﻿Rum

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Ruß

finieren pflegt 2°/o nicht zu übersteigen, ist
vielmehr meist geringer. Das durch Ex-
traktion mit Benzin oder Schwefelkohlenstoff
gewonnene Öl braucht nicht raffiniert zu
werden, da diese Flüssigkeiten den Schleim
nicht mit lösen. Das R. gehört zu den nicht-
trocknenden Ölen und besteht neben geringen
Mengen Arachinsäure hauptsächlich aus den
Glyzeriden der Erukasäure und der Rapin-
säure. Das spez. Gew. beträgt 0,910—0,918,
die Verseifungszahl 177, die Jodzahl 98—105.
Verfälschungen durch Leinöl, Hanföl, Harzöl
und Tran verraten sich durch die Erhöhung
des spez. Gew., Leinöl und Hanföl außerdem
durch die höhere Jodzahl. Das unverseif-
bare Paraffinöl erniedrigt die Verseifungszahl.
Das R. dient frisch geschlagen als Speiseöl,
ferner'als Material zu Seife, zu Maschinen-
schmiere und zum Einfetten von Leder und
Wolle, jedoch war letztere Verwendung bisher
ziemlich beschränkt, weil die Wolle beim
Lagern leicht klebrig und bis zur Selbst-
entzündung heiß wird. Die Preßkuchen bilden
ein wertvolles Futtermittel. — Zoll: S. Tarif
Nr. 166/7.

Rum (Taffia, Tafia, frz. und engl. Rum),
ein alkoholisches Getränk, wird durch Gärung
und Destillation von Rohrzuckermelasse
hergestellt und in besonderer Güte von den
westindischen Inseln, vor allem von Jamaika
geliefert. Dem Jamaika-R. am nächsten stehen
die Produkte von Barbados und Antigua, wäh-
rend die Erzeugnisse der südlichen Gruppe
der kleinen Antillen, der sog. Leewardinseln
(Inseln unter dem Winde), weniger fein sind,
und der brasilianische R. als der geringste be-
trachtet wird. Außerdem kommt R. von Kuba,
Portoriko, den britischwestindischen Inseln,
Holländisch- und Britisch-Guyana, Mauritius
und Ostindien, jedoch steht das ostindische
Getränk dem Arrak näher als dem echten R.
Zur Darstellung von R. dienen außer dem
frischen Zuckerrohrsaft bisweilen auch Sirup
von Rohrzucker, Zuckerschaum, der beim
Sieden von den Kesseln geschöpft wird, Ab-
sud von ausgepreßtem Zuckerrohr und an-
deren Rohrabfällen, ja selbst die Spülwässer,
die sich beim Reinigen der Fabrikgeräte
ergeben. Jedoch verarbeitet man bei besserem
Betriebe die unreineren Materialien, Spülicht,
Schaum u. dgl. für sich allein und brennt
daraus den Negerrum, ein kratzig schmek-
kendes Produkt. Das eigentlich wertvolle äther-
artige Aroma, welches den eigentümlichen
Rumgeschmack und -Geruch bildet, entwickelt
sich nur bei der Gärung des frischen Saftes,
während der wohl stets zugesetzte Sirup ledig-
lich den Alkoholgehalt vermehrt. Echter R. ent-
hält 70% Alkohol. Zur Erhöhung des Aromas
werden bei der Destillation häufig wohl-
riechende Kräuter und Rinden, oder nach der
Destillation in die Fässer Ananasschnitzel
hinzugesetzt (Ananasrum). Der feinste Ge-
schmack aber wird nur durch langes Lagern
erzielt, während junger R. rauh und stechend
schmeckt und stark berauschend wirkt, man
nennt ihn deshalb in den englischen Kolo-
nien Mordteufel. Die braune Farbe wird

durch Zusatz von Zuckercouleur erzielt, da
der frische R. farblos ist und auch auf den
eichenen Lagerfässern höchstens weingelb
wird. Der R. in echter Beschaffenheit, wie
er von den Kolonien verschickt wird, ge-
langt nur selten in die Hände der Konsu-
menten, sondern unterliegt zahlreichen Ver-
änderungen und Verfälschungen. Als zu-
lässig ist ein Herabsetzen des Alkoholgehaltes
auf 50% durch Wasserzusatz anzusehen. Hin-
gegen darf ein mit Spiritus vermischter R.
nur als Verschnitt-R., und ein mit Hilfe
von künstlichem Äther hergestelltes Produkt
nur als Kunst- oder Fasson-Rum ver-
kauft werden. — Zoll: S. Tarif Nr. 178/9.

Ruß (lat. Fuligo, frz. Noir de fumce, engl.
Pine soot), ein Produkt der unvollständigen
Verbrennung kohlenstoffreicher Substanzen,
besteht aus Kohlenstoff, dem gewöhnlich noch
kleine Mengen brenzlig-öliger Produkte an-
haften. Zur Darstellung der gewöhnlichsten
Sorte, des Kienruß, benutzt man harzreiches
Holz, Kienstöcke und besonders diejenigen
Hölzer und Rinden, aus welchen vorher Pech
abgetrieben wurde. Dieses Rohmaterial wird
geschwelt, d. h. in einem gemauerten
Raume bei wenig Luftzutritt einer schmau-
chenden Verbrennung unterworfen. Die
Feuerluft durchzieht, mit schwarzem Qualm
beladen, einen langen Kanal, tritt dann in
eine weite Kammer, welche mit einer aus
Wollstoff bestehenden Bedachung (Haube)
bedeckt ist, und entweicht mit Hinterlassung
des R. durch die Poren der Haube. Der im
Kanal sich absetzende R. ist am meisten mit
brenzligen Stoffen beladen, mehr glanzruß-
artig, und daher ohne nachfolgendes Aus-
glühen nicht zu verwenden. Eine bessere
Sorte sammelt sich in der Kammer, und die
feinste an der Innenseite der Haube an. Ge-
ringere Sorten werden in derselben Weise
durch Verbrennen von Stein- und Braun-
kohlen, Torf und Steinkohlenteer, z. T. auf
Koksbrennereien als Nebenprodukt erhalten.
Zur Fabrikation der feinen Rußsorten ver-
arbeitet man meist Harz (Kolophon), schwere
Steinkohlenteeröle, fette Öle, Asphalt u. dgl.
Die Öle werden in Lampen mit großen Doch-
ten, die harzigen Stoffe auf flachen eisernen
Schalen bei gedrücktem und kühl gehaltenem
Feuer verbrannt. Alle diese Produkte ge-
langen meist als Lampen ruß in den Handel,
nur eine aus Frankfurt kommende sehr gute
Sorte geht unter ihrer eigenen Firma As-
phaltruß. Um den R. von den öligen Be-
standteilen zu befreien, mit denen er immer
behaftet ist, pflegt man ihn auszuglühen (kal-
zinierter Ruß). Man stampft ihn zu diesem
Zwecke in tönerne Töpfe, die mit Deckeln
bis auf eine kleine Öffnung verkittet, oder in
blecherne Zylinder, die in Tonkapseln ein-
gesetzt werden, und erhitzt bis zur Rotglut.
Die öligen Teile verwandeln sich dabei in
Gase, welche außerhalb verbrennen. Das
Glühen darf weder zu schwach sein, weil dann
der R. noch fettig bleibt, noch zu weit gehen,
da er sonst tot gebrannt, d. h. dicht, fest und
grau wird. Der Waldruß wird in Fässern von