﻿Rosanilin

Rohr	406

reif und gibt um V* geringere Erträge. Wo
irgend möglich, baut man daher Winter-R.,
welcher zugleich gute Vorfrucht für Sommer-
saaten ist. R. kann mehrfach hintereinander
auf dieselbe Stelle gesäet werden. Er ver-
trägt frische Düngung, wird aber meist ohne
letztere nach Futterpflanzen oder Hackfrüch-
ten gebaut. Der R. enthält im Durchschnitt
13—14°/o Wasser, 11—13°/o Protein, 2°/o Fett,
68—70% Kohlenhydrate, ll/2—30/0 Rohfaser
und 2°/o Asche, doch ist die Zusammensetzung
von vielen Umständen: Klima, Lage,Düngung
und Bodenbeschaffenheit abhängig. Kleber
läßt sich aus dem R. nicht auswaschen. Der
Roggen bildet das wichtigste Brotgetreide
der nördlicheren Länder und wird außerdem
in Form von Grünfutter, Kleie und Schwarz-
mehl zur Viehfütterung verwendet. — Zoll:
S. Tarif Nr, 1.

Rohr. — 1. Sp anisches R. (Stuhlrohr,
Rotang, frz. Canne de bengale, engl. Rat-
tan). Dieses Material, welches als Stuhl-
geflecht und zu anderen Flecht- und Korb-
waren, ferner gefärbt zu Regenschirmrippen
und als Surrogat für Fischbein, zum Teil
auch zu Spazierstöcken Verwendung findet,
stammt von den schlanken Stämmen oder
Trieben mehrerer ostindischer Calamus-
Arten: Calamus Rotang, Calamus verus,
Calamus rudentum, aus der natürlichen
Familie der Palmen, und zwar der Rohr-
palmen. Die abgeschnittenen Stücke werden
von Oberhaut, Blättern und Dornen befreit
und dann zusammengebunden in den Handel
gebracht. Pulo-Penang, Singapore und Ba-
tavia sind die Hauptausfuhrplätze für Rotang-
rohr. Das R. geht in großer Menge nach
Europa, wird aber auch in China und Japan
viel verbraucht. Man fertigt dort mannigfache
Gegenstände aus Rohr, die sämtlich leb-
haft begehrte Handelsartikel bilden. Alles.
Tauwerk der chinesischen und anderer natio-
nalen Fahrzeuge der östlichen Meere be-
steht z. B. aus diesem Rohr. Der Handel
liegt hauptsächlich in den Händen der Hol-
länder. Als Zeichen besonderer Güte wird
eine blaßgelbe Farbe angesehen, da dunkel-
farbiges R. gewöhnlich brüchig ist. Auch muß
ein gut geschlossener, glasiger Überzug vor-
handen sein, der beim Biegen nicht abspringt.
Das dünne, gelbliche R., Stuhlrohr, nennt
man auch weibliches, während unter
männlichem dickeres, dunkelfarbiges, mit
enger stehenden Knoten versehenes R. zu
Spazierstöcken verstanden wird. Das rohe R.
hat noch seine ringförmigen Knoten, welche
beim gereinigten durch Schaben oder auch
durch Schleifen auf besonderen Maschinen
entfernt worden sind. Das nicht in ganzen
Stäben zu verwendende R. wird in Fabriken
durch Zerschneiden, Spalten, Hobeln und
Ziehen in die verschiedenen Gebrauchsformen,
Stuhl-, Korsettrohr, Rieten für Webstühle usw.
gebracht. Die dünnsten, schnurenförmigen
Streifen heißen Schnur- oder Putzrohr
und dienen in der Putzmacherei als steifen-
des Material. Die hellsten Sorten Stuhlrohr
werden durch Schwefeldämpfe gebleicht. —

2. Eine andere Sorte sogen, spanisches R.
stammt von der größten europäischen Gras-
art, Arundo donax, welche in ganz Süd-
europa heimisch ist. Es wird auch Pfahl-
rohr oder Schalmeirohr genannt und zu
ähnlichen Zwecken verwendet, wie die asia-
tische Ware. — 3. Das gemeine Teich-
rohr (Schilf-, Deckenrohr, Dachrohr,
Rohrschilf), von Phragmites communis,
dient hauptsächlich zum Berohren von Zimmer-
decken und zur Anfertigung von Wänden,
Rohrmatten zum Belegen der Frühbeet-
fenster und dergl. Der Ertrag beläuft sich!
je nach der Dichtigkeit des Standes pro
Hektar Teich oder Seeufer auf 120—300
Gebinde von 75—80 cm Umfang. Hiervon
wird aufgebunden als Dachrohr 25—35%, als
Mauerrohr 45—60°/o. Der Rest ist Streu.
— Zoll: Stuhlrohr, Span.-Rohr: S. Tarif
Nr. 69. 642. Rohrstöcke: S. Tarif Nr. 644.
Schilfrohr: S. Tarif Nr. 96. 641.

Roisdorfer Mineralquelle bei Bonn ent-
hält in 1000 Gewichtsteilen: 0,9821 g Na-
triumbikarbonat, 0,3086 g Kalziumbikarbonat,
0,3497 g Magnesiumbikarbonat, 0,0029 g
Ferrokarbonat, 1,8423 g Chlornatrium, 0,4638 g
Natriumsulfat, 0,0092 g Kieselsäure und
1,3183 g freie Kohlensäure.

Romadurkäse, auch Romatour, Rahmatour
genannt, ist ursprünglich ein echter Fettkäse
mit 22,78% Protein und 20,66% Fett, wird
aber neuerdings im Allgäu auch nach Art
des Backsteinkäses aus Vollmilch oder teil-
weise entrahmter Milch hergestellt. — Zoll-
S. Tarif Nr. 135.

Roob (Rob) ist eine alte arabische Be-
zeichnung für Dicksaft oder Mus, die
hauptsächlich für folgende pharmazeutische
Präparate noch in Gebrauch ist: Roob anti-
syphiliticus für Sirupus sarsaparillae; R. dauci
für Möhrensaft; R. ebuli, Attichdicksaft; R.
juniperi, Wacholdersaft; R. sambuci, Ho-
lundersaft; R. sorborum, Ebereschenmus; R.
spinae cervinae, Kreuzbeermus. — Zoll: Ohne
Zucker und Gewürz s. Tarif Nr. 49, mit diesen
Zusätzen Nr. 213.

Roquefortkäse ist ein berühmter Hart-
käse, der seinen Namen von dem Dorfe
Roquefort im Departement Aveyron trägt. Er
wurde früher aus Schaf- und Ziegenmilch
hergestellt, während man jetzt nur noch
Schafmilch benutzt. Die teilweise entrahmte
Milch wird mit Lab oder Waldartischocke
(Cinara scolymus) zum Gerinnen gebracht,
der Bruch mit verschimmeltem Brot in durch-
lochte Töpfe geschichtet und der Reifung
überlassen . Hierbei bedecken sich die Käse
zuerst mit einer gelben und rötlichen Kruste,
darauf mit einer weißen Schimmelwucherung,
die abgekratzt wird. In 30—50 Tagen verliert
der Käse 28—30% an Gewicht und enthält
dann: 31,6% Wasser, 26,5% Protein, 33,1%
Fett, 3,2% Milchzucker und 5,6% Asche.
Er kommt in Stanniol gehüllt in den Ver-
kehr. — Zoll; S. Tarif Nr. 135.

Rosanilin (Rosanilinhydrat, Triamido-
diphenyltolylkarbinol) ist die den eigent-
lichen Anilinfarben im engeren Sinne zugrunde