﻿Riechsalz

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Roggen

mandelartig mild, hinterher etwas kratzig
schmeckt. Die frühere Verwendung der
Samen als Laxans ist wegen ihres Gehaltes an
dem sehr giftigen Rizin jetzt ganz durch
diejenige des Öles verdrängt worden. Das
R. wurde früher durch Auskochen der zer-
-quetschten Samen mit Wasser gewonnen,
während man jetzt die enthülsten Kerne
kalt auspreßt und so 40—50% Öl erhält.
Durch heißes Nachpressen gewinnt man noch
weitere 7% Öl, die jedoch, ebenso wie das
mit Schwefelkohlenstoff extrahierte Öl nicht
medizinisch, sondern nur technisch benutzt
werden. Zur Entfernung der letzten Rizin-
spuren kocht man es einige Zeit mit Wasser,
wobei die fremden Bestandteile zu Boden
sinken, während das Öl selbst sich klärt,
hellfarbiger und milder wird. Von den ver-
schiedenen Handelssorten werden die kalt
gepreßten italienischen und französischen öle
den warm gepreßten und daher gelblichen
amerikanischen und ostindischen vorgezogen.
Das R. ist im reinem Zustande hell und
farblos oder nur schwach gelblich und ohne
Geruch und Geschmack. Es ist dickflüssiger
als andere fette öle und hat ein spez. Gew.
von 0,960. In der Kälte scheidet es festes
Fett (Rizinusstearinsäure) aus und erstarrt
bei —17° völlig. R. muß mit 90grädigem
Weingeist eine klare Lösung geben. Eine
hierbei auftretende Trübung zeigt Verfälschung
mit anderen fetten Ölen an. Es besteht im
wesentlichen aus Rizinol- und Rizinisol-
säureglyzeriden, enthält aber kein Olein.
Zur Prüfung auf fremde Öle vermischt man
das R. mit dem vierfachen Volum Vaselinöl,
worin es zum Unterschiede von allen anderen
fetten Ölen unlöslich ist. Außerdem zieht man
das hohe spez. Gew. und die Löslichkeit in
Alkohol und Eisessig heran. Außer zu medi-
zinischen Zwecken als gelinde wirkendes Ab-
führmittel findet es auch technische Ver-
wendung, hauptsächlich zur Herstellung des
Türkischrotöls und von Schmiermitteln, sowie
in der Seifenfabrikation, bildet ferner einen ge-
wöhnlichen Bestandteil der käuflichen Lederöle
und ist auch für sich allein ein vorzügliches
Konservierungsmittel für Schuh- und anderes
Lederwerk. Die gewöhnliche Verpackung des
R. sind viereckige Blechdosen (Kanister) von
20 kg Inhalt, deren je vier in eine Kiste
eingesetzt sind. Das technische, gelbe Öl
kommt in Fässern zum Verkauf. — Zoll: S.
Tarif Nr. 166/7.

Riechsalz, englisches, besteht aus kohlen-
saurem Ammoniak, das mit ätherischen Ölen
parfümiert ist. — Zoll: S. Tarif Nr. 358.

Ringelblume (Lockenblume, lat. Flores
calendulae, frz. Fleurs de souci, engl. Ring
flowers). Die getrockneten Blüten der be-
kannten südeuropäischen, in Gärten häufig
vorkommenden Pflanze, Calendula offi-
cinalis, bilden einen Artikel des Drogen-
handels, werden aber fast nicht mehr medi-
zinisch verwendet. Sie haben einen bitteren,
herben Geschmack und eigentümlichen, etwas
narkotischen Geruch. Nur der Farbe wegen
werden die ausgezupften, rasch getrockneten

zungenförmigen Randblümchen als Bestand-
teil von Räucherpulvern benutzt, während
sie künstlich gefärbt auch zur Verfälschung
des Safrans dienen. — Zollfrei.

Rips (Ribs, Reps, Rippen, frz. und
engl. Reps) nennt man dicht gewebte Stoffe
mit längslaufenden erhabenen Rippen. Die
letzteren werden durch die starken, zwei-
und dreifädig gezwirnten Kettenfäden her-
vorgebracht, in welche ein Einschuß von
viel feinerem gezwirnten Garn gewoben und
stark angeschlagen wird, so daß dessen Fäden
diejenigen der Kette vollständig verdecken.
Stoff und Name sind ursprünglich englisch.
Die Ausführung geschah früher nur in Baum-
wolle, während jetzt überall R. auch mit
Baumwoll- oder Wollkette und wollenem
Einschlag zu Möbelbezügen, Türvorhängen,
Damenkleidern, sowie ferner in Seide als
Damenstoff hergestellt wird. Die Wollenripse
kommen auch mit Querrippen vor, welche
durch abwechselndes Einschießen eines
schwachen und eines starken Fadens erhalten
werden. — Zoll: Seidener und halbseidener
R. s. Tarif Nr. 401 ff. Wollener R. Nr. 427 ff.
Baumwollener R. Nr. 445 ff.

Roborat, ein aus Weizenkleber bestehen-
des Nährpräparat, enthält nach König:
9,46% Wasser, 82,25% Stickstoffsubstanz,
3,67% Fett, 3,04% Extraktstoffe, 0,19% Roh-
faser und 1,39% Asche. — Zollfrei.

Roborin wird von einer Berliner Fabrik
aus dem in Schlachthäusern abfallenden Blute
dargestellt und ist im wesentlichen als Kal-
ziumalbuminat anzusprechen. Das schwach
alkalische dunkelbraune Pulver ist nur wenig
in Wasser löslich und enthält: 6,74% Wasser,
77,38% Protein, 0,15% Fett, 3,37% Extrakt-
stoffe, 12,36% Asche.

Roccellin, ein dem Echtrot sehr nahe-
stehender Farbstoff, besteht aus Sulfo-Oxyazo-
naphthalin. — Zollfrei.

Rodinal, das salzsaure Paraamidophenol,
findet im Gemisch mit schwefligsaurem Na-
trium und Kaliumkarbonat als photographi-
scher Entwickler Anwendung.

Roggen (Korn, frz. Seigle, engl. Rege),
neben dem Weizen die wichtigste Getreide-
sorte, besteht aus den Samen von Secale
cereale, welche in zahlreichen Spielarten
wie: Gewöhnlicher oder kurzer R., Johannis-,
Probstei-, Campiner-, Kleb-, Riesenstauden-,
russischer Schnee-Roggen usw. angebaut wer-
den. Die meisten Varietäten leiten sich von
dem gewöhnlichen R. und dem Stauden-R.
ab, in welche sie auch leicht wieder über-
gehen. R. findet sich sowohl in China, Mittel-
rußland und Österreich als hauptsächlich in
Norddeutschland, hingegen weniger im
Westen und in Amerika. Das eigentliche Ver-
breitungsgebiet erstreckt sich vom 60. bis
65.° n. Br. bis zur Schweiz, doch kommt
er noch unter 70° n. Br. und in Höhen bis
zu 1600 m fort. Er stellt geringere Anforde-
rungen an den Boden als Weizen und wird
als Sommer- und Winterfrucht angebaut.
Der Sommer-R. gedeiht auch da, wo anderes
Getreide nicht fortkommt, wird aber später