﻿Rauchwaren

Räuchermittel	399

Bleizuckerlösung einen roten, in derjenigen
der beiden anderen Sorten einen hellvioletten
Niederschlag. — Zoll: R.-Wurzel ist zoll-
frei. R.-Extrakt als Gerbstoffauszug s. Tarif
Nr. 384.

Räuchermittel, welche beim Verbrennen
oder Verdampfen Wohlgeruch verbreiten, be-
stehen größtenteils aus wohlriechenden Har-
zen und Balsamen, häufig unter Zusatz von
ätherischen ölen und aromatischen Pflanzen-
teilen, Moschus und anderen Riechstoffen.
Die gebräuchlichsten Formen für R. sind:
Räucherpulver (lat. Pulvis fumalis odora-
tus, frz. Poudre ä parfumer, engl. Parfuming
powder), Gemische von Plarzen, wie Storax,
Benzoe, Weihrauch mit Zimt und anderen wohl-
riechenden Gewürzen, zum Teil auch, nur der
bunten Färbung wegen, mit Blüten (Lavendel,
Ringelblumen, Klatschrosen, Kornblumen), so-
wie meist unter Beimischung von ätherischen
Ölen und etwas Moschus; Räucheressenz
(Räuchertinktur, lat. Tinctura fumalis, Tein-
ture de parfumer, engl. Parfuming tincture),
alkoholische Auszüge aus aromatischen Har-
zen, Rinden und Gewürzen, mit Zusatz kleiner
Mengen ätherischer Öle, Ambra- und Moschus-
tinktur. Die Essenzen werden entweder für
sich auf Ofenplatten oder in besonderen
kleinen Apparaten verdampft, oder sie dienen
zur Anfertigung von Räucherpapier (lat.
Charta fumalis, frz. Papier ä parfumer, engl.
Parfuming paper), welches mit der Essenz
mehrmals durchtränkt und getrocknet ist und
angezündet bis zu Ende verglimmt. —
Räucherkerzchen (lat. Candelae fumales
nigrae s. rubrae, schwarze oder rote R., frz.
Pastilles ä parfumer, engl. Fumigating cand-
les) können mit mehr oder weniger Harzen,
Rinden und anderen wohlriechenden Species
hergestellt werden. Als brennbaren Bestand-
teil erhalten die schwarzen einen Zusatz von
feinem Holzkohlenpulver, die roten fein ge-
pulvertes Sandelholz mit einer Beimischung
von etwas Salpeter. Die sämtlichen Ingre-
dienzen werden gemengt und mit Tragant-
schleim zu einem Teig gestoßen, aus dem man
die kleinen Kegel oder Stengelchen formt. —
Räucherkerzen werden auch unter Zusatz von
Insektenpulver als Schnakenkerzen her-
gestellt. — Der ebenfalls hierher gehörige
Ofenlack besteht aus einer weingeistigen
Auflösung wohlriechender Harze. — Zoll:
:S. Tarif Nr. 356. 358.

Rauchwaren. Mit diesem Namen belegt
man die Pelzfelle, die, größtenteils zur mensch-
lichen Bekleidung bestimmt, ihren Haarstand
ungelockert behalten müssen und daher nur
auf der durch Schaben gereinigten Fleisch-
seite eine konservierende Bearbeitung mit
Alaun, Salz, Fett, Butter oder öl erhalten
haben. Ein Teil dieser Felle, besonders von
Biber, Bison, Fischotter, Nutria, Hasen und
Kaninchen, findet allerdings auch eine an-
dere Verwendung, indem sie geschoren, und
die Haare in der Flutmacherei verwendet
werden. Die Behaarung der Tiere verändert
sich im Jahreslaufe fortwährend, im Sommer
sind die Pelzfelle am wenigsten wert, und die

Preise beziehen sich daher immer auf Winter-
ware. Die besten und teuersten Pelzfelle kom-
men aus dem kalten Norden der Alten und
Neuen Welt, und zwar sind Rußland und
England die Hauptlieferanten. Die Russen
bringen sie aus dem Norden ihrer europäi-
schen und mehr noch ihrer asiatischen Be-
sitzungen in den Handel, die Engländer aus
Kanada und den ungeheuren, noch nördlicher
gelegenen Waldländern, in denen die Hud-
sonsbai-Gesellschaft früher das Monopol hatte,
jetzt aber den Handel in freier Konkurrenz be-
treibt. Ein Teil des nordamerikanischen
Pelzwerks kommt auch aus den Vereinigten
Staaten. Die Verkaufskontore der Hudsons-
bai-Kompanie sind Montreal in Kanada für
Büffelhäute und London für das eigentliche
Pelzwerk. Meist vergeht 1—11/2 Jahr, ehe
die Ware an den Londoner Markt kommt.
Hier wurden früher von der Kompanie jähr-
lich drei große Pelzauktionen abgehalten, im
Januar, März und September, neuerdings nur
noch 2 (Januar und März). — In Kanada ist,
wie in den Vereinigten Staaten, der Ver-
kehr mit Pelzwerk frei, und bares Geld das
Einkaufsmittel. Neben zahlreichen kleineren
Kaufleuten bestehen mehrere Pelzkompanien
und große Handelshäuser. Die Waren dieser
Länder kommen entweder direkt nach Lon-
don oder Leipzig, oder gehen erst nach New
York und von da, aus zweiter Hand nach
diesen europäischen Hauptplätzen. In neuerer
Zeit wird Leipzig von den Amerikanern vor
London häufig bevorzugt, weil hier der Ab-
satz bequemer ist. Sie entnehmen hier große
Quantitäten russischen und deutschen Pelz-
werks und verbrauchen besonders sibirisches
Feh, Hermelin und die in Europa gefärbten
Modesachen, ferner viel polnische und franzö-
sische Kaninchenfelle, die in Deutschland zu-
bereitet sind, und gute russische Zobel. —
Von amerikanischem Pelzwerk importiert auch
Dänemark einen gewissen kleinen Anteil
aus seinen Besitzungen in Grönland (weniger
von Island), und zwar hauptsächlich Fuchs-
und Robben-, sowie einige Eisbären-Felle.
— Südamerika beteiligt sich am Handel
nur durch Chinchilla-, Viscache- und Koipu-
felle, seine Jaguar- und Pumafelle sind für den
Handel hingegen von geringer Bedeutung. —
Von Schweden und Norwegen kommen,
außer solchen Fellen, die auch anderwärts
häufiger sind, wie Füchse, Marder, Iltisse,
Dachse, Ottern und Katzen, schöne Felle von
Luchsen, Seehunden, Silber- und Kreuzfüch-
sen, meistens auf die Leipziger Messen, das
Beste davon geht weiter nach Rußland. —
Rußland selbst ist unbedingt das wichtigste
Gebiet für Erzeugung, Verbrauch und Handel
in R. Ein bedeutender Teil seines Handels
richtet sich nach dem großen, viel verbrau-
chenden Nachbarlande China, und vollzieht
sich in der russischen Grenzstadt Kiachta. Ein
anderer Teil geht über Astrachan in den
persischen Handel. Sonst sind als Hauptmeß-
plätze Irbit in Sibirien und Nishnij Now-
gorod zu nennen. Der letztere ist der eigent-
liche internationale Tauschplatz, wohin zu