﻿Resorzin

403

Rhabarber

Resorzin (Paradioxybenzol), eine den
Phenolen nahestehende organische Verbin-
dung, besitzt als Ausgangsmaterial zahl-
reicher Farbstoffe außerordentliche tech-
nische Bedeutung. Es wurde zuerst von
Hlasiwetz und Barth durch Einwirkung von
schmelzendem Ätzkali auf einige Gummiharze
erhalten, wird jetzt jedoch fabrikmäßig aus
Benzol dargestellt. Das letztere wird zunächst
durch vorsichtiges Mischen mit rauchender
Schwefelsäure in Benzolmonosulfosäure über-
geführt, und letztere durch Erhitzen auf 275°
in Benzoldisulfosäure umwandelt. Hierauf
verdünnt man mit Wasser, neutralisiert mit
Kalkmilch und trennt die Flüssigkeit, welche
nun benzoldisulfosauren Kalk enthält, von
dem unlöslichen schwefelsauren Kalk. Durch
Zusatz von Soda zu der Lösung wird das
Kalksalz in das Natronsalz (benzoldisulfo-
saures Natron) umgewandelt, während sich
kohlensaurer Kalk abscheidet. Man dampft
die Lösung zur Trockne und erhitzt unter be-
ständigem Rühren mit starker Natronlauge
auf 270°, bis die Masse zäh und beinahe fest
wird, löst dann in kochendem Wasser und
versetzt mit Salzsäure bis zur schwach saueren
Reaktion. Aus der wässerigen Lösung schüt-
telt man das R. mit Äther aus, destilliert
das Lösungsmittel ab und befreit den Rück-
stand durch Erhitzen auf 215° C von den
letzten Spuren Äther und Wasser. Das R.
stellt dann eine für die Farbenfabrikation ge-
nügend reine, harte und brüchige Masse, von
ziemlich weißer Farbe dar. Durch weitere
Reinigung kann man es ganz weiß und in
großen tafelförmigen Kristallen erhalten, die
sich in Wasser, Alkohol und Äther sehr leicht
lösen, dagegen in Schwefelkohlenstoff, Benzin,
Benzol und Chloroform unlöslich sind. Es
schmilzt bei 118° und siedet bei 278°, subli-
miert aber schon bei niederer Temperatur.

—	Das chemisch reine R. (lat. Resorcinum
purissimum) wird medizinisch verwendet, und
zwar sowohl äußerlich als Antiseptikum, als
auch innerlich gegen Erbrechen. Das tech-
nische R. dient zur Herstellung der Resor-
zinfarben, hauptsächlich: Eosin, Coccin,
Nopalin, Phloxin, Mandarine, Resor-
zinblau, Jaune d’Orient, Ponceau
d’Orient und Scharlach. — Zollfrei.

Resorzinblau (Fluoreszierendes Blau,
frz. Bleu fluorescent), ein aus Resorzin dar-
gestellter Teerfarbstoff, kommt als braun-
rote, dicke, mit grünen Kriställchen erfüllte
Flüssigkeit in den Handel. Es gibt mit heißem
Wasser eine rotviolette, grün fluoreszierende
Flüssigkeit, die Seide und Wolle mit bräun-
licher Fluoreszenz blau färbt. Zuweilen wird
auch das Lackmoid (s. d.) als R. bezeichnet.

—	Zollfrei.

Resorzinbraun, ein seit 1881 bekannter
Teerfarbstoff, bildet ein braunes Pulver,
welches sich in Wasser mit brauner Farbe
löst und Wolle im saueren Bade braun färbt.
Das R. besteht aus dem Natronsalze des Xyli-
din azosulfanilsäureazoresorzins. — Zollfrei.

Restitutionsfluid ist eine Mischung von
Kapsikumtinktur, Kampferspiritus, Ammo-

niak, Äther, Alkohol, Kochsalz und Wasser,
welche namentlich als Einreibungsmittel für
Tiere verwendet wird.

Rettich (frz. Radis, engl. Radish). Diesen
Namen führen verschiedene 0,4—0,7 m hohe
Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler,
hauptsächlich: Ölrettich, Rübenrettich
und Radieschen oder Monatsrettich.
Der aus China stammende Ölrettich hat sich
in Deutschland nicht verbreitet, weil er
gleich anspruchsvoll wie Raps, aber nicht so
einträglich und noch empfindlicher ist. Die
Radieschen und der gewöhnliche R. werden,
ihrer Wurzeln wegen, im großen von Gärt-
nern kultiviert und bilden den Gegenstand
des Lokalhandels. Die besten Rettich-Sor-
ten sind: langer schwarzer Erfurter,
runder Erfurter und weißer Erfurter,
runder und schwarzer Wiener. Der R.
muß zart sein und bleiben und nicht pelzig
und hart, fleckig oder faul werden. Man über-
wintert ihn deshalb mit den Köpfen, am
besten in Gruben oder Mieten. Von den
Radieschen sind die runden und länglich
runden die zarteren und besseren. Die vor-
züglichsten Sorten bilden die rosenroten
runden Monatsradieschen, die scharlachroten
runden Treib-Radieschen, die rosenroten R.
mit weißer Spitze, die länglichweißen, ovalen
und rosenroten Radieschen, und zwar sind
am allerbesten die in Mistbeeten gezogenen.

—	Zoll: S. Tarif Nr. 33.

Rhabarber (lat. Radix rhei, frz. Rhubarbe,
engl. Rhubarb), eine in China und Mittel-
asien heimische Pflanze aus der Familie der
Polygonaceen, wird wegen ihrer als Ge-
müse benutzten Stengel und ihrer medizinisch
wirksamen Wurzeln vielfach angebaut. Für
den ersteren Zweck kommen hauptsächlich
Gartenrhabarber oder handförmiger
R. (Rheum palmatum), der Englische R.
aus der Tatarei und Tibet (Handleaved Rh.),
dann R. compactum aus der Mongolei,
der wellförmige R. (R. undulatum) und
der Bastard-R. (R. hybridum), für den
letzteren Zweck besonders Rheum offici-
nale und palmatum in Betracht. Der
kleinblättrige R. (Rheum rhaponticum)
auch Berg oder Pontiseher R. genannt,
und der Emodi- oder Ostindische R.
(Rheum emodi) liefern die adstringierend
wirkenden Rapontika-Wurzeln, die nur
in der Tierheilkunde Verwendung finden. —
Die Rhabarber-Wurzel (lat. Radix rhei,
frz. Racine de rhubarbe, engl. Rhubarb root),
eines der ältesten und zuverlässigsten Heil-
mittel, stammt von den im Inneren Asiens
wachsenden Pflanzen und kam früher auf
dem Landwege über Rußland als Russi-
scher R. (Radix rhei moscovitica, rossica
oder coronalis) oder auch als Bucharischer
R., jetzt nur noch von Shanghai auf dem
Seewege als Chinesischer R. in den Handel.

—	Die russische Ware erhält man in oben und
unten abgestutzten, kegelförmigen Stücken
oder in Längsschnitten einer größeren Wurzel,
welche auf einer Seite flach, auf der andern