﻿Rauchwaren

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Raute

der im Juli und August stattfindenden Messe,
außer den. russischen und asiatischen Pelz-
produkten, auch armenische, amerikanische,
skandinavische und deutsche in Menge her-
beigeführt werden. Fast jeder Besucher ist
Käufer und Verkäufer zugleich. Außer diesen
periodischen sind Petersburg und Moskau,
sowie in geringerem Grade Warschau als per-
manente Meßplätze zu betrachten. — Der
deutsche Rauchwarenhandel befindet sich
in seinen letzten Verzweigungen in sehr vielen
Händen, da sich zahlreiche kleine Händler
und alle Kürschner beim Einkauf beteiligen.
Größere Kaufleute sammeln dann die Waren
noch weiter und führen sie den eigentlichen
Plandelsplätzen zu. Von den Jägern werden
die sog. Wildwaren, Füchse, Edel- und Stein-
marder, Iltisse, Dachse und Ottern gekauft,
vom Landmann Lamm- und Ziegenfelle, in
den Städten Kaninchen und Katzen. Die
Menge der in Deutschland zusammengebrach-
ten Wildfelle ist gar nicht unbeträchtlich,
und namentlich in Bayern, Württemberg, und
besonders den Ländern unter und zwischen
den Alpen finden sich sehr preiswürdige Mar-
der, Iltisse, Füchse und Ottern. Mehrere
größere Städte Deutschlands beschäftigen sich
mit Rauchwarenhandel, und besonders Ham-
burg, Lübeck und Bremen betreiben viel
Speditions-, Aus- und Einfuhrgeschäfte mit
amerikanischem, russischem, nordischem,
deutschem und französischem Pelzwerk und
mit grönländischen Robbenfellen. — Wien
versorgt Österreich, Ungarn und Italien
mit amerikanischen und russischen R. und ist
ein ständiger Markt für türkische, ungarische
und italienische Lämmerfelle. Berlin und
Breslau haben neben bedeutendem Inlands-
handel besonders viel Absatz nach Rußland
und Polen. Auch Ungarn ist für den Handel
von großer Bedeutung, und zwar sowohl als
Produzent vieler Wildwaren, Schaf- und Läm-
merfelle, wie als Abnehmer, da dort Pelz-
werk zu den Landestrachten gehört. Alle
Länder und Provinzen brauchen aber noch
Meßplätze, wo sämtliche R. zu kaufen
sind. Der bedeutendste Zentralpunkt in dieser
Branche und ein eigentlicher Weltmarkt ist
Leipzig geworden, an Bedeutung kaum we-
niger wichtig als London, das eigentlich nur
eine Durchgangsstation für die amerikani-
schen Waren bildet. In Leipzig kommen auf
den beiden Hauptmessen alle gangbaren
Pelzwaren der Alten und Neuen Welt zu-
sammen, und da fast jeder Besucher, der
etwas zum Verkauf bringt, auch wieder
anderes mitnimmt, so gestaltet sich das Ge-
schäft wie ein großartiger, nur hier möglicher
Tauschhandel. In beiden Messen ist das Sor-
timent dasselbe, nur werden die deutschen
Wildwaren aus jedem Winter meistens schon
in der Ostermesse abgesetzt. Die Amerikaner
kaufen von den Deutschen hauptsächlich zu-
bereitetes Feh, Marder, Iltis und polnische
Kaninchen, von den Franzosen gefärbte Ka-
ninchen, von den Russen Hermeline, Nörze
und weiße Hasen. Engländer kaufen rohes
Feh, Hermelin, persische Lammfelle, Marder,

polnische Kaninchen und in letzter Zeit auch
amerikanische Waren. Franzosen und Ita-
liener entnehmen zubereitetes Feh, Hermelin,
persische und Astrachaner Lammfelle, pol-
nische Kaninchen, russische und amerikani-
sche Zobel, Chinchillas usw., Russen und
Polen besonders deutsche und nordische
Füchse, Marder, Otter, Waschbären, Bären,
virginische Iltisse, Skunks, Biber, Seeotter,
Zobel, Chinchillas, Luchse, Bisam, Pelzsee-
hunde und Kaninchen. Die Griechen und
Rumänen brauchen für ihre Nationaltrachten
hauptsächlich Füchse, deutsche und amerika-
nische rote, russische und amerikanische
weiße, ferner Luchse, Zobel, Nörze, Wölfe,
schwarze Katzen, französische Kaninchen
usw. Die Deutschen entnehmen hier fast alle
Pelzarten zum inneren Konsum und zum Han-
del mit dem Auslande. Leipzig ist auch außer
den Messen wichtig und ein ständiger Markt
für R. geworden, wo die bedeutendsten frem-
den Handelshäuser Kommanditen halten. —
Es gibt wohl keinen zweiten Wertartikel, wel-
cher so durchgreifend wie das Pelzwerk alle
Völker der nördlichen Erdhälfte, auf welcher
Kulturstufe sie auch stehen mögen, zueinander
in Geschäftsbeziehungen setzt. Auch sind diese
Beziehungen, was die Alte Welt anlangt,
schon uralt, denn wie unsere Vorfahren im
Mittelalter von den Russen, so bezogen schon
die alten Griechen und Römer aus denselben
nordischen Quellen, d. h. von Skythen und
anderen, jetzt nicht mehr genannten Völkern,
Luxuspelzwerk. Je weitere Handelsreisen ein
Pelzwerk macht, um so deutlicher charakteri-
siert es sich als Luxusware. Luxus und Mode
haben aber von jeher den Rauchwarenhandel
in erster Linie beeinflußt und besonders sei-
nen hohen Aufschwung in letzter Zeit herbei-
geführt. Allerdings unterliegt der Ertrag der
verschiedenen Jahre durch Nahrungs- und
Witterungsverhältnisse großen Schwankun-
gen; auch scheinen die Pelzjagden schwie-
riger und mühevoller geworden zu sein. Tat-
sächlich aber ist die Zufuhr, zum Teil aller-
dings durch das Hinzukommen verschiedener
neuer, früher nicht am Markte befindlicher
Sorten, in beständigem Wachstum begriffen.
Außerdem versteht die Kunst heute viel
besser der Natur nachzuhelfen als früher,
das Bearbeiten, Färben, Rupfen und Scheren
der Felle ist eine große Industrie geworden,
die namentlich in der Umgegend von Leipzig
Tausende von Arbeitern lohnend beschäftigt.
Das Färben darf nicht mit dem sog. Blen-
den der Waren, d. h. natürlicher Farbe einen
höheren Glanz oder dunklere Nuancen zu
geben, verwechselt werden. Die Färber-
industrie ist namentlich in den letzten Jahren
großgezogen, indem die Mode fast durchweg
tiefschwarz oder tief dunkelbraun ver-
langt, Farben, die bei natürlichen Fellen nur
wenig Vorkommen. — Ein nicht zu ändernder
Umstand ist die fortgehende Verteuerung der
Waren. — Zoll für Rauchwaren siehe Tarif
Nr. 155. 563 ff.

Raute (lat. Herba rutae, frz. Herbe de rue,
engl. Rue leaves). Im Drogenhandel werden