﻿Rüben

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Rüböl

Balasrubin (s. Spinell). Geringe rote
Steine, welche bisweilen für R. ausgegeben
werden, sind Granaten, Hyazinth, rote Tur-
maline, oder durch Glühen rot gewordene
Topase. Der sog. brasilianische R. ist natür-
licher roter Topas. Alle diese sog. Rubine er-
reichen den echten weder im Ion und Feuer
der Farbe, noch in der Härte. Künstliche
R., d. h. gefärbte Glasflüsse, werden in der
Farbe fast so schön wie echte hergestellt,
sind aber durch die Feile oder Anritzen mit
Diamant sogleich in ihrer wahren Natur zu
erkennen. Zu ihrer Herstellung benutzte man
früher den Cassiusschen Goldpurpur (s. Art.
Goldpurpur), der auch in der Glas- und Por-
zellanmalerei gebraucht wird, während man
jetzt eine Goldauflösung in Königswasser
(Goldchlorid) verwendet. Für geringere Rubin-
gläser, namentlich für die Überfangenen Glas-
geschirre (s. Glas) dient als viel wohlfeileres
Färbungsmittel das Kupferoxydul, in Form
von Kupferschlacken und Hammerschlag. In
neuerer Zeit werden an Stelle dieser rohen
Nachahmungen unter dem Namen: Rubis
reconstitues wirkliche künstliche Rubine
in den Handel gebracht, welche die gleiche
chemische Zusammensetzung wie das Natur-
produkt zeigen und nur auf physikalischem
Wege zu erkennen sind. Zu ihrer Darstellung
bedient man sich zweier verschiedener Me-
thoden. Nach der ersten schmilzt man mehrere
ganz kleine R. bei Temperaturen von etwa
1800° zu einem größeren zusammen und er-
hält so Steine von 8—12 Karat. Nach dem
anderen erhitzt man ein Gemisch von reiner
Tonerde und Bleioxyd in hessischen Tiegeln
und läßt langsam abkühlen. Die erhaltenen
Steine besitzen dieselbe Härte und Farbe,
sowie das gleiche spez. Gew. wie echte R.,
erscheinen aber zum Unterschiede von letz-
teren bei mikroskopischer Untersuchung ent-
weder völlig strukturlos, oder von schwarzen,
undurchsichtigen Pünktchen durchsetzt. Künst-
lich sind ferner R., welche unter dem Mikro-
skope wellenförmige Linien zeigen, während
echte Steine wie ein zartes, aus straffen,
gekreuzten Linien bestehendes Gewebe er-
scheinen. — Zoll: S. Edelsteine.

Rüben. Mit diesem Namen werden verschie-
denen Pflanzenfamilien angehörige Wurzel-
gewächse bezeichnet, welche zum Teil als
Nahrungsmittel, Futtermittel und technisches
Rohmaterial hohe Bedeutung besitzen. Die
Mohrrübe (Möhre) und die Zuckerrübe
sind in besonderen Artikeln besprochen. Die
Runkelrübe (Beta vulgaris) wird in zahl-
reichen Arten angebaut, welche sich haupt-
sächlich in die zwei Hauptgruppen: Gewöhn-
liche Futterrunkel (Beta vulgaris ra-
pacea, Beta alba oder rubra) und Runkel-
rübe mit veredeltem Blatt (Mangold,
Beta vulgaris ciela) unterscheiden. Die
R. gedeiht bis zu 71° n. Br. und in Höhen
bis zu 1400 m, reift in 150—-180 Tagen und
verlangt ein warmes, nicht zu feuchtes Klima,
sowie tiefgründigen, humosen und kalkigen
Lehmboden. Der Ertrag ist sehr hoch und
beträgt für 1 ha 30—60 000 kg. Die R. stellt

ein wertvolles Futtermittel dar und enthält
neben 75—94% Wasser 3—10% Zucker neben
geringen Mengen, 0,5—4% Stickstoffsubstanz,
0,1—0,4% Fett und 0,6—2,4% Asche. Die
Stickstoffsubstanz besteht nur zum kleinsten
Teile aus Protein, hingegen hauptsächlich aus
Salpetersäure, Ammoniak, Betain, Glutamin
und Asparagin. Die Kohlrübe (Stoppel-
rübe, Wrucke, Brassica Napus escu-
lenta und Brassica rapa rapifera) bildet
in ihren vielen Spielarten ein beliebtes Ge-
müse und wird sowohl mit länglicher als
runder, mit weißer als gelblicher Wurzel
angebaut. Sie verträgt besser Kälte und
Feuchtigkeit als die Futterrübe, während sie
in warmen Gegenden leicht holzig wird. Wie
die Futterrüben ist sie sehr wasserreich und
enthält viel Salpeter. Ihre geschätzteste Sorte
wird als Teitower-R. bezeichnet. — Zoll:
S. Tarif Nr. 24. 26. 37.

Rüböl (Rapsöl, lat. Oleum napi s. rapae,
frz. Huile de navette, engl. Rape oil). Unter
diesem Namen kommt sowohl das öl des
Rübsens, als auch das des Rapses in dem
Handel vor, welche in chemischer Hinsicht
so gut wie identisch sind. Das öl aus Winter-
frucht ist dickflüssiger und erstarrt schon
bei —|— VV2 °, das dünne Öl der Sommerfrucht
erst bei — 10°. Zur Gewinnung des R. werden
die Samen auf Stampf- oder Walzwerken und
zwischen Mühlsteinen gepulvert, in Öfen oder
Trommeln erwärmt und auf Keilpressen oder
durch hydraulische Pressen ausgepreßt. Ein
reineres öl erhält man durch Ausziehen des
Pulvers mittels Schwefelkohlenstoff oder
Benzin und nachheriges Wiederabdestillieren
des Lösungsmittels. Das rohe gepreßte öl
führt aus den Samen eine Menge Schleim
und Pflanzeneiweiß mit sich, die es zum
Brennen untauglich machen und nur die Ver-
wendung zu wohlfeilen Seifen zulassen. Zu
gutem Brennöl wird es erst durch das Raf-
finieren. Zu diesem Zwecke läßt man das
frische Öl möglichst lange in großen Behältern
stehen, wobei es schon von selbst einen
großen Teil seiner Unreinheiten als Boden-
satz abscheidet, und behandelt es dann mit
V2—IV2 % konzentrierter Schwefelsäure. Indem
man die letztere zu dem in großen, mit Rühr-
vorrichtung versehenen Bottichen befind-
lichen, warmen Öle hinzusetzt und durch
starkes Rühren einmischt, werden die schlei-
migen und eiweißartigen Stoffe teils zum
Gerinnen gebracht, teils in flockige, dunkel-
farbige Massen verwandelt, die dann zu Boden
sinken. Sobald die Flockenbildung einge-
treten ist, rührt man noch die reichliche
Hälfte warmes Wasser hinzu, leitet das Ge-
misch auf Klärfässer und überläßt es 1—2
Wochen sich selbst. Hierbei bilden sich drei
Schichten: obenauf klares Öl, das durch Zapf-
löcher abgezogen und nur noch filtriert wird,
in der Mitte die flockigen Abgänge, die noch
ölhaltig und deshalb besonders zu verarbeiten
sind und zu unterst das saure Wasser. Viel-
fach wird das Öl auch vor dem Absetzen-
lassen mit verdünnter Natriumkarbonatlösung
ausgewaschen. Der Gesamtverlust beim Raf-