﻿Ratafia

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Ratanhiawurzel

Varietäten Biewitz und Awehl, sind wich-
tige Ölpflanzen aus der Familie Brassica.
(Lat. Semen napi, frz. Semences de navette,
engl. Rape seeds.) Man unterscheidet: Bras-
sica campestris L. s. Brassica Rapa:
Rübsen, und Brassica Napus L.: Raps,
von denen ersterer wieder in B. annua,
Sommerrübsen, die einjährige, und B.
oleifera, Winterrübsen, die zweijäh-
rige Art eingeteilt wird. Die Pflanzen sind aus-
gezeichnet durch gelbe Blüten und lange,
schmale Schoten mit kleinen, schwarzen oder
braunen, runden, fast ganz glatten, ölreichen
Samen. Man baut sie in ganz Mittel- bis
Nordeuropa auf kräftigem, guten Boden und
in sehr starker Düngung als erste Frucht,
oft noch nach Brache. Stets erfordern sie
aber beste Bodenbearbeitung, meist in
Reihen, und sorgsamste Pflege. Der Same
ist etwa drei Jahre keimfähig. Man braucht
zu Drillsaat pro Hektar 0,15, zu Breitsaat
0,2—0,3 hl Saatgut und erntet 12—15, selten
25 hl. 1 hl wiegt 65—70 kg, am schwersten
ist der Winterraps, am leichtesten der Som-
merrübsen. 100 kg Raps sollen 36—40 kg öl
geben. Das Stroh, 30—40 Ztr., hat nur Streu-
wert, die ölreichen Schoten (Kappen) dienen
als Futtermittel. Der Raps erschöpft den
Boden sehr stark, wenn kein Ersatz für die
entzogenen Nährstoffe stattfindet, bildet aber
eine vortreffliche Vorfrucht für Getreide. Der
Rübsen trägt y*—■1/5 weniger, während Awehl
und Biewitz im Ertrage zwischen beiden
stehen und sie durch Widerstandsfähigkeit
gegen die Witterung übertreffen. — R. und
Rübsen leiden durch naßkalte, schneelose,
harte Winter, durch Nässe zur Vegetations-
zeit und in der Ernte, durch stürmisches
Wetter und Platzregen, durch eine sehr große
Zahl tierischer Schädlinge, wie: Raupen,
Schnecken, Blattläuse, Weißlinge, Gallmücken,
Maikäfer, Goldkäfer, Glanzkäfer und Vögel
(Tauben) und durch verschiedene Krank-
heiten. Der Same muß sehr gut behandelt
und vor der vollen Reife geerntet werden,
da die Schoten leicht aufspringen und den
Inhalt entleeren. Er wird deshalb auch mei-
stens bei Nacht oder doch im Morgentau ein-
gefahren, oder gleich auf dem Felde durch
Maschinen gedroschen. Bei der Aufbewah-
rung muß der R. so dünn als möglich auf-
geschüttet und fleißig gewendet werden, da
er leicht muffig wird. Auf dem Felde wächst
er bei Nässe leicht aus. Guter R. soll schwarz,
glänzend, gleichmäßig und frei von verletzten
Körnern sein, hingegen nicht rot oder rötlich
aussehen. 1 hl muß mindestens 66,5 kg wie-
gen, 1 kg ca. 200000 Körner haben. Die
Hauptverwendung findet der R. zur Öl-
gewinnung (s. Rüböl). Große Mengen wer-
den auch als Vogelfutter verwendet, und zwar
ist hierzu die Sommerware wegen ihres
süßeren Geschmackes beliebter. — Zoll: 5 M.

Ratafia ist eine Bezeichnung für diejenigen
Liköre, welche mit Säften frisch ausgepreßter
Obst- und Beerenfrüchte versetzt und mit
Gewürzen aromatisiert sind. Die besten der-
artigen Fabrikate werden zu Montpellier, sowie

zu Nancy und Paris bereitet. Grenoble hat
als Spezialität seinen berühmten Kirsch-
ratafia, der aus den schönsten großen, lang-
stieligen, meist schwarzen Kirschen hergestellt
wird. — Zoll: S. Tarif Nr. 178/9.

Ratanhiawurzel (lat. Radix ratanhiae, frz.
Racine de ratanhia, engl. Ratanhy root). Die
holzigen Wurzeln der in Peru wachsenden
Krameria triandra, eines niederen, ästigen
Strauches, sind bis 18 cm lange und 4V2 cm
dicke, knorrige und sehr harte Hauptwurzeln,
die nach unten in viele dünnere, hin und her
gebogene, bis 3 dem lange federkieldicke
Äste geteilt sind. Die Rinde ist schuppig-
rissig, außen rotbraun, auf dem Querschnitt
heller, das Holz der dickeren Stücke zimt-
farben, das der dünneren rötlichweiß. Die
wirksamen Bestandteile finden sich fast aus-
schließlich in der Rinde, die stark adstrin-
gierend und bitterlich schmeckt, während das
Holz nahezu geschmacklos ist. Diese peru-
anische Rinde, die eigentliche sog. echte
R., welche allein zum medizinischen Gebrauch
gestattet ist, kommt in Seronen von 75 bis
90 kg Inhalt hauptsächlich über die Ausfuhr-
plätze Payta und Callao nach Europa. Sie
enthält eine eigentümliche, Eisenoxydsalze
grünlichbraun fällende Gerbsäure, die Ra-
tanhiagerbsäure, und außerdem noch ein
Phlobaphen, Ratanhiarot, als wirksame Be-
standteile. R. wird in Form von Pulver, Ex-
trakt und Tinktur als zusammenziehendes
Mittel bei chronischen Diarrhöen, Schleim-
flüssen und Blutungen, sowie äußerlich zu
Zahntinkturen und Mundwässern, das Ex-
trakt in seltenen Fällen wohl auch als Gerb-
material gebraucht. Dieses Ratanhia-Ex-
trakt (lat. Extractum ratanhiae, frz. Extrait
de ratanhia, engl. Extrakt of ratanhy) ist
schwarz, im Bruche glänzend, zerrieben rot-
braun, schmeckt sehr zusammenziehend und
färbt beim Kauen den Speichel rot.—Außer der
echten Wurzel kommen noch einige andere,
nicht offizineile Sorten aus anderen Ur-
sprungsländern an den Markt, in erster Linie
die Savanilla- oder Neu-Granada-Ra-
tanhia aus Neugranada, welche eine viel
dickere Rinde als die echte hat, daher mehr
Extrakt liefert und also eigentlich der echten
vorzuziehen ist. Sie stammt von Krameria
Ixinia, nach anderen von Krameria to-
mentosa. Die Texas- oder mexikanische
R. aus Mexiko, Texas und benachbarten Ge-
genden Nordamerikas ist ebenfalls in der
Rinde viel stärker als im Holz. Die neuer-
dings in größeren Mengen eingeführte bra-
silianische oder Ratanhia von Ceara,
auch Pararatanhia genannt, von Krame-
ria argentea, darf in Apotheken nicht ver-
wendet werden. Die drei im Handel haupt-
sächlich vorkommenden Sorten von R. lassen
sich leicht durch die Färbung der daraus
bereiteten weingeistigen Tinkturen unterschei-
den, indem die Tinktur aus echter Payta-Ra-
tanhia rot, die aus Savanilla-Ratanhia gelblich,
mit einem Stich ins grüne, und die aus Para-
oder Ceara-Ratanhia rein gelb aussieht. In
sehr verdünnter Tinktur der echten R. erzeugt