﻿Rebenschwarz

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zwei Sorten R. geführt, die Gartenraute
(Herba rutae hortensis) und die Mauerraute
(Herba rutae murariae). Die erstere, Ruta
graveolens, aus der Gattung der Ruta-
ceen, ist ein auf Gebirgshängen des südlichen
Europa und zum Teil selbst Süddeutschlands
wild wachsender Strauch, der auch in unseren
Gärten gut fortkommt und sich durch Wurzel-
teilung, Stecklinge und Samen vermehren
läßt. Die frischen Blätter, die zuweilen als
Gewürz an Salat oder auf Butterbrot genossen
werden, haben einen durchdringenden, widrigen
Geruch und brennend-bitterlichen Geschmack.
Die Mauerraute, Asplenium Ruta, wird
nur etwa fingerlang, ähnelt aber sonst der
Gartenraute sehr und wächst hauptsächlich
auf Gemäuer und steinigem Boden. Als
riechendes und schmeckendes Prinzip findet
sich ein dem Querzitrin nahestehendes Gluko-
sid, Rutin, und ein ätherisches öl, das in
allen Teilen der Pflanze abgelagert ist. Durch
das Trocknen werden Geruch und Geschmack
stark verringert. Aus dem getrockneten
Kraute oder den Blättern beider Arten ge-
winnt man das Rautenwasser und den
Rautenessig. Das mit Wasser oder Dampf
von den frischen blühenden Pflanzen ab-
destillierte ätherische öl (lat. Oleum rutae,
frz. Essence de rue, engl. Oil of rue) ist
gelblich, von starkem Rautengeruch und
bitterscharfem Geschmack, und hat ein spez.
Gew. von 0,833—0,840. Es ist linksdrehend,
in verdünntem Spiritus löslich und besteht
vorwiegend aus Methylnonylketon. Eine
Verfälschung mit Terpentinöl erkennt man
an der Erhöhung des spez. Gew. Die
Raute wird in der Volksmedizin als magen-
stärkendes Mittel verwendet und kann in
größeren Mengen dem Mutterkorn ähnlich
wirken. Die übrigen Präparate finden als
nervenstärkende Mittel Anwendung. — Zoll:
Rautenkraut ist zollfrei; Rautenöl: 30 M.

Rebenschwarz (frz. Noir de vigne, engl.
Vine-black) nennt man eine sehr feine Kohle,
die als gut deckende schwarze Farbe zum
Malen mit Wasser und öl und zu Druck-
firnis gebraucht und durch Glühen von Wein-
reben und den Kämmen von Weintrauben
in geschlossenen eisernen Töpfen oder Re-
torten erhalten wird. Das R. bildet die zweite
Sorte des Frankfurter Schwarz, dessen
erste und bessere Sorte durch Verkohlen
von Weinhefe hergestellt wird. — Zoll: S.
Tarif Nr. 330.

Reginaviolett ist eine Bezeichnung für drei
seit 1860 bekannte Teerfarbstoffe. Das
ohne nähere Bezeichnung, auch Violet im-
pörial rouge, Regina purple genannte R.
erhält man aus den Abfällen der Fuchsin-
fabrikation nach dem Arsenverfahren durch
Behandlung "mit einem Gemenge von Ros-
anilin und Essigsäure bei 120° als ein
grünes, in Wasser mit rotvioletter Farbe lös-
liches Pulver, welches Wolle direkt färbt.
Die beiden anderen Arten werden als Re-
ginaviolett spritlöslich und wasser-
löslich unterschieden. Ersteres ist einNeben-
produkt der Fuchsinfabrikation nach dem

Merck’s Wareulexikon. 5. Aufl.

Reis

Nitrobenzolverfahren, während das wasser-
lösliche R. aus dem spritlöslichen durch
Einwirkung von konzentrierter Schwefelsäure
und Neutralisieren mit Soda erhalten wird.
Nur das letztere findet in der Färberei An-
wendung. Das spritlösliche dient zur Dar-
stellung von sogenanntem Goldkäferlack. —
Zollfrei.

Reglise. Mit diesem Namen belegt man
sowohl den Süßholz- oder Lakritzensaft (s.
Süßholz), als auch den in Apotheken,
Drogerien und Konditoreien bereiteten Leder-
zucker (Pasta), welcher sowohl weiß als
braun hergestellt wird. Die weiße R. (lat.
Pasta gummosa, seu Pasta althaeae, frz. Päte
de gomme, engl. Paste of gum) wurde früher
mit Altheewurzelschleim bereitet, in welchem
arabisches Gummi und Zucker aufgelöst war.
Jetzt verwendet man nur letztere beiden Stoffe,
löst sie in Wasser, dampft die geklärte Lösung
bei gelinder Hitze unter fortwährendem Rühren
bis zur Sirupsdicke ab und verbindet sie mit
zu Schaum geschlagenem Eiweiß. Darauf
aromatisiert man mit etwas Orangenblüten-
wasser und dickt weiter ein, bis eine Probe
beim Erkalten einen steifen Teig bildet, gießt
dann die Masse auf Blech oder in Papier-
kapseln aus und beläßt sie noch einige
Tage in der Wärme, bis sie die richtige
Festigkeit erlangt hat. Schließlich wird sie
in Stücke geschnitten und verpackt. Diese
Paste ist weiß, rein süß, porös und zerbrech-
lich, wird aber an der Luft durch Anziehen
von Feuchtigkeit wieder zähe. Zu dem
braunen Lederzucker (lat. Pasta liquiri-
tiae, frz. Päte de reglisse, engl. Pate of
liquorice root) benutzt man ein Extrakt aus
geschälter und fein geschnittener Süßholz-
wurzel und eine Lösung von arabischem
Gummi und Zucker. Die gemischte und ge-
klärte Lösung wird in gelinder Wärme unter
sorgfältigem Abschäumen eingedampft, die
klare Masse bei gehöriger Konsistenz auf
Blech oder Papier zu Tafeln ausgegossen,
vollends getrocknet und in Stückchen ge-
schnitten. Diese Masse bleibt biegsam, bern-
steingelb und durchsichtig. Die R. dienen
als Hausmittel gegen Husten und Heiser-
keit und gehören zu der Klasse der Bonbons.
— Zoll: S. Tarif Nr. 202.

Reinettenessenz, ein zu den künstlichen
Fruchtäthern gehöriges Fabrikat, besteht aus
Birnenessenz mit 5—10% Baldriansäureamyl-
äther. — Zoll: S. Tarif Nr. 347.

Reis (lat. Fructus s. Semen oryzae, frz.
Riz, engl. Rice), die Hauptbrotfrucht der
Asiaten, ist eine Pflanze aus der Gattung der
Gramineen, welche sich, wahrscheinlich von
Ostindien aus, weit verbreitet hat und jetzt
in der ganzen subtropischen und gemäßigt
warmen Zone angebaut wird. In Europa ge-
deiht der R. bis zu 45 0 n. Br. in den Mittelmeer-
ländern, besonders in Norditalien, und zwar
auf sumpfigem Boden, oder überschwemmt
gehaltenem, eingedämmtem Lande. Man baut
mehrere Varietäten: Bergreis, Oryza mon-
tana Lour., auch auf mehr trockenem Boden,
ferner gemeinen R., Oryza sativa, früh-

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