Zollfrei.

Quitten sind die schön gelben, aromatisch
riechenden Früchte des Quittenbaums, Cy-
donia vulgaris Pers., welcher in Gärten
in mehreren Arten, wie: Apfel-, Bim-, portu-
giesische Quitte kultiviert wird und in Asien
und Europa bis nach Mitteldeutschland vor-
kommt. Die Früchte sind frisch ungenießbar,
werden aber eingemacht als Dessertfrucht,
ferner zu Gelees, Mus, Kompotts, Marme-
laden und Backwerk verwendet. Getrocknet
werden die zerlegten Früchte (lat. Fructus
cydoniae, frz. Fruits de coing, engl. Quince)
zur Herstellung von adstringierenden Gelees
auch medizinisch verordnet. — Quitten-
essenz ist ein Kunstprodukt (Pelargon-
säureäthylester), welches das eigentüm-
liche feine Aroma der Quittenfrüchte ziem-
lich gut wiedergibt. — Zoll: Q. s. Tarif
Nr. 47.

Quittenkerne (lat. Semen cydoniorum, frz.
Semences de coing, engl. Quince seeds), die
zwischen den fünfknorpeligen Scheidewänden
befindlichen Samen der Quitte, werden
wegen des, einen weißgrauen Überzug bil-
denden, eingetrockneten Schleims benutzt. Sie
sind den Birnkernen ähnlich geformt, braun,
aber glanzlos und mit einem weißgrauen
Überzüge bedeckt. Der durch Schütteln der
gequollenen Kerne mit Wasser abgesonderte
Quittenschleim (lat. Mucilago cydoniae)
dient zu Augenmitteln, sowie auch zu kosme-
tischen Zwecken. Die deutschen Samenkerne
kommen aus Franken und Württemberg,
andere aus Rußland und der Türkei. Ver-
fälschungen oder Verwechslungen mit Apfel-
oder Birnenkernen sind leicht an der glänzen-
den, nicht matten, schleimfreien Schale zu
erkennen. — Zollfrei.

R.

Radium ist das im Jahre 1898 von dem
Ehepaare Curie in der Pechblende von
Joachimstal entdeckte seltsame Element, wel-
ches in seinem chemischen Verhalten dem
Baryum nahesteht, im übrigen aber völlig
abweichende Eigenschaften aufweist. Man
gewinnt es durch Ausziehen der gerösteten
Uranerze mit Schwefelsäure, wodurch das

Uran entfernt wird, und darauffolgende Be-
handlung des von Schwefelsäure befreiten
Rückstandes mit Natronlauge, in welche Blei,
Kieselsäure und Tonerde übergehen. Dann
wird mit Salzsäure und der hierin unlösliche
Teil mit Sodalösung erwärmt, um das Baryum-
sulfat mit dem nahestehenden R. in Kar-
bonate überzuführen, welche nunmehr in