﻿Rhabarber

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Rizinusöl

gewölbt erscheinen. Die Stücke sind stets
ganz geschält und fühlen sich rauh an. Auf
dem Bruche oder Durchschnitt zeigen sie
auf weißem Grunde rote Streifen und Adern,
und die Intensität dieser Marmorierung
bildet neben der Festigkeit der Stücke und
der Feinkörnigkeit des Bruches einen Maß-
stab für die Güte. Zum Anreihen auf Fäden
zum Trocknen sind die größeren Stücke
durchbohrt. — Die weniger wertvolle Chi-
nesische Ware bildet Stücke verschiedener
Form und Größe, entweder walzenförmige,
durch das Schälen kantige Rundstücke, mit
einem Bohrloch für die Anhängeschnur oder
glatte, unvollständig geschälte Stücke ohne
Durchlochung. Die rote Marmorierung, das
Zeichen höherer Wirksamkeit, tritt schwächer
hervor, und dementsprechend ist auch das
Pulver weit heller als das dunkelgelbe der
russischen Droge. — R. riecht eigentümlich
aromatisch, der Geschmack ist bitter aroma-
tisch. Das Pulver knirscht wegen des Vor-
handenseins von Oxalatkristallen zwischen
den Zähnen und färbt den Speichel gelb.
Die abführende Wirkung des R. beruht auf
seinem Gehalte an Emodin und Oxy-
methylanthrachinon. Ferner sind an
charakteristischen Stoffen zugegen: Oxal-
saures Kalzium, Frangulasäure, Chryso-
phansäure, möglicherweise in glukosidischer
Bindung, eine eigentümliche Gerbsäure,
Rheumgerbsäure und verschiedene Stoffe,
die möglicherweise als Zersetzungsprodukte
anzusprechen sind. Von dem chinesischen R.
unterscheidet man hauptsächlich zwei Sorten,
den wilden oder Shensi-R., welcher auf
den Bergen der gleichnamigen Provinz wild
wächst und im März oder April nach Shanghai
auf den Markt kommt, und den kultivierten
oder Szechuen-R., der im Oktober geerntet
wird. Die Ware kommt in Kisten von dünnem
Holz, die innen mit Blei ausgelegt und mit
grünem Papier überzogen sind, nach Europa.
Um sich gegen Verfälschungen und Unter-
schiebung minderwertiger Ware zu schützen,
muß man folgende Merkmale beachten: Die
Stücke sollen schwer und kompakt, aber
nicht schwammig sein. Nach dem Abreiben
mit einer scharfen Bürste müssen sie eine
dunkle Farbe und die rötliche Marmorierung
zeigen. Das Pulver wird bisweilen durch
Bolus und Ocker, welche man an der Er-
höhung des Aschengehaltes erkennt, ver-
fälscht, Zusätze von Stärke erkennt man mit
Hilfe des Mikroskops. Die zu Anfang er-
wähnten europäischen Wurzeln sind minder
wirksam und sollen wie der pontische nur zu
Tierheilmitteln benutzt werden. — Der R.
wirkt infolge seiner verschiedenen Bestand-
teile sowohl adstringierend als purgierend,
kann also in kleinen Gaben zur Stillung von
Durchfällen, in größeren als Abführmittel
Verwendung finden. Außerdem wird er in
Form von Pulvern, Pillen, Extrakten, Tink-
turen und Sirupen gegen viele Unregelmäßig-
keiten des Verdauungssystems, gegen Leber-
und Nierenleiden und Skrofeln verordnet,
sowie technisch als Farbstoff verwendet. —

Zoll: R. zollfrei; R.-Extrakt, R.-Tinktur, R.-
Sirup s. Tarif Nr. 386, R.-Wein Nr. 184.

Rhenser Sprudel bei Koblenz. 1000 Ge-
wichtsteile enthalten nach Hintz und Grünhut
(1902): Bikarbonate des Natriums 0,8890 g,
Lithiums 0,0102 g, Ammoniums 0,0097 g,
Kalziums 0,4623 g, Strontiums 0,0003 g,
Magnesiums 0,3438 g, Eisenoxyduls 0,0229 g,.
Manganoxyduls 0,0015 g, Chlornatrium 1,2536 g,
Bromnatrium 0,0014 g, Jodnatrium 0,00002 g,
Sulfate des Kaliums 0,0426, Natriums 0,7605 g,
Arsensaures Natrium 0,00015 g, Borsäuren
Natrium 0,0057 g, Kieselsäure 0,0170 g und
freie Kohlensäure 3,1080 g.

Rhodamin, ein seit 1887 bekannter Teer-
farbstoff, wird durch Zusammenschmelzen
von Phtalsäureanhydrid mit Diäthylmetamido-
phenol und Behandlung der Schmelze mit
Salzsäure erhalten und erscheint als rötlich-
violettes Pulver oder in grünen Kristallen,
welche mit bläulichrotem Wasser stark
fluoreszierende Lösungen geben. Der Farb-
stoff färbt Wolle und Seide bläulichrot mit
starker Fluoreszenz und zwar sehr echt, tan-
nierte Baumwolle violettrot, ohne Fluoreszenz,
geölte Baumwolle ebenso, mit Fluoreszenz.
— Zollfrei.

Rhodium, eines der Platinmetalle (s. Pla-
tin), vom spez. Gew. 12,100, welches sich
nur durch umständliches Verfahren als kom-
paktes Metall darstellen läßt, ähnelt in reinem
Zustande dem Aluminium im Ansehen und ist
weich, geschmeidig und dehnbar wie Silber.
Unreines R. ist hart und spröde. Es schmilzt
schwerer als Platin, aber leichter als Iridium
und ist in Königswasser unlöslich. R. hat bis
jetzt nur chemisches Interesse. — Zoll: S.
Platin.

Rizinusöl (Wunderbaumöl, Kastoröl,
lat. Oleum ricini, Oleum palmae christi, frz.
Huile de ricin, engl. Castor oil) wird aus
den Samen der Rizinuspflanze, Ricinus
communis, gewonnen und gehört zu den
fetten Ölen. Der Rizinus- oder Wunderbaum
ist ein ursprünglich ostindisches, jetzt aber
über viele Länder durch Verpflanzung ver-
breitetes Gewächs aus der Familie der Wolfs-
milcharten, welches in wärmeren Ländern
Strauch- und baumartig wächst, bei uns aber
nur als 2—2Vz m hohe Blattpflanze in Gärten
und Anlagen gezogen wird. In seiner Heimat
wird er 7—10 m hoch. Seine großen, hand-
förmigen, 7—lOspaltigen Blätter sitzen schild-
artig auf langen Stielen. Die Blüten stehen
in großen Trauben und liefern stachelige,
aufspringende Samenkapseln. Die unter dem
Namen große Purgierkörner oder Pur-
giernüsse (lat. Semen ricini, Semen cata-
putiae majoris, frz. Semence de ricin, engl.
Castor seeds) bekannten Samen von ellip-
tischer, zusammengedrückter, auf der einen
Seite stumpfkantiger, auf der anderen ge-
wölbter Gestalt, haben eine glatte, glänzende,
rotbraun getüpfelte Oberfläche, welche der
harten, dünnen und leicht zerbrechlichen
Samenschale angehört. In dieser liegt ein
gelblichweißer, ölhaltiger Kern, der anfangs