﻿Radium

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Radix

Salzsäure löslich sind. Durch außerordent-
lich mühsame weitere Operationen, abwech-
selnde Einwirkung von Soda und Salzsäure,
Chlor, Schwefelwasserstoff und Ammoniak er-
hält man schließlich aus mehreren Tonnen
Pechblende wenige Zentigramme Radium-
chlorid oder Radiumbromid, das meist mit
der entsprechenden Baryumverbindung ver-
einigt ist. Eine Zeitlang wurde diese Ver-
bindung zu ungeheuren Preisen verkauft,
scheint aber jetzt gar nicht mehr im Handel
zu sein. In metallischem Zustande ist R.
noch nicht isoliert worden. Aus den mehr
oder weniger reinen Halogen Verbindungen
hat man für das Atomgewicht Werte von
225—267 berechnet. Von dem chemischen
Verhalten des neuen Körpers ist, abgesehen
von seiner Verwandtschaft zum Baryum, sehr
wenig oder gar nichts bekannt. Um so auf-
fallender sind seine physikalischen Eigen-
schaften. Die farblosen Kristalle des Radium-
chlorides färben sich nach kurzer Zeit gelb
und verleihen zugleich den umhüllenden
Glasgefäßen eine intensiv braune Farbe. Sie
machen die Luft für Elektrizität leitend und
entladen somit ein Elektroskop aus größerer
Entfernung selbst durch eine Aluminiumhülle
hindurch. Außerordentlich merkwürdig ver-
halten sich die vom R. ausgesandten Strahlen.
Sie bringen einen Baryumplatincyanür-Schirm
zur Fluoreszenz und wirken, durch alle be-
kannten Stoffe hindurchgehend, auf die photo-
graphische Platte. Da sie Knochen ebenso
leicht passieren wie Fleisch, können sie nicht
an Stelle der Röntgenstrahlen benutzt werden.
Im Laufe langer Zeiträume soll R. unter Ab-
spaltung von sog. Emanation und Entwick-
lung von Wärme allmählich zerfallen, ein
Verhalten, welches die bisherigen Anschau-
ungen über die Unzerstörbarkeit der Kraft
und der Materie von Grund aus verändern
müßte. Im Gegensatz zu diesen weitgehenden
Schlußfolgerungen hat Clemens Winkler
noch kurz vor seinem Tode darauf hinge-
wiesen, daß diese wunderbaren Erscheinungen
möglicherweise gar nicht auf einen neuen
Körper, sondern nur auf einen besonderen
Zustand der Materie, etwa nach Art des mag-
netischen Eisens, zurückzuführen seien. Zur
Unterstützung dieser Auffassung wies er
darauf hin, daß eine ganze Reihe bekannter
Elemente Uran, Blei, Thorium und Tellur
radioaktive Modifikationen von unveränderten
chemischen Eigenschaften bilden. — Zu einer
praktischen Verwertung hat man die heftige
Einwirkung des R. auf die menschliche Haut
heranzuziehen versucht. Die R. strahlen rufen
auf der Haut Entzündungen und Brandstellen
hervor, und zwar anscheinend auf Geschwülste
krebsartiger Natur heftiger als auf die ge-
sunde Haut. Abschließende Erfahrungen über
die Behandlung von Krebs mit R.. liegen zur-
zeit noch nicht vor, ebensowenig über die
Beziehungen zwischen der Radioaktivität der
meisten Mineralquellen zu ihrer Heilkraft. —
Nachdem die österreichische Regierung die
Joachimstaler Pechblende dem freien Ver-
kehr entzogen hat, scheinen neuerdings auf

sächsischem Boden bei Oberwiesenthal abbau-
würdige Funde gemacht worden zu sein, die
auch durch eine sächsische Verordnung ge-
schützt wurden. — Zollfrei.

Radix (Wurzel). Die nachstehend aufge-
führten gangbaren Wurzeln des Drogenhan-
dels sind unter ihren deutschen Namen an
den betreffenden Stellen zu finden. Mehrere
derselben stellen eigentlich ein Rhizom,
einen Wurzel- oder Mittelstock dar, d. h.
einen unterirdischen, ausdauernden Stamm-
oder Stengelteil, welcher nach oben Triebe,
nach unten Nebenwurzeln austreibt, z. B.
Rhizoma calami, Kalmuswurzel, Rhiz. zin-
giberis, Ingwerwurzel, Rhiz. galangae, Galgant-
wurzel, Rhiz. iridis, Veilchenwurzel. Man
unterscheidet weiter als Wurzelart: 1. Die
Zwiebel, lat. Bulbus, gleichfalls ein Sten-
gelorgan, besteht aus dem Zwiebelboden,
der an der Unterseite die Wurzeln, auf der
Oberseite die Keimknospen trägt. Die letzte-
ren sind von fleischig gewordenen Schuppen-
blättern eingeschlossen, von denen die äußeren
mit der Zeit absterben und dann häutig wer-
den, z. B. Speisezwiebel, Meerzwiebel, lat.
Bulbus scillae; 2. Knolle: lat. Tuber,
welche als eine fleischige Knospe anzusehen
ist, z. B. Sturmhut, lat. Tuber aconiti, Kar-
toffel, lat. Solanum tuberosum; 3. Knoll-
zwiebeln, lat. Bulbo Tuber, bei denen die
Zwiebelscheibe fleischig verdickt und mit
einer oder nur wenigen Häuten umgeben ist.
z. B.: Safran, lat. Crocus sativus, Herbstzeit-
lose, lat. Tubera colchici. — Diese Unter-
scheidungen werden zwar in den Lehrbüchern
der Warenkunde, im Warenverkehr jedoch
nicht allgemein angenommen. Fälle dieser Art
sind hier besonders bezeichnet. Tuber aconiti,
Sturmhutwurzel; R. alcannae, Alkannawurzel;
R. althaeae, Eibischwurzel; R. angelicae, An-
gelika-(Engel-)wurzel; R. arnicae, Arnika-
wurzel; R. artemisiae, Beifußwurzel; Rhiz.
asari, Haselwurz; R. bardanae, Klettenwurzel;
R. bryoniae, Zaunrübe; R. caincae, Kainka-
wurzel; Rhiz. calami, Kalmuswurzel; Rhiz.
caricis arenariae, Sandriedgraswurzel; R. car-
linae, Eberwurz; R. caryophyllatae, Nelken-
wurzel; R. chinae, Chinawurzel; R. cichorii,
Zichorienwurzel; R. Columbo, Kolumbowur-
zel; R. serpentariae, Schlangenwurzel; R. con-
solidae majoris s. symphythi, Schwarzwurzel;
Rhiz. curcumae, Kurkumawurzel; R. dauci,
Möhre; R. enulae s. helenii, Alantwurzel;
Rhiz. Filicis maris, Farnkrautwurzel; Rhiz.
galangae, Galgantwurzel; R. gentianae, En-
zianwurzel; R. glycyrrhizae, Süßholzwurzel;
Rhiz. graminis, Queckenwurzel; Rhiz. helle-
bori, Nieswurz; R. s. tubera jalapae, Jalapen-
wurzel; Rhiz. imperatoriae, Meisterwurzel; R.
ipecacuanhae, Brechwurzel; Rhiz. iridis, Veil-
chenwurzel; R. iwarancusae, Vetiverwurzel;
R. levistici, Liebstöckelwurzel; R. liquiritiae,
Süßholzwurzel; R. ononidis,Hauhechelwurzel;
R. petroselini, Petersilienwurzel; R. pimpinel-
lae, Biberneilwurzel; Rhiz. polypodii, Engel-
süßwurz; R. pyrethri, Bertramwurzel; R. ra-
tanhiae, Ratanhia Wurzel; R. rhei, Rhabarber-
wurzel; Tubera salep, Salepknollen; R. sa-